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Nach zwölf Jahren kehrt David Fincher in das Genre zurück, in dem er mit „SE7EN" sein erstes Denkmal setzte - das Reich der Serienkiller.

Mit „ZODIAC" liefert der Regisseur nach fünfjähriger Leinwandabstinenz ein beeindruckendes Comeback ab, wenngleich sich die beiden oben genannten Beiträge so direkt nicht miteinander vergleichen lassen.
Während bei „SE7EN" das Hauptaugenmerk auf spannende Verfolgungsjagden, düstere Mordszenarien und die Motive des christlichen Racheengels gelegt wurde, steht bei „ZODIAC" die detailgetreue Recherche der jahrzehntelangen Beweissicherung im Vordergrund. Mit akribischer Genauigkeit und geradezu manischer Besessenheit verfolgt Karikaturist Robert Graysmith die Morde des „Zodiac-Killers", entschlüsselt die mysteriösen Briefe und durchleuchtet jeden nur erdenklichen Hinweis. Der Fall geht an die Substanz und nach mehreren Jahren wird der Fall ad acta gelegt... bis er einen neuen Hinweis erhält!

Das Publikum, das nach zuletzt eher blutrünstigen Beiträgen wie „SAW" erneut einen morbiden und düsteren Psychothriller um eine grausame, mordlüsterne Bestie erwartet hat, wird sicherlich enttäuscht sein. Wenige Suspense-Momente erinnern zwar an Finchers' Werk und lassen seine Handschrift selbst in diesen kurzen Momenten erkennen, in denen im Kinosaal die pure Angst zu spüren ist - weitestgehend prägen jedoch Beweissicherung, Zeugenbefragungen, eben die Detektivarbeit der beteiligten Police Departements das Geschehen.

Obwohl ich sehr daran zweifelte, dass ein Spielfilm über 157 Min. mit einer Suche nach einem Serienkiller, der bekannter Weise nie gefasst wurde, unterhalten kann, gelang David Fincher dieses Kunststück meisterhaft. Mit einem schlichtem Set-Design und zeitgenössischen Klängen bringt er das Zeitalter von 1969 bis 1990 realistisch auf die Leinwand und den Zuschauer mitten in die aufregende Jagd nach einem der bekanntesten Serienmörder der Kiminal-Geschichte. Ähnlich Oliver Stone's Verfilmung des „J.F.K."-Attentates lichtet sich auch die Geschichte der scheinbar wahllosen Opfer des „Zodiac-Killers" nur langsam, Indizien werden mühevoll bis ins Detail zerlegt, Zeugenaussagen bringen nur langsam Licht in die allgemeine Dunkelheit.
Jake Gyllenhaal spielt mit unglaublicher Perfektion die Rolle des Außenseiters, der nur rein zufällig mit dem Fall in Kontakt kam und schließlich ein Buch über die Ereignisse verfassen sollte. Seine Besessenheit, den Fall zu lösen, drängt Familie und Alltagsleben in den Hintergrund, seine Wohnung ist mit Notizen und Zitaten übersät - für mich ist diese Leistung ein heißer Kandidat für den Oscar!
Doch auch seine Kollegen stehen ihm in nichts nach: Robert Downey Jr. spielt sich als versoffenen Journalisten Avery quasi selbst, und auch Mark Ruffalo glänzt als Inspektor Toschi.

"ZODIAC" ist dialog-lastiges Schauspielkino auf höchstem Niveau, von einem Profi inszeniert, der sich offensichtlich über die Fakten der berüchtigten Mordserie bestens informiert hat.
Trotz der erwähnten Spieldauer von über 2,5 Stunden niemals langweilig und dank einiger Mordszenen und unerwarteter Handlungsabläufe teilweise wahrhaft nervenaufreibend spannend.
Sicherlich wird der große Erfolg an der Kinokasse ausbleiben, aber das anspruchsvolle Publikum wird sich über an Finchers' Inszenierung mit Sicherheit erfreuen!

(9 / 10)

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