Auf dem Papier klingt das alles ausgezeichnet, was Arthur „Atze“ Brauner da im Jahr 1962 zusammengestellt hat: Christopher Lee, gefeierter Hammer-Star als der Meisterdetektiv Sherlock Holmes, Terence Fisher als Regisseur, Curt Siodmak als Autor – das war genau die Mischung, mit der man sich scheinbar gegen die Übermacht der Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto behaupten konnte.
Aber, und das ist leider nicht nur einmal passiert, die deutsche und die britische Vorgehensweise unterscheiden sich nun mal relativ stark voneinander und der Bastard, der am Ende das Licht der Kinowelt erblickte, war leider in keiner statt in beiden Welten zu Hause.
Unausgegoren und wechselhaft, so scheint der ganze Film. Verschiedene Elemente scheinen noch Conan Doyle pur zu atmen, wie die Sequenz auf dem Landsitz der Blackburns, der nicht zufällig bei Doyle in etwa so zu finden, in dem Roman „Das Tal der Angst“.
Andere sind dermaßen stark von Edgar Wallace beeinflusst, das man Orientierungsschwierigkeiten bekommt. Alle Hafensequenzen und eine längere Sequenz in einer zwielichtigen Pinte sind pures Wallacematerial und noch dazu niemals auch nur ansatzweise britisch.
Das fällt besonders ungünstig auf, wenn Holmes und Watson, samt Baker-Street-Wohnung und zu erwartender Kleidung (Deerstalkermütze, Pfeife, Bademantel, karierter Mantel) eindeutig im Stil der viktorianischen Epoche gezeichnet sind und das durchaus passend wirkt.
Zwar hat man Lee eine künstliche Nase verpasst (was gerade bei ihm gar nicht nötig gewesen wäre), aber der Star macht einen durchaus agilen Eindruck – was man leider von Thorley Walters recht dämlichen Watson kaum behaupten kann.
Das Drehbuch ist und bleibt jedoch ein einziger Flickenteppich, bei dem das Halsband stets und ständig den Besitzer wechselt und Detektiv- und Mysterymotive sich mit gewöhnlichen Gangster- und Capermovie-Elementen abwechseln.
Tatsächlich sind hier und da Passagen zu beobachten, die den Holmesianern durchaus gefallen dürften, aber dann wird’s wieder anachronistisch oder schlicht lächerlich zwischendurch – da hilft auch die durchaus hervorragende Leistung von Hans Söhnker als Moriarty wenig und das auf eine Fortsetzung hindeutende gar nicht so fröhliche Ende ist das kaum mehr als ein ungewohnter Luftzug.
Tatsächlich war noch eine Fortsetzung geplant, aber Lee zog es vor, die Gumminase nicht noch einmal aufzusetzen und irgendwie kann man ihm dankbar dafür sein. Ein großer Erfolg für das Ausland war es sowieso nicht, da der komplette Film nachsynchronisiert wurde und die Stars für die britische Kopie nicht mal gefragt wurden bzw. zur Verfügung standen. An so etwas hatte der englischsprachige Raum natürlich wenig Interesse.
Die mangelnde Überzeugungskraft des Films provoziert auf jeden Fall recht schnell Desinteresse, was bei Lees Charisma schade ist, aber alles in allem bleibt der Eindruck einfach unterdurchschnittlich. (4/10)