Review
von Leimbacher-Mario
Balance(verk)a(c)kt
Romantische Komödie, politische Satire, wirtschaftskritischer Thriller - „Man of the Year“ hat viel zu bieten. Verkackt es jedoch in nahezu all seinen Kategorien. Ok, die ersten dreißig Minuten als politische, entlarvende Lachnummer mit ein paar gefühlt improvisierten Gags von Williams gehen noch, Christopher Walken hat da auch noch seine typischen Momente. Aber ab dann befindet sich „Man of the Year“ von Barry Levinson nahezu im freien Fall, hat null Recht fast zwei Stunden zu gehen und mich irgendwann einfach nur noch angeödet... Erzählt wird von einem witzigen und beliebten TV-Moderator, der „by popular demand“ ohne Parteizugehörigkeit als Präsidentschaftskandidat antritt - und durch eine Panne im neuen Wahlsystem diese (zu seinem eigenen Erstaunen) auch gewinnt...
Barry Levinson hat mit „Rain Man“ einen meiner absoluten Lieblingsfilme gemacht. Er hat hier absolute Schwergewichte wie Williams, Walken und Goldblum zur Hand. Er hat das Drehbuch selbst verfasst. Und er nimmt sich ein Thema und einen Bereich vor, der gefühlt unendlich Angriffsfläche bietet, von dem amerikanischen Volk über die Wahl selbst bis zu den gewählten, scheinheiligen Politikern. Aber selbst wenn die Realität diese zahme Satire nicht schon längst dreimal überholt und überflügelt hätte - „Man of the Year“ versucht viel, kann im Endeffekt aber fast gar nichts. Eine echte Enttäuschung, von der Besetzung bis zur Regie. Goldblum etwa muss mir erstmal eine miesere Performance von ihm selbst zeigen, die vielen Genres und Facetten finden keine Sekunde zu sich oder zueinander und der Soundtrack ist an sich zwar cool, passt aber wie eine Faust in einen Topfdeckel - nämlich gar nicht. Die aufkommende Romanze zwischen Linney und Williams ist zaghaft bis lächerlich, obendrauf massiv unnötig, die Thrillerelemente wirken völlig fehl am Platz, etliche Szenen werden unerträglich gestreckt und die Polit-Satire zeigt niemals Zähne oder Inspiration. Selbst wenn man nicht mit „Veep“ oder „In The Loop“ vergleicht. Alles wirkt erstaunlich wischiwaschi und höchst blass. Und das liegt vor allem an einer peinlich missratenen Regie, die man einem solchen alten Hasen niemals zutrauen würde. Aber es ist so: „Man of the Year“ wird in der Filmographie aller Beteiligten völlig zurecht totgeschwiegen.
Fazit: als ob man Kakao mit Tequila und Schweißfüßen mischt... eine grausame Mixtur! Egal wie sehr man Robin Williams mag und vermisst - „Man of the Year“ ist („trotz ihm“) ein waschechter Stinker!