Review
von Alex Kiensch
Ein mörderischer Psychopath mit ausgeprägten medizinischen Fertigkeiten bricht aus der Nervenheilanstalt aus und nistet sich im Haus seines ermordeten, ebenfalls verrückten Vaters ein. Von hier aus will er seine ehemalige Heimatstadt "heilen" und macht sich mit allerhand Mordwerkzeugen bewaffnet auf den Weg von Haus zu Haus. Als er die herzkranke Jennifer (Holly Marie Combs) sieht, werden Erinnerungen an seine durch eine Herzkrankheit verstorbene Mutter wach - nun jagt er Jennifer, um ihr ein neues Herz einzupflanzen.
"Dr. Giggles" gehört zur späten Strömung der Teenie-Slasher-Welle, die sich bis in die frühen 90er hinein zog. Die Perspektive wechselt hier beinahe gleichberechtigt zwischen dem verrückten Doktor, der seine Kenntnis des menschlichen Körpers für grausige Morde nutzt, und der jungen Jennifer, die gerade den Tod ihrer Mutter und ihre Angst vor einem Herzfehler verkraften muss. Schon diese Figurenzeichnung macht einen Reiz des Films aus: Auf der einen Seite der geradezu comichaft überzogene Psychopath, der vor keiner noch so grausamen Gewalttat zurückschreckt und dabei stets einen an medizinische Termini angelehnten lockeren Spruch auf den Lippen hat (inklusive seinem markanten Kichern); auf der anderen Seite eine einfache Jugendliche, die mit emotionalen und postpubertären Nöten zu kämpfen hat, wie sie wohl jeder Zuschauer leicht nachvollziehen kann. So pendelt "Dr. Giggles" atmosphärisch zumindest in der ersten Hälfte gekonnt zwischen Schauer- und Gewaltästhetik und leichtem, aber durchaus eindringlichem Jugend-Drama. Der Spannungsbogen von slapstickhaftem Splatter und glaubhafter Dramatik verhilft dem Film zu einer konsistenten Atmosphäre, die den Zuschauer mit der Zeit ganz für sich einnimmt.
Überhaupt hebt sich "Dr. Giggles" oft aus der Masse von 80er- und 90er-Jahre-Slashern heraus. Sein starker Hang zu Slapstick und Ironie (wenn sich beispielsweise der besiegte Psychopath an die Kamera wendet und mit letzter Kraft fragt: "Ist hier zufällig ein Arzt im Haus?"), zahlreiche bildstark gestaltete Szenen (die surreale Verfolgung im Spiegelkabinett oder das Finale in einem pervertierten Krankenhausflügel) und ein Hang zu Kameraexperimenten machen ihn immer wieder visuell äußerst interessant: Da werden Dopplungen, Überblendungen und expressionistisch angehauchte Lichtdramaturgie verwendet und die Kamera springt immer mal wieder in exotische Perspektiven, wie etwa den geöffneten Mund eines Opfers.
Diese formale Spielerei verleiht dem Film eine durchgehende Aura von ebenso dunklem wie schrillem Humor, welcher die herben Gewaltszenen erträglich macht. Doch auch wenn die insgesamt beinahe zwanzig Mordtaten exzessiv gezeigt werden, hält sich die direkte Darstellung blutrünstiger Details doch in Grenzen: Die eigentliche Gewalt geschieht fast immer knapp außerhalb des Bildes, wodurch sich Schrecken und Ekel vorrangig im Kopf des Zuschauers manifestieren. Dennoch gehört "Dr. Giggles" mit abgehackten Händen, aufgeschlitzten Leibern und herausgerissenen Herzen zu den härteren Vertretern seines Genres. Die wirklich krasse "Wiedergeburtsszene" gar nicht mal mitgerechnet.
Zwar bleiben die Schauspieler, inklusive der späteren "Charmed"-Hexe Holly Marie Combs, ziemlich blass, viele Dialoge oberflächlich bis dümmlich und die Story eher dünn. Auch kann man wie so oft die Logik einiger Szenen hinterfragen und die Einleitung kommt dann doch etwas zu gehetzt daher. Überhaupt merkt man dem Film sein geringes Budget in fast jeder Szene an. Dennoch ist er definitiv einer der besseren Slasher-Streifen seiner Zeit und dürfte Genre-Fans für einen amüsant-ekligen Filmabend voll und ganz genügen.