Review

Argh, wer hat sich denn das zusammengebraut?
Dieses, von Disney in den seligen 80ern, verbratene Machwerk erhebt nicht zu Unrecht Anspruch auf den Titel „vollkomen mißlungenste Fortsetzung aller Zeiten“.
Aber von vorne und oben...

Anno 1939 gab es einen wundervollen Film: „The Wizard of Oz/Das zauberhafte Land“, in dem die kleine Dorothy, die nicht glücklich wurde in unserer Realität, per Wirbelsturm samt Hund in das Land Oz getragen wurde, von wo sie eigentlich nur nach Kansas zurückwollte und deswegen eine Reise antrat zum Smaragdschloß des großen Zauberers, Freunde gewann und eine Hexe besiegte.
Ein wunderschönes, buntes und in seiner totalen Künstlichkeit unverwüstliches Musical mit ein paar Einfällen, die in der ganzen Filmgeschichte nicht wiederholt wurde. Was für ein Segen.

Dann kamen die 80er, Disney war in der totalen Krise und plötzlich entsann man sich wieder der Buchreihe von Frank L.Baum und dachte an eine Fortsetzung im fx-technisch fortgeschrittenen Zeitalter der Big-Budget-Movies.
Disney wollte alles neu und besser machen... und erreichte überall das Gegenteil.

Die Story setzt sechs Monate nach den Ereignissen des 39er Films ein, Kansas ist noch fett in der Depression und die Farm kaputt. Und Dorothy kann nicht schlafen, redet stattdessen Vergorenes von feigen Löwen, Vogelscheuchen und Zinnmännern.
Endlich gibt ein echtes Kansas zu sehen, nur leider ist Dorothy extrem verjüngt worden und damit auch viel kleiner als die (zugegeben damals schon ältere) Judy Garland. Als Besetzung hat man sich Fairuza Balk ausgesucht, die hier noch nicht zu dem zähnebleckenden Monstrum mutiert war, daß sie in Filmen wie „Der Hexenclub“ später geben durfte. Besonders liebenswert und sympathisch sieht sie trotzdem nicht aus.

Als Bösling müssen diesmal andere herhalten, in unserer Welt ein Doktor, der psychisch Kranke mit Elektrostößen heilen will und die Kleine gleich mal in ein Hammer-Films-geprüftes Sanatorium steckt, wo die böse Oberschwester umgeht. Doch mischt sich auch noch ein mysteriöses Mädchen ein, die später die zu rettende Oz-Prinzessin sein soll, nur das die in unserer Realität nichts zu suchen hat.
Ansonsten wird die Zielgruppe Kind mit diesen Szenen ihre helle Freude haben, denn sie gruselig zu nennen, wäre verniedlicht.

Leider ist das der generelle Ton des ganzen Films, der zwar Achtjährige begeistern soll, aber mit ein paar Sequenzen rüberkommt, die sogar Erwachsenen die Schuhe ausziehen, vor allem später im Schloß der ständig ihren Kopf wechselnden Hexe Mombi, die auch schon mal kopflos auf Dorothy losgeht, während die körperlosen Köpfe starrend und gellend vor sich hin schreien. Wie soll man das Kind später bloß wieder beruhigen, in der Nach, in der Dunkelheit....?

Dann verzichtet die Produktion auf jeden Wiedererkennungswert. Kein Löwe, kein Zinnmann, keine Vogelscheue, die sind alle versteinert. Die Smaragdstadt liegt in Trümmern (wenigstens ein halbwegs gutes Set), der gelbe Steinweg ist aufgewühlt, halbzerstört und überhaupt so blaßbeige, daß ich ihn übersehen hätte, wüßte ich nicht vorher um ihn.

Statt den bekannten Gesichtern gibt es aber viele neue Freunde: den Roboter Tic-Toc, ein sprechendes Huhn als Toto-Ersatz, den verspielten Jack Kürbiskopf (der später ganz offensichtlich die Vorlage für Jack Skellington in „The Nightmare before Christmas“ war) und einen belebten Elchkopf namens Mr.Einfallspinsel.

Das klingt schon erheblich witzlos und ist noch viel armseliger.
Der Reiz des Originals bestand darin, echte Schauspieler so zu verfremden, daß sie die Figuren glaubhaft darstellten, aber dennoch als Schauspieler zu erkennen waren.
Das Remake setzt komplett auf Puppen, Trickfiguren, von hinten bis vorne künstlich und deswegen auch enttäuschend leblos. Tic Toc ist so unbeweglich, daß er die Handlung mehrfach behindert, das Huhn Billina gibt nur Schwund von sich, Kürbiskopf ist gänzlich unnötig und sowohl bei Vogelscheuche als auch beim Löwen entlehnt und die Nöligkeit des Elchs sorgt zwar für ein, zwei Grinser, aber für wenig Brauchbares.

Als Böse bleiben Mombi und der grausame Zwergenkönig. Der wird dann auch noch in verschiedensten Arten der Tricktechnik animiert, von Stop Motion über Knete(Plastilin?) bis gezeichnet und die Übergänge sind nicht immer fließend, wieder unnötig gruslig, humorlos (wo ist die diabolische Freude über Margaret Hamilton?) und spannungsarm.
Die Rettung kommt durch bloßen Zufall und daß am Ende wieder alles im Lot im Lande Oz ist, interessiert da schon kein Aas mehr.
Ergänzend dazu gibt es noch die fiesen Rollerer, die das Skaten/Bladen hier verbraten haben, aber nie Aufschluß geben können, was so furchtbar an ihnen ist.

Die deutsche Synchro schießt dann den Vogel komplett ab, läßt von Rubinpantoffeln faseln (das sind eindeutig Slipper, also Halbschuhe) und von gelben Ziegelsteinstraßen (huaaa...).

Der ganze Stuß versinkt bleiern in seiner totalen Künstlichkeit, hat natürlich keine Songs anzubieten und ist flach wie ein Blatt Papier. Ohne jeden Charme zusätzlich selbstverständlich.
Zum Glück wurde das auch von der Produktion erkannt und so ging das Teil ins Vergessen ein, der komplett mißlungene Versuch eine Erfolgsformel zu verjüngen. Aber Tricks sind eben nicht alles. Wenn dieser Film verloren geht, wird niemand Schaden erleiden. (2/10)

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