Von dem Tornado, der Dorothy damals in das magische Land Oz brachte, hat sich die Farm, auf der sie in Kansas lebt, auch Monate später nicht erholt. Auch Dorothy selbst kommt nicht zur Ruhe, schläft schlecht und spricht immer wieder von dem wundersamen Land, in dem sie sich wähnte. Und schnell wird klar, dass diese späte Fortsetzung einen anderen Ton anschlägt als der Klassiker von 1939. Denn Tante und Onkel stecken Dorothy schnurstracks in eine Klinik, wo sie mit Elektroschocks geheilt werden soll. Zum Glück schlägt dort der Blitz ein und ermöglicht ihr die Flucht.
Statt mit Hund Toto geht es dieses Mal mit Henne Billina auf die Reise und man landet wieder in Oz. Doch Dorothy erkennt das Land nicht wieder. Alles ist zerstört, in Emerald City wurden die Leute versteinert und es treiben sich Punks mit Rädern an ihren Extremitäten herum. Die Vogelscheuche, die die Stadt regierte, ist verschwunden, auch die anderen von früher bekannten Figuren sind verhindert. Dafür lernt Dorothy neue Freunde kennen. So wie einen Typen mit Kürbiskopf, der das Mädchen „Mom“ nennen will.
Schließt der von Walter Murch inszenierte Fantasyfilm inhaltlich auch an den bekannten Vorgänger an, ist hier vieles anders. Fairuza Balk als Dorothy hat wenig Ähnlichkeit mit Judy Garland und der Ton ist gleich mal eine ganze Spur finsterer. Das ändert sich auch nicht nach der Ankunft in Oz, dort ist ebenso ziemlich alles im Eimer. So schlägt sich die der Elektrolobotomie entkommene Dorothy mit der die Köpfe wechselnden Prinzessin Mombi und dem Nome King herum, beide recht durchtriebene Zeitgenossen. Wobei sich letzterer eigentlich nur die grünen Steine, die aus seinem Berg geklaut wurden, zurückgeholt hat. Andererseits hätte er nicht gleich alle Leute versteinern oder in Ornamente umwandeln müssen – irgendwie schießen hier die Figuren mal über's Ziel hinaus.
Den Machern erging es ebenso. Denn „Return to Oz“ hält einige Eigenwilligkeiten bereit. Abseits der erwähnten Schocktherapie für Dorothy ist das Figurendesign irgendwo zwischen okay bis bizarr einzuordnen. Die Effekte sehen dafür ansprechend aus, insbesondere die Sequenzen mit Steinen sind chic gefertigt und generell ist der Ansatz, den Film tonal und stilistisch von der 1939er-Version zu lösen, völlig legitim. Nur wie das eben hier umgesetzt wurde, lässt mich mitunter ratlos zurück. Es wird nicht gesungen, das passt schon. Dass der Film für kleinere Kinder zu finster ist, geschenkt.
Insgesamt eine schräge Fortführung des Klassikers, die beiden Werke passen nicht zusammen. Das ist nicht unbedingt schlimm, doch ist „Return to Oz“ einfach eine triste Angelegenheit mit fragwürdigen (Figuren-)Designs, immerhin aber mit manch netten Spezialeffekten und Kurzweil ausgestattet. Aber auch mit dem Problem, dass er trotz seiner Finsternis noch ein Film für ein junges Publikum sein will. Nichts Halbes, nichts Ganzes, was Merkwürdiges.