Review

FINAL FIGHT
a.k.a THE EASTSIDAZ

Es ist an der Zeit, ein Werk vorzustellen, das nicht mehr brandaktuell sein mag, das jedoch unbedingt auf diesen geheiligten Seiten Erwähnung finden muß. Die Rede ist vom neuesten Erguß der Firma Doggfather Entertainment. Erguß ist genau der richtige Ausdruck für eine Firma, die auch schon Pornos produziert hat, in denen der Meister selbst auftrat, jedoch nicht in Aktion ging. Etwas früher dieses Jahr in unseren Gefilden als Direct- To- DVD- Produktion in die Videotheken gekommen, rockte dieses krude Werk hier in der Zwischenzeit sicherlich schon so manche Heimkinoanlage.
Es mag für manche unglaublich sein und für andere wiederum nur folgerichtig, dass echte Rapper ein Ego von de Größe eines Fußballfeldes haben (oder noch mehr), aber die in diesem Teil mehr schlecht als recht agierenden Szenegrößen wie Snoop Doggy Dogg und Xzibit lassen jedenfalls die wahren Dimensionen erahnen. Was so’n richtiger Badassmotherfucker ist, der schnappt sich auch schon mal eine DV- Kamera- Villen und ähnliche potentielle Drehorte haben die ja eh alle- und lässt in der Freizeit so richtig den Gangsta raushängen.
Die Homeys des Gangsterbosses Killa Pop können die Jamaikaner voll nicht riechen, weil die Reggae hören (das habe ich mir nicht ausgedacht, das sagen die wirklich!), er jedoch mahnt zur Disziplin, denn schließlich lockt der bare Mammon. Was er jedoch nicht weiß, ist, dass zwei von den Radaubrüdern eigene Pläne verfolgen. Sie statten den Jamaikanern vorher einen kleinen Besuch ab und richten ein Massaker an, das sie natürlich dem nachfolgend anrückenden Killa in die Schuhe zu schieben gedenken (der zu so einem Millionendeal souverän nur zu zweit anrückt, klar). Killa und sein bester Kumpel- Sidekick, die schon die harten Zeiten hinter sich wähnten, werden folgerichtig ob der vorgefundenen Leichenberge hinter Schloß und Riegel gesetzt, ungeachtet der Tatsache, dass die beiden keinen einzigen Schuß aus ihren Bohnenschleudern abgegeben hatten. Und wie das so ist, findet man hinter Gittern den üblichen Mix aus knallharten Crackonkels, sadistischen aber grenzdebilen Wärtern, alten aber weisen Mitgefangenen etc., vor. Killa verbringt die Zeit hauptsächlich damit, seine stahlharten Strohhalmärmchen noch stählerner zu machen, was ihm bei illegalen Wettkämpfen zugute kommt, wo er die Gegner Mores lehrt.
Killa und sein Kumpel verfrachten sich mittels unlauterer Tricks in die Krankenstation, von wo aus es für sie ein Leichtes ist, gen Freiheit zu verduften. Zeit wird’s, ist doch Killa’s Freundin schon seit längerem in der Gewalt eines der Verräter. Wird es den beiden gelingen, sie zu befreien? Werden sie, die „guten“ Verbrecher über die „bösen“ Verbrecher triumphieren?
Selten, viel zu selten gab es in der jüngsten Vergangenheit Filme zu bewundern, die ihren Unterhaltungsauftrag derart ernst nahmen wie dieser. Ohne großen Firlefanz, geschweige denn Aufwand, haben diese Rapper scheinbar in ihrer freien Zeit einen Film in die Kanne gekippt, in dem sie ihren Fantasien hemmungslos die Zügel schießen lassen konnten. Da wird eine DV- Kamera beschafft, und mit der hält man das ganze Gepose fest, ohne vorher großartig zu überlegen, was man denn da überhaupt erreichen möchte. „Scarface“ (1982) für Arme? „New Jack City“ (1991) anders herum, nur auch für Arme? Oder sollte das so was wie „Menace II Society“ (1993) werden, so richtig sozialkritisch und episch? Vielleicht wird man dem Film jedoch eher gerecht, wenn man ihn mit der geballten Ladung Bad Taste eines japanischen „Visitor Q“ (2001), ebenfalls auf DV gedreht, vergleicht. Nee, das hat der doch nicht verdient.
Mir sind jedenfalls die Tränen gekommen über diesen Billiglook, die erbärmlichen schauspielerischen Leistungen, das klischeehafte Drehbuch, das viele Hollywood- Gefängnisfilme innovativ aussehen lässt. Die deutsche Synchronisation setzt dem Ganzen noch die Krone auf: Die klingt wie bei heutzutage handelsüblichen Pornos, Zitat: „Kannst du mir ´ne Alte besorgen, die sich in den Arsch pimpern lässt?“ Das ist klasse, so wollen wir das hören. Endlich benennt einer mal die Dinge beim Namen! Allerdings ist die Originalfassung auch nicht zu verachten: „You tell him I’m taking over this motherfucking jailhouse!“ Wo man sich allerdings Mühe gegeben hat, ist die Creditssequenz, die hat zugegebenermaßen einen ganz eigenen, distinktiven Stil. Und wenn der Abspann beginnt, sollte man noch nicht abschalten, denn unter den hat man noch eine lustige Sequenz mit dem fiesen Gefängniswärter gelegt.
Im Film gibt es neben der Tatsache, dass man ihn vermittels Füllszenen, in denen gerappt wird, bis der Arzt kommt, um das Teil so auf Spielfilmlänge zu strecken, Szenen, die einen den Mund aufklappen und nach Luft schnappen lassen. So befreit sich der von den Böslingen überwältigte und gefesselte Snoop alias Killa Pop, weil er an einem Joint so heftig ziehen kann, dass der Rauchmelder die Sprenkleranlagen auslöst! Einen Typen in einem Spätkauf schlägt er ohne jede Vorwarnung zusammen, weil der ihn auf der Highschool verpfiffen hatte, worauf er aus dem Basketballteam flog! Und bei den illegalen Wettkämpfen schafft er natürlich, obwohl er ein eher schmächtiges Kerlchen ist, sein muskelbepacktes Gegenüber und kann dabei noch cool aussehen. (Kampfszenen und Shootouts sind übrigens recht blutig, das sei hier nebenbei bemerkt.)
Im übrigen gehören die Rap- Beiträge von Snoop Doggy Dogg auch für den Nicht- Hip- Hop- Hörer zu den Anhörbaren, weil er es immer schön smooth angehen lässt und nie, wie viele seiner Kollegen, besonders von der deutschen Fraktion, ständig am Herumschimpfen ist, denn so etwas ist einfach nur stressig. Außerdem hat der Mann einen recht lässigen Humor, wie man an seiner Sendung auf MTV nachvollziehen kann. Ebenso Positives kann man allerdings über seine schauspielerischen Fähigkeiten und die seiner Kollegen nicht sagen! Die wissen schon, sich angemessen „cool“ in Szene zu setzen, können aber eben nicht schauspielern.
Auf der DVD sieht der Film natürlich sehr gut aus, wegen DV. Als Zusätze gibt es lediglich eine kleine Fotogalerie mit Screenshots und den Originaltrailer.
Mein Bruder, der in einer Videothek arbeitet, war übrigens derjenige, der mir eines Tages die DVD mit so einem merkwürdig- wissenden Blick in die Hand drückte und meinte, das müsse ich gesehen haben, das sei mal wieder ein wirklich guter Gangsterfilm. Recht hat er, vielen Dank für diesen einzigartigen Tip! Morris

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