Bereits Anfang des Jahrtausends erarbeitete sich die durchgeknallte Clique um Bam Margera, Johnny Knoxville und Co mit ihrer geisteskranken TV-Show „Jackass“ eine große Fangemeinde und spaltete die Zuschauermeinungen extrem. Der erste Kinofilm war dann eine große Enttäuschung, da er im Prinzip nichts als eine längere Folge der Serie war und sehr langatmig und zähflüssig inszeniert war.
Nachdem es eine Weile ruhig geworden war um „Jackass“ und Ableger wie „Wild Boyz“ oder „Viva La Bam“ das Fernsehen eroberten folgt nun dieser zweite Teil der den Wahnsinn der Serie und des ersten Kinofilms konsequent zu steigern vermag und weitaus mehr extreme Szenen bietet. Schon in der ersten halben Stunde geht mehr ab als im gesamten ersten Teil und nicht umsonst ließen die Darsteller extra neue Lebensversicherungen abschließen, in einigen Situationen wird es nämlich wirklich brenzlig, so zum Beispiel in den Szenen mit dem wütenden Stier. Eine Auflistung oder Besprechung der einzelnen Untaten würde den Rahmen sprengen, vor allem da jeder Zuschauer da seine eigene Schmerzgrenze hat.
Was die narrative Ebene angeht bietet auch die Fortsetzung keinerlei Stringenz, wieder werden unterschiedlich lange Episoden präsentiert, die nur locker verbunden sind durch einige Running-Gags. Da keine Pseudo-Handlung existiert macht das aber keinen zwanghaften Eindruck und wirkt niemals so lahm wie der erste Teil. Der Unterhaltungswert ist enorm hoch, denn es gibt kaum Füllmaterial und jede Sequenz weiß aufs Neue zu schocken. Selbst eingefleischte Fans werden überrascht sein, das Risiko bei den Stunts und die Schmerzgrenze aller Beteiligten wird noch sehr viel höher geschraubt und hier wird ein Tabu nach dem anderen gebrochen.
Der Vorspann ist hervorragend inszeniert und wirkt sehr spektakulär. Übertroffen wird das Ganze aber zum Schluss mit einer aufwendigen Bühnenshow mit perfekter Choreografie. Filmisch gesehen bleiben diese beiden Szenen aber die einzigen denkwürdigen und der Rest bleibt eine sinnlose Aneinanderreihung verschiedenster Geschmacksüberschreitungen. Man kann also wieder nur wenig mitnehmen aus dem Film und ein bleibender Eindruck ist nicht wirklich vorhanden. Eine hohe Bewertung ist ausgeschlossen, alleine schon weil es sich wieder um einen uninspirierten Zusammenschnitt unterschiedlichster Szenen handelt. Trotz allem muss ich zugestehen, dass ich mich beim zweiten Teil durchaus amüsiert habe und das will was heißen bei „Jackass“.
Spike Jonze ist wieder mit von der Partie und auch Trash-Papst John Waters oder Luke Wilson sind in Gastauftritten zu sehen. Waters wird auch gehuldigt, in einer Ekel erregenden Szene wird Pferdekot und Sperma verspeist, eine wirklich deftige Sequenz. Eine ähnliche Szene gibt es zu bewundern in Waters’ Meisterwerk „Pink Flamingos“. Mit solchen Independentfilmen haben die hoch bezahlten und perfekt ausgestatteten Stunt- und Ekel-Orgien in „Jackass“ allerdings höchstens die anarchische Sinnlosigkeit. Das Trinken des Pferde-Spermas ist natürlich mehr als grenzwertig und musste mit einem kleinen Balken zensiert werden. An Intensität verliert dieser Akt dadurch nur wenig und nicht nur deswegen muss ich Zuschauern mit sensiblem Magen mehr als nur vorwarnen.
Die gängigen Bewertungskriterien eines Filmes fallen im Prinzip weg, was zu erwähnen bleibt ist ein flotter Soundtrack und einige sehenswerte Stunts. „Jackass“ wird ein Phänomen bleiben an dem sich die Geister scheiden. Ich bin kein prinzipieller Gegner des Projektes, komme aber an einer niedrigen Bewertung generell nicht vorbei.
Fazit: Auch wenn man sich in allen Belangen deutlich steigern konnte, handelt es sich auch bei „Jackass Nummer Zwei“ um einen ziemlich überflüssigen Film. Letztendlich funktioniert das Konzept als TV-Show wohl am besten, an einem weiteren Erfolg an den Kinokassen wird das aber wohl nichts ändern.
02 / 10 – immerhin doppelt so gut wie der Vorgänger und wenn sich die Reihe konsequent weiter steigert bekommt „Jackass X“ dann 10 Punkte, das würden die Darsteller aber wohl nicht mehr überleben.