Kiefer Sutherland spielt einen jungen Arzt, der in einem Krankenhaus eingestellt wird, das Kriegsveteranen behandelt. Dort angekommen stellt er fest, dass die Leiter der Klinik ausnahmslos finanzorientiert handeln und daher möglichst wenige Patienten behandeln, auch wenn es sich des Öfteren um lebensbedrohliche Krankheiten und Verletzungen handelt. Lediglich ein Arzt, gespielt von Ray Liotta, und dessen Team setzen sich über die Regeln und Dienstwege hinweg. Als die Aktionen der Ärzte auffliegen, kommt es zur handfesten Auseinandersetzungen mit der Klinikleitung.
Dass es sich bei dem amerikanischen Gesundheitssystem, das durch diverse Privatisierungsvorgänge sehr gewinnorientiert ist und daher oftmals Nachteile für die Patienten mit sich bringt, nicht das beste ist, wurde schon in mehreren Spielfilmen, wie "John Q" oder auch Dokumentationen, wie zuletzt in Michael Moores "Sicko" angeprangert und auch "No Surrender" steht dem amerikanischen Gesundheitssystem überaus kritisch gegenüber. So wird immer wieder deutlich aufgezeigt, wie skrupellos und unmoralisch die Klinikleitung handelt, wie wenig man sich im Vorstand um das Wohl der Patienten schert. Mit einigen zynischen Dialogen und einem knallharten -weil im Grunde gar nicht mal so unrealistischen- Einblick in den Krankenhausalltag, aus der Perspektive eines neuen, jungen Arztes, der seine gesamte Karriere noch vor sich hat, fällt diese Kritik auch durchaus hart aus, auch wenn durch das überzogene Ende die Authentizität der Geschehnisse leidet und der Film daher einen etwas faden Nachgeschmack hinterlässt. Dafür ist der Kleinkrieg zwischen dem idealistischen, humanen Herzspezialisten, der auch Patienten behandelt, die er im Grunde gar nicht behandeln soll und der Krankenhausleitung solide konstruiert und das Finale, in dem dieser schließlich gipfelt in dieser Hinsicht nicht ungeschickt gewählt. Bestandteil der Kritik ist ebenfalls das respektlose Verfahren mit den Kriegsveteranen, die im Kampfeinsatz verletzt wurden und nun nicht behandelt werden. Keine schlechte Story also, auch wenn Fehler unterlaufen.
Unterhaltsam ist "No Surrender" durchaus über weite Strecken, dafür sorgen die zahlreichen zynischen Gags, die mitunter recht amüsanten Dialoge, sowie der Plot, der durch das routiniert gewählte Erzähltempo zumindest ein bisschen Spannung über weite Strecken aufrechtzuerhalten vermag. Darüber hinaus sind die Gags gut getimt, was von der Routine des Regisseurs, Howard Deutch, der zuvor unter Anderem die Komödien "Ferien zu dritt", "Ist sie nicht wunderbar?" sowie "Pretty in Pink" inszenierte, zeugt und auch ansonsten gibt es an der Inszenierung, die zwar keinerlei spektakuläre Einfälle oder Innovationen zu bieten hat, aber durchaus als versiert bezeichnet werden kann, nichts zu bemängeln, so weiß Deutch durchaus, seine Botschaften solide zu vermitteln und darüber hinaus seine Darsteller in Szene zu setzen. Über einen ordentlichen Unterhaltungswert hinaus kommt "No Surender" jedoch auch nicht, dafür fehlen dann doch die ganz großen Momente.
Kiefer Sutherland zeigt sich als junger Arzt, der zwischen seinen Karriereaussichten und seinem Gewissen hin- und hergerissen ist gewohnt solide und sympathisch und ist damit durchaus gelungen besetzt. Ray Liotta zeigt sich als Arzt, der sich gegen die unhaltbaren Zustände zur Wehr setzt, hervorragend und beeindruckt einmal mehr durch eine überaus gelungene Vorstellung und eine außerordentlich große Leinwandpräsenz. Unter den ebenfalls überzeugenden Nebendarstellern stechen besonders Forest Whitaker und John C. McGinley.
Fazit:
Darstellerisch wie inszenatorisch ordentlich, unterhält "No Surrender" durchaus über weite Strecken und äußert dabei berechtigte Kritik am amerikanischen Gesundheitssystem und am respektlosen Umgang mit den Kriegsveteranen, auch wenn der Sprung über das Mittelmaß hinaus, nicht zuletzt aufgrund des unpassenden Finales, nicht so recht gelingen will.
62%