„Blinde Wut“ ist der wahrscheinlich beste Streifen von Rutger Hauer, auch wenn das bei dessen großer Anzahl an B-Filmen nichts heißen muss.
Nick Parker (Rutger Hauer) verliert im Vietnamkrieg sein Augenlicht und wird von den Eingeborenen gefunden. Diese päppeln ihn nicht nur wieder auf, sie zeigen ihm auch, wie er als Blinder zurecht kommt und in diesem Zustand den Schwertkampf exzellent beherrscht. Diese Szenen sind allesamt gut inszeniert worden, so dass man Rutger Hauer seine Rolle im weiteren Verlauf auch abkauft.
20 Jahre später: Nicks alter Kumpel Frank Devereaux (Terry O´Quinn) hat ernorme Spielschulden bei einem kriminellen Casinobesitzer. Da er nicht bezahlen kann soll Chemiker Frank synthetische Drogen für den Casinobesitzer herstellen. Als Druckmittel will dieser dessen Sohn und Ex-Frau benutzen. Mit dieser kurzen Szene wären eigentlich auch schon die Hintergründe geklärt, welche die Action ins Rollen bringen.
Nick will derweil Frank besuchen, doch trifft nur dessen Ex-Frau Lynn (Meg Foster) und Sohn Billy (Brandon Call) an. Doch in diesem Moment betreten die Schergen des Casinobesitzers das Haus, töten Lynn und können von Nick nur mühsam zurückgeschlagen werden. Dieser verspricht der sterbenden Lynn Billy zu seinem Vater zu bringen. So reist das ungleiche Gespann los, die Häscher der Drogenmafia auf den Fersen.
Phillip Noyce, der spätere Spezialist für Clancy Verfilmungen, hat mit „Blinde Wut“ einen zwar sehr kurzen (mit Abspann läuft der Film nur ca. 83 Minuten), aber furiosen Actionfilm geschaffen. Zwischendurch wird es auch etwas Dramatik, wenn sich der blinde Nick und der anfangs etwas bockige Billy zusammenraufen müssen. Das ist aber nicht kitschig gemacht und bremst den Film auch glücklicherweise nicht.
Die Story ist recht spannend, vor allem aber rasant und temporeich. Besonders überraschende Wendungen gibt es nicht und abgesehen von der Tatsache, dass der Held ein blinder Schwertkämpfer ist, gibt es auch eher wenig Innovationen. Doch aufgrund des Tempos und der Kürze fallen diese Kritikpunkte gar nicht ins Gewicht, zumal das Drehbuch die Story mit ein wenig Augenzwinkern auflockert (z.B. die „Vielleicht geben sie mir meinen Führerschein wieder!“ Szene).
An Action gibt es neben einer Verfolgungsjagd nur Kämpfe zwischen Schwertkämpfer Nick und unterschiedlich bewaffneten Gegnern. Doch diese sind nicht nur extrem spektakulär und furios inszeniert worden, sondern genießen auch eine Art Exotenbonus, da man in Holly Actionern kaum Schwertkämpfe bewundern darf. Zwar häufen sich die Kämpfe erst zum Ende hin, aber das ist schnell erreicht, so dass man sich weiß Gott nicht über Actionmangel beklagen kann.
Rutger Hauer verkörpert seine Rolle ziemlich gut und das trotz seines eher begrenzten schauspielerischen Talents. Die Fieslinge machen ebenfalls eine gute Figur (u.a. Randall 'Tex' Cobb aus „Die verwegenen Sieben“ und Noble Willingham aus „Last Boy Scout“), die restlichen Darsteller sind routiniert. Terry O’Quinn und Meg Foster spielten übrigens schon in „Stepfather II“ ein Ehepaar.
Obwohl „Blinde Wut“ kein Actionklassiker ist, so bietet die furiose Schwertkampf Action beste Unterhaltung für Genrefans.