Review

Darf man eigentlich eine Wärmflasche mit ins Kino nehmen? Wenn ja, stopft euch das Teil unter den Mantel, denn mit „Wind Chill“ geht die gefühlte Temperatur definitiv weit unter Null. Dabei handelt es sich nicht nur um einen Winterfilm, sondern auch um klassischen Spukstoff, der dem Betrachter das ein oder andere Mal einen eisigen Schauer über den Rücken jagen lässt.

An sich ist die Story denkbar simpel: Collage-Studentin (Emily Blunt) findet per Aushang am schwarzen Brett eine Mitfahrgelegenheit, um die Weihnachtsfeiertage bei ihren Eltern verbringen zu können. Doch der Fahrer und Student (Ashton Holmes) legt ein verdächtiges Verhalten an den Tag. Ihr Misstrauen gegenüber dem Fremden wird noch verstärkt, als dieser eine verschneite Landstraße befährt, anstatt auf dem Highway zu bleiben. Prompt wird ihr Wagen von der Straße abgedrängt und bleibt in einer Schneewehe stecken. Die Nacht bricht über die frierenden Studenten hinein, während geisterhafte Gestalten ihren eisigen Aufenthaltsort kreuzen.

Wenn man ein gepflegtes, spukiges Frösteln erleben möchte, liegt man hier genau richtig, denn die Eiseskälte steigt parallel zur Spannungskurve auf.
Zunächst ist es lediglich eine ärgerliche Situation, mit einem nicht mehr ganz so intakten Fahrzeug (die Fensterscheiben lassen sich nicht komplett hochkurbeln, so dass der Freiraum mit Klebeband abgedichtet werden muss), in einer verschneiten, nächtlichen Einsamkeit liegen zu bleiben.
In einer solchen Lage sollte man sich einander komplett vertrauen können, was der Studentin logischerweise schwer fällt, da er sich immer mehr in widersprüchliche Aussagen verstrickt und offenbar ein Geheimnis vor ihr hütet.
Hinzu kommt im Verlauf die ansteigende Kälte, da der Wagen Benzin verliert und die Heizung ausfällt, nicht genügend Kleidung im Gepäck ist und sich die beiden (für mich nicht ganz nachvollziehbar) im Auto einmummeln, anstatt in Bewegung zu bleiben und die nicht ganz so weit entfernte Tankstelle aufzusuchen.

Aber genau innerhalb dieses gruseligen Szenarios bezieht der Streifen seine Stärke, denn die unglaublich intensive Atmosphäre besticht einerseits durch das einfache und dadurch authentisch wirkende Setting und zudem durch den zurückhaltenden Score, der mit jedem Einsatz hoher Hüllkurven ein weiteres Eiskristall in das Geschehen zu platzieren scheint.
Schnee, wohin man nur blickt, die Äste des angrenzenden Waldes werfen unheimliche Schatten und zudem verhindern die langsam zufrierenden Scheiben des Autos einen deutlichen Blick in die Landschaft.
Dazu gesellen sich unterdes geisterhafte Erscheinungen, die erzähltechnisch geschickt ins Geschehen eingebunden werden, da man oft nicht auf Anhieb mitbekommt, ob die nun gerade tatsächlich durch den Schnee wandeln oder einem der Alpträume der im Auto schlafenden Studentin entspringen.

Besonders zu Beginn lassen einem diese Gestalten einen gehörigen Schauer erleben, sie tauchen aus dem Nichts auf, reagieren auf kein Ansprechen und verschwinden ebenso stumm wieder in der Dunkelheit. Erst mit der Zeit konkretisiert sich die Ursache dieser Erscheinungen und es klärt sich, was es mit einigen Priestern, einem dubiosen Cop und der Vergangenheit der Landstraße 606 auf sich hat.
Dabei gestaltet sich die finale Auflösung leider weitaus simpler als erwartet, vor allem der Bezug der beiden Hauptfiguren zum Spuk birgt letztlich nicht den erhofften A-ha-Effekt.

Dennoch kommt zwischen plötzlich ertönendem Radio, dem Versuch von einem Telefonmast aus einen Notruf zu senden und den Bemühungen, eingefrorene Hände nicht völlig absterben zu lassen eine Menge Suspense auf.
Die beiden Hauptdarsteller können das auf sie fixierte Geschehen recht glaubhaft zur Geltung bringen, auch wenn mir Emily Blunt deutlich besser gefällt als ihr männlicher Kollege, der hingegen nichts für die etwas einfältige Charakterisierung durch das Script kann, während sie vor allem gegen Ende ein paar recht ausdrucksstarke Szenen vorzuweisen hat.

Im Gesamtbild punktet jedoch primär die Stimmung, die die etwas schwach ausgearbeitete Story mit ihrer Intensität locker überspielen kann.
Eine einsame verschneite Landstraße, geisterhafte Gestalten, der Kampf gegen die stets ansteigende Kälte und diverse Irreführungen zwischen Realität und Alptraum machen diese überaus solide inszenierte Mixtur zu einem sehr ansprechenden Fröstel-Erlebnis,
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme