Schnee, Wind und Dunkelheit sind die wesentlichen Zutaten von "Der Eisige Tod" und daraus haben Gregory Jacobs und seine beiden jungen Hauptdarsteller einen formidablen Albtraum gebacken, wobei die Handlung auf den ersten Blick nicht gerade abendfüllend erscheint. Dabei präsentiert sich das Szenario um zwei für den Zuschauer namenlose Studenten, die nach einem Autounfall eingeschneit in der Pampa liegen bleiben, erfreulich erfrischend (das soll jetzt keine Anspielung auf den Titel sein), obwohl kaum ein Element der Story wirklich neu ist (beneidenswert, wem bei dem Satz "Ich kenn' da eine Abkürzung..." nichts Übles schwant).
Somit ist bereits a priori der Handlungs- wie auch der Bewegungsspielraum der beiden Figuren enorm eingeschränkt, was bei rund 90 Minuten Laufzeit erfahrungsgemäß furchtbar in die Hose gehen kann. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, denn obwohl sich die Handlung schätzungsweise zur Hälfte im Innern des Autos, ansonsten in der unmittelbaren Umgebung des Unfallortes abspielt und die Anzahl der dialog- und handlungsfähigen Teilnehmer weitgehend auf die beiden Protagonisten beschränkt bleibt, schafft es der Film nicht nur die Aufmerksamkeit des Zuschauers konstant aufrecht zu erhalten, sondern lässt die Spannungskurve dabei auch noch stetig nach oben klettern.
Das liegt vor allem daran, dass sich die Situation und das Verhalten der beiden Eingeschlossenen stets nachempfindbar und vor allem auch glaubhaft darstellt, weil Jacobs darauf verzichtet, zu dick aufzutragen. Stattdessen lässt er es emotional unter der Oberfläche brodeln, was durch den düsteren, minimalistischen, Drone/Ambient-artigen Soundtrack und das natürliche Setting (Schnee, Wind und Dunkelheit eben) verdammt gut transportiert wird.
Dies bedeutet dennoch keinen Verzicht auf die Elemente, die einen waschechten Horrorfilm auch visuell ausmachen. "Der Eisige Tod" ist eine Geistergeschichte und entsprechende Erscheinungen bekommt der Zuschauer auch serviert. Allerdings ist dabei die unheimliche, stets sehr bedrohliche Grundstimmung die Trumpfkarte und nicht eben Gewalt, Action oder Gore. Zu einem Kammerspiel artet die Geschichte dann aber doch nicht aus und sie driftet auch nicht unfreiwillig in die Gefilden eines Drama ab.
"Der Eisige Tod" ist nicht revolutionär in der Hinsicht, dass Jacobs Film das Genre neu erfindet, vielmehr stellt er aber eine Rückbesinnung dar, auf das, was einen ordentlichen Horrorfilm ausmacht: Angst und Beklemmung. Da ist es verschmerzbar, wenn der Genrefreund spätestens 20 Minuten vor Schluß schon ahnt, wie der Hase läuft. Unterm Strich steht somit der Gesamteindruck eines mehr als überdurchschnittlichen Films und eine klare Empfehlung.