US-Regisseur Gregory Jacobs‘ zweiter Spielfilm „Der eisige Tod“ aus dem Jahre 2007 ist sein erster Ausflug in den Horrorbereich. Eine Studentin ergreift eine Mitfahrgelegenheit, mit einem Kommilitonen nach Hause zu fahren, um dort die Weihnachtstage zu verbringen. Obwohl sie ihn nicht kennt, muss sie bald feststellen, dass er sie wiederum sehr wohl kennt und die Mitfahrgelegenheit extra für sie arrangiert hat, es sich also mitnichten um einen glücklichen Zufall handelte. Nach einem Unfall auf einer abgelegenen Straße machen sie zudem Bekanntschaft mit unheimlichen Gestalten…
Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf seine beiden Hauptdarsteller Emily Blunt („Der Teufel trägt Prada“) und Ashton Holmes („A History of Violence“), die das ungleiche und namenlose Studenten-Duo mimen und eine Abgeklärte, Schnippische Unnahbare und einen Unscheinbaren, Schüchternen, in sie Verliebten darstellen sollen. Er hat sie ins Auto gelockt, um ihr näherzukommen, sie hingegen findet das alles andere als komisch oder gar romantisch und lässt ihn das offen spüren. Somit beginnt der Film wie eine leichte Abwandlung typischen Tramper-Horrors, der die Ängste davor, unbekannten Fahrern auf engstem Raum ausgeliefert zu sein, aufgreift. Doch weit gefehlt, denn das ist genauso wenig Intention des Films wie ein kurzer Anflug Backwood-Horrors.
Dieses bewusste Spiel mit Horrorklischees ist noch das Beste an der langen Exposition von „Der eisige Tod“, denn die Dialoge der beiden untereinander während der Fahrt, aus denen man theoretisch verhaltenspsychologieschwangere Hochspannung hätte erzeugen können, bewegt sich auf unglaubwürdigem Teenie-Niveau und ist mäßig interessant. Er reagiert stets zu cool für seine hochnotpeinliche Situation und die ihm ursprünglich angedichteten Charaktereigenschaften, sie ist eine unsympathische, sarkastische Giftspritze, der man beinahe tatsächlich einen Psycho ans Steuer oder einen Redneck-Killer an den Hals wünscht.
Neben der Tatsache, dass es sich um eine Art Weihnachtshorrorfilm handelt und er es daher ohnehin etwas leichter bei mir hat, überzeugt „Der eisige Tod“ vor allem mit seiner plastisch wirkenden, u.a. mithilfe kalter Blaufilter erzeugten Winteratmosphäre, angesichts derer man den Drang verspürt, sich unter eine warme Decke zu kuscheln. Was den beiden letztlich wiederfährt und worum es im Film eigentlich geht, ist dann durchaus nett anzuschauen, wenn auch nicht sonderlich spektakulär. Der Film jedoch gewinnt an Dramatik und vor allem endlich Horror, das Auto als einziger Zufluchtsort sorgt für klaustrophobische Gefühle. Schaurige Gestalten wüten im verschneiten Waldambiente und die Realität, wie unser unfreiwilliges Pärchen sie bislang kannte, verschwindet hinter alptraumhaften Visionen. Doch obwohl es recht zeitig einen Hinweis auf die Erklärung jener Phänomene gab, wirkt die schlussendliche Auflösung dann doch zu sehr wie ein halbgares, aufgesetztes Wischiwaschi.
Fazit: Für einen langen Winterabend durchaus zu gebrauchender, harmloser Mystery-Horror mit einigen deutlichen Schwächen.