Review

Uber vor Luder

In "Wind Chill" aka (und etwas plump "eingedeutscht") "Der eisige Tod" sucht eine attraktive Studentin recht spontan einen Tag vor Heiligabend (!) eine Mitfahrgelegenheit in die Heimat - und findet diese überraschenderweise in einem jungen Mann mit recht rostigem Auto. Doch als die beiden im Schneegestöber am A.... der Welt einem anderen Auto ausweichen müssen und von der Strasse abkommen, wachsen nicht nur Misstrauen untereinander, sondern sinken vor allem die Temperaturen rapide und zu allem Überfluss erscheinen auch noch seltsamen Gesalten immer wieder in der weissen, nächtlichen Umgebung, die wahrscheinlich eher nicht zum Pannenservice gehören...

Emily Blunt zählt mittlerweile zu den größten weiblichen Stars in Hollywood. Sie ist immerhin Mary Poppins, sie liefert Hits quer durch alle Genres, von Horror wie "A Quiet Place" bis zu Action wie "Edge of Tomorrow". Da ist es natürlich interessant, sie in ihren Anfangsjahren in der Traumfabrik zu sehen. Doch tragen, konnte sie schon damals einen Film, wie "Wind Chill" beweist. Zumindest einigermaßen. Doch die toughe Traumfrau war gar nicht der Grund, warum ich auf diesen Schnee-Thriller gestoßen bin. Er war eher einer der Horror-Geheimtipps, den man sich nach etwas Googeln schnell auf die Watchlist packt und im Dezember an hervorzaubert. Thematisch, zeitlich und stimmungstechnisch passt er ja auch hervorragend in die aktuelle Phase des Jahres - erst recht, wenn man in Zeiten der Klimaerwärmung den Schnee etwas vermisst und über den kompletten Winter gar nicht mehr allzu sicher sein kann, diesen überhaupt zu sehen. In "Wind Chill" gibt es genug davon, zudem eine Story, die Paranoia, Kälteschmerzen und übernatürliche Elemente geschickt miteinander im erhabenen Weiss verwischt. Leider haben beide Hauptfiguren genug Seiten an sich, die mir schnell auf die Nerven gingen, was bei einem Nahezu-Kammerspiel natürlich eher suboptimale Voraussetzungen sind. Immerhin haben die "Geister" ihre Momente und bei dem Setting fröstelt es einen schon, inklusive Gänsehaut und Kuscheldecke. Dennoch: im Endeffekt geben Szenario und Grundidee nicht genug her, um bei mir über die gesamte Laufzeit das Interesse hochzuhalten und die Auflösung hat dann auch viel zu wenig Wumms und Raffinesse. Da hätten mehr Kurven geschlagen werden müssen über 100 Minuten. Für eine TV-Folge von Mystery-Serien wäre das locker genug - allerdings wäre die dann auch nur halb so lang...

Fazit: schöne Ansätze, solide Atmosphäre, eine junge Emily Blunt und ein paar weniger Wendungen, als man anfangs vielleicht meinen würde. Ganz reicht es damit für mich nicht über den Schnee-Schnitt. Gruselig zum Teil, nervig (leider) zum Großteil. Eher eine kurze "Twilight Zone"-Episode als ein ausgewachsener Grusler. Der ähnliche "Dead End" ist klar überlegen.

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