Review

John Heder ist im Moment ziemlich gut beschäftigt. Hat er vor kurzem erst mit Will Ferrell auf dem Eis gestanden, gibt er sich nun dieses mal eine Kabbelei mit einem weiteren großen Star von Hollywood. Billy Bob Thornton, allen noch gut bekannt als ekelerregender Santa Claus-Verschnitt in "Bad Santa"! Und wieder ist Heder der Loser, während Billy Bob wohl alles andere als das ist. Denn er wandelt leicht auf Will Smiths Spuren als Date-Doktor, nur dass er laut dem deutschen Titel ein Date-Profi ist. In wie weit der Titel wirklich rechtens ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, Fakt ist aber, dass das Zusammentreffen von "Loser" und "Profi" sehr amüsant ausgefallen ist.

"Der Date-Profi" schlägt in die "neue" Richtung von US-Comedys, die sich wieder weniger auf Fäkal- und Brachialhumor konzentrieren, sondern ihre Komik aus den schrägen Situationen der Hauptfiguren ziehen. Die Geschichte dazu passt, wenn sie auch nicht sonderlich innovativ ist. Roger, von Beruf Politesse, ist zwar sympathisch aber ein Loser durch und durch, der sogar selbst ausgestellte Strafzettel bezahlt, nur um keinen Ärger zu bekommen. Eines Tages erhält er den Tipp, sich an einen gewissen Mr. P zu wenden, der einen Kurs für Date-Verlierer leitet und Männern beibringt, wie man sich am besten an eine Frau ranschmeißt. Als sich Roger aber viel zu schnell vom Loser-Image abwendet und der schönen Amanda Liebesbekundungen überbringt, entflammt in Mr. P die Kampflust und er buhlt ebenfalls um die Zuneigung von Amanda. Ein harter Kampf entsteht und die Frage, wer gewinnen wird... Nun gut, die Frage entbrennt dann doch nicht so wirklich, denn vorhersehbar ist dieses Filmchen von Anfang bis zum Schluss. Wirklich spannende Filmkniffe bleiben aus, alles schlendert schön so auf den Bahnen entlang, wie man es schon aus Dutzenden dieser Filme kennt. Aber nun gut, hauptsächlich geht es ja um den Spaß sowie die Charaktere, und in diesen Punkten macht Regisseur Todd Phillips alles richtig.

Denn die Figuren sind allesamt wirklich höchst sympathisch ausgefallen und der Realität eigentlich nur ab und an mal ein wenig fern. Egal ob man sich da die Loserbrigade vornimmt oder Mr. P und seine rechte Hand, der Schrank Lesher, allesamt können vom Zuschauer nur zuschnell ins Herz geschlossen werden. Die Drehbuchschreiber haben sich für jeden einzelnen genug Zeit und Mühe gegeben, um sie für die Zuschauer interessant zu gestalten. Im Hauptsächlichen liegen die Sympathien natürlich bei Hauptfigur Roger, der so ein wunderbar gezeichneter, herrlich schräger und wirklich extrem sympathischer Loser ist, dass man manchmal gar nicht so recht weiß, ob man ihm nun in den ersten Filmminuten Mitleid bekunden möchte oder doch über seine Verliererart lacht. Genauso wie beim großkotzigen Mr. P, der sich nur allzu schnell ebenfalls als ein recht armes Würstchen herausstellt, wenn man so will.

Doch alles in allem lacht man doch mehr, denn schließlich haben wir es hier mit einer Komödie zu tun, die kaum Blindgänger bietet und durchgängig zum Schmunzeln animiert. Ein paar Brüller sind natürlich auch vorhanden, als da wären z. Bsp. Rogers Ausflug im Schlafanzug (mit Pinguinen drauf) in die Besenkammer des Hauses und sein ständiger Drang in Ohnmacht zu fallen. Oder sein erstes Date mit Amanda, bei dem er sich auf Kärtchen die nächsten Schritte notiert hat und diese aber zur jeweiligen Situation immer so unpassend sind, dass sie eigentlich gerade deshalb so schön passen. Und natürlich auch die "Wiederbelebungsversuche" von Mr. P, als Roger mal wieder in Ohnmacht gefallen ist und Mr. P nun mit 8600 Volt versucht ihn wieder aufzuwecken, dabei mit den Pads aber aus versehen an seine eigenen Weichteile kommt. Ja, manchmal können einem hier schon die Tränen in den Augen stehen, so verdammt komisch ist das ein oder andere. Zumal das Ganze auch nur selten ins wirklich Alberne abrutscht (gerade besprochene Szene gehört natürlich dazu;)) und meist einen gewissen Grad an Realismus durchaus noch aufrecht erhält. Und vor allem: Keinerlei Fäkalhumor!

Doch was wäre die schönste Komödie ohne seine Darsteller? In diesem Punkt haben die Macher noch einmal wunderbares Gespür bewiesen und mit John Heder, einen der aufstrebendsten Newcomer der heutigen Zeit, für die Hauptrolle ausgesucht. Sein Spiel ist exzellent und bringt die Figur optimal rüber. Als wunderbarer Gegenpart Billy Bob Thornton, wieder einmal in der Klasse anzutreffen, in der man ihn schon seit langem sieht, und deshalb ebenfalls rundum zu überzeugen weiß. Als Gäste dann Gesichter wie Michael Clarke Duncan, Todd Louiso oder auch Ben Stiller, bei denen man aus dem Lachen auch nicht rauskommt. Wunderbar!

Fazit: "Der Date-Profi" ist eine locker-flockige Komödie geworden, die zwar in Punkto Story nicht wirklich etwas Neues zu bieten hat, dafür aber mit höchst sympathischen Figuren, sowie vielen gelungen Jokes, sehr gut unterhalten kann. Die Charaktere sind zwar schräg aber immer noch durchaus glaubwürdig, die Witze gehen so gut wie nie unter die Gürtellinie und die Darsteller sind, vor allem was die Hauptrollen betrifft, absolut wuchtig. Wer also nach "Born to be Wild" und "Die Eisprinzen" erneut wieder einmal so richtig ablachen will, der sitzt hier jedenfalls goldrichtig.

Wertung: 7/10 Punkte

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