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Zur Story an sich muß wohl nichts mehr gesagt werden. Disneys erster abendfüllender Zeichentrickfilm ist zugleich auch einer seiner besten. Das Grimmsche Märchen wurde zwar an einigen Stellen zensiert, dafür stimmt aber die Atmosphäre. Liebevoll gestaltete Charaktere, angefangen bei Zauberspiegel und Königin über Schneewittchen, die Tiere des Waldes bis hin zu den Zwergen machen diesen Film unsterblich. Fernab der Zeiten der Vollanimation gelang Walt Disney ein immer wieder verzauberndes Meisterwerk für jung und alt. Wenn man bedenkt, daß er sich über beide Ohren verschuldete und den Bankrott riskierte, um den Film fertigzustellen, wird einem ganz anders – aber er hatte Erfolg. 1 großer und 7 kleine Oscars, überreicht von Shirley Temple waren der Lohn, vom finanziellen Erfolg gar nicht zu reden.Ein einziges Ärgernis jedoch die Behandlung des Filmes in Deutschland. Die Nationalsozialisten wollten den Film nicht verleihen (wobei interessant ist, das sowohl Hitler als auch Goebbels Kopien besaßen), so daß Disney den Umweg über Österreich machte und sein Werk vom Ensemble des Wiener Burgtheaters synchronisieren ließ. Große Sorgfalt wurde damals noch auf solche Aktionen verwandt, der Text wurde erst auf deutsch übersetzt und anschließend rückübersetzt, um eventuellen Verfremdungen vorzubeugen, und Zeitzeugen nach muß diese Fassung eine 1:1-Umsetzung des Originals gewesen sein, stimmlich wie schauspielerisch. Diese Fassung (die heute nur noch in Auszügen auf seltenen Schallplatten zu hören ist) wurde bis in die 60er verliehen, bis 1966 eine sprachlich an den Zeitgeschmack angepaßte Neusynchro entstand, die die Atmosphäre der ersten Fassung zwar etwas vermissen läßt, aber dem Film immer noch gut zu Gesicht stand. Unverständlicherweise ließ man den Film 1994 für die Videoveröffentlichung ein drittes Mal eindeutschen, was umso unverständlicher ist, da kein neues Dialogbuch geschrieben, sondern ein Mischmasch der beiden ersten Fassungen verwendet wurde. Stimmlich hört man zwar einige Größen (Gisela Fritsch, Klaus Sonnenschein, Manfred Lichtenfeld), doch wirken sie alle in ihren Rollen so was von fehlbesetzt, daß man versucht ist, den Ton abzustellen und nur die Bilder zu betrachten. Besonders übel Manja Döring als Schneewittchen. Einsamer Pluspunkt ist Hermann Ebeling (Hannibal vom „A-Team“, Onkel Dagobert in den ersten „Duck Tales“-Folgen), der den Spiegel etwas „mysthischer“ spricht als der recht schnarrige Klaus Miedel in der 66er-Fassung (welche ihr Dasein nun auch einzig auf alten LPs und im Disney-Archiv fristet).Aber Disney wird es wohl nie lernen, daß gerade bei Zeichentrickfilmen lieblose Neusynchros alles kaputtmachen können (prominentestes Beispiel: „Arielle, die Meerjungfrau“, die auch auf der demnächst erscheinenden 2. Auflage der DVD nur die Neusynchro erhält, obwohl es im Vorfeld schon massive Proteste der Fans hagelte). Das einzige, was da hilft, ist Boykott – auch wenn’s weh tut.

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