Folgende Situation kennt wohl jeder nur zu gut. Es ist Sonntagnachmittag und eigentlich wollte man irgend etwas unternehmen. Nun macht einem aber irgend ein Detail einen Strich durch die Rechnung. Entweder spielt das Wetter plötzlich verrückt oder der gesundheitliche Zustand macht nicht ganz mit oder die immer wieder unsägliche Krankheit der schlicht und ergreifenden Faulheit, will einen einfach nicht vor die Tür lassen. Was macht man da nun? Ein Filmfreak, vorzüglich mit gut sortierter DVD-Sammlung, hat da eigentlich noch die wenigstens Probleme. Kann man sich doch ein schönes Stück Film mal eben in den DVD-Player schieben. Doch was macht sich da am besten? Etwas hochgradig Anspruchsvolles sicherlich nicht. Schließlich ist ja Sonntag und man will seiner Denkmaschine ein wenig Pause gönnen. Und auf irgendwelche lauttösenden Blockbuster eigentlich auch nicht. Schließlich will man auch seine Augen und Ohren nicht an so einem Nachmittag überanstrengen. Na und Horror scheidet am hellichten Tag natürlich auch aus. Ganz klar, es muss also etwas leichtfüßiges her und eigentlich hat vor allem der Komödiensektor da so einiges zu bieten. Aber auch im Thrillerbereich gibt es durchaus ein paar Filmchen. Wie u.a. "The Contract", einem Film der auf DVD durchaus seine Möglichkeiten zur Unterhaltung entfalten kann, im Kino aber gänzlich falsch aufgehoben ist. Und trotzdem hat man sich hierzulande für eine Kinoauswertung entschieden, nun gut.
"The Contract" ist eigentlich ein Thriller wie er im Buche steht. Im Buche der Filme, die ohne sonderliche Neuheiten, ohne sonderliche Cleverness und vor allem ohne jegliche Glaubwürdigkeit, dennoch irgendwie solide unterhalten können. Den Inhalt hat man dabei schon X-Fach gesehen. Es geht um den Lehrer Ray, dessen Frau vor 2 Jahren gestorben ist und dessen Sohn darüber einfach nicht hinweg kommt. Also beschließt man, bei einem Campingausflug, davon Abstand zu finden. Unterwegs rettet Ray allerdings einem Mann das Leben, der sich schon bald als Auftragskiller entpuppt, der eigentlich auch einen Auftrag zu erledigen hat. Nun hat dieser aber auch noch ein paar Gangster an der Hand, welche ihn nun, genauso wie das FBI, suchen. Und somit gerät nun Ray in eine wilde Verfolgungsjagd hinein, die er sich wohl nie erträumt hätte... Schon beim Lesen der Geschichte wird dem Zuschauer klar, dass er es hier mit einer eiskalten Mischung von zusammen geklauten Filmsituationen zu tun hat, die man irgendwie, irgendwo schon einmal gesehen hat. Filme wie "Cliffhanger" oder "Die Stunde des Jägers" werden hier durchgehend (wohl mehr oder weniger) unfreiwillig zitiert, so das der Filmfreak mitunter ein Déjà Vu nach dem Anderen erlebt, da er sich immer wieder fragt, wo er das gerade Gezeigte schon einmal gesehen hat. Zudem ist das ganze Treiben durch die Bank weg unlogisch und von (wenigstens einer Prise) Realität ist in dieser Show absolut nichts zu spüren. Und das obwohl zumindest die ersten 10 Minuten durchaus mehr versprechen.
Denn die Einführung der Geschichte und der Charaktere ist eigentlich recht gut gelungen. Morgan Freemans Figur des skrupellosen Frank, sowie der angedachte Clou, den sich die Ganoven ausgedacht haben, werden soweit ordentlich eingeführt und macht durchaus Lust auf mehr. Doch schon mit der Szene in der Ray und sein Sohn eingeführt werden, spürt man als erfahrener Filmfreak nur zu deutlich, auf was man sich in den kommenden 80 Minuten einstellen darf. Auf seichtes Spannungskino für zwischendurch. Und sobald Ray in den verwinkelten Bergen auf den Killer Frank stößt, ist auch klar, dass es sich nun gleich um nichts anderes als reines Verfolgerkino der üblichsten Sorte handeln wird.
Das man aber dennoch nicht wirklich verärgert über das Gezeigte ist, liegt eigentlich ziemlich exakt an zwei Punkten. Zum einen handelt es sich bei den Figuren durchgehend um wirklich sympathische Charaktere, denen man bei ihrer Hatz durch den Wald gerne zuguckt. Auch wenn vor allem Ray, im Verlauf des Films, immer mehr zum unglaubwürdigen Jack Bauer-Plagiat mutiert, so kann man sich dennoch nicht den Eindruck verwehren, dass er durchaus auch ein liebenswürdiger Vater ist, der für seinen Sohn alles tut. Und auch die (mitunter depperten) Charaktere am Rande der Geschichte, können als Sympathieträger herhalten. Ein wirkliches Profil hat aber im Endeffekt nur die Figur von Morgan Freeman, des zwar skrupellosen, dabei aber nicht wirklich ungerechten Auftragskiller, der trotz seinem Beruf noch durchaus so etwas wie Gefühle zu besitzen scheint.
Der zweite Punkt liegt dann noch in der recht soliden Umsetzung des Ganzen begraben. Die Hatz durch die Berge erweist sich aufgrund der recht geglückten Kulissenauswahl als netter Augenschmaus, der hier mal nicht durch irgendwelche dicken Effekte entsteht, sondern einfach nur durch die Schönheit der Natur. Sowieso wirkt die Einfachheit der Inszenierung wesentlich besser und nervenschonender auf den Zuschauer, als wenn man den dünnen und konstruierten Plot noch durch eine bombastische Umsetzung geschickt hätte. Denn dadurch wäre das Ganze dann vielleicht doch nicht wirklich mehr konsumierbar gewesen. So allerdings passt hier soweit alles und hat Luft, zumal auch die Musikuntermalung zwar einigermaßen dezent, aber durchaus stimmig und passend daher kommt. Gut so.
Weniger gut entpuppt sich im Endeffekt allerdings noch die vorhandene Slapsticknote, die das sonst recht ernst wirkende Treiben dann immer wieder einmal durchbricht. Immer wieder muss der Zuschauer über das Gezeigte regelrecht lachen, ohne das er das eigentlich im Vorfeld irgendwie gewollt hat. Als Slapstick-Highlight wäre da nur der Hubschrauberabsturz erwähnt, in dem drei Protagonisten in einem angeschossenen Helikopter zu Boden sinken, dieser dann mit vollkommener Wucht abstürzt und dabei völlig zertrümmert wird und die drei Herren dann ohne einen Kratzer aus dem Wrack aussteigen und der eine zum anderen nur "Wo hast du denn Fliegen gelernt?" brüllt. Auch wenn diese Szenen durchaus amüsant sind, so passen sie halt leider nicht wirklich in das Ganze hinein.
Genauso wie die Darsteller, die für dieses durch und durch gewöhnliche Filmchen eigentlich schon viel zu gut sind. Morgan Freemann und John Cusack agieren als Bösewicht und Superhero durchaus auf dem Niveau, dass man von den Beiden erwarten kann. Auch wenn Cusack seine Stärken nicht wirklich ganz ausspielen kann, dafür ist seine Figur einfach viel zu lasch gezeichnet worden, so sieht man ihm doch gerne dabei zu, wie er seinem Kollegen Kiefer "Jack Bauer" Sutherland probiert, als Superhero, das Wasser zu reichen, auch wenn Ray im Endeffekt nur eine J. B.-Kopie für Arme ist. Da hat Freemann dann doch wesentlich mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Schade halt, dass sich die beiden, sowie alle anderen, hier halt unter Wert verkaufen. Aber nun gut!
Fazit: Innovationsloser, arg konstruiert wirkender und nur leidlich spannender 08/15-Thrillerfilm, dass in den ersten Minuten viel mehr verspricht, als es im Endeffekt halten kann. Nach dem starken Beginn, wird aus "The Contract" viel zu schnell ein viel zu bekannt vorkommendes Verfolgerfilmchen, dass zwar sympathische Figuren vorweisen kann, diesen aber, bis auf eine Ausnahme, kaum Tiefe verleiht und die Darsteller bei weitem nicht an ihre Grenzen bringt. Aufgrund der recht soliden Umsetzung und der schönen Kulissenauswahl kann sich das Ganze dann zwar dennoch leicht über den Durchschnitt retten, doch die unpassende Humorkomponente hier und da lässt dieses Endergebnis auch nur ganz knapp erscheinen. Fürs Kino ist das daher definitiv unzureichend, aber für den zum Entspannen einladenden Sonntagnachmittag vor der Glotze, reicht das irgendwie trotzdem!
Wertung: 5,5/10 Punkte