Review

Aktzeptiert man, daß John Carpenter mit "Ghosts of Mars" sein designiertes Spezialgebiet des kultverdächtigen Gänsehaut-Horrors verlässt und an dessen Stelle einen leicht verdaulichen, mit Horrorelementen versetzten Actionfilm zum Hirn-Abschalten hinlegt, so hat "Ghosts of Mars" unbestreitbar seinen Unterhaltungswert.
Sicher, die Story ist arg simpel gestrickt, woran auch die rückblickende Erzählweise in Form kurzer Verhör-Szenen nichts ändert, jedoch war eben diese Einfachheit auch bei früheren Carpenter-Werken kaum anders! Gleiches gilt weitesgehend auch für die flach und typenhaft bleibenden Charaktere, die bestenfalls oberflächlich sympathisch sind.

Was "Ghosts of Mars" hingegen großteils fehlt, ist die klassische Spannungssituation, welche Klassiker wie "Halloween" so stark machte (und leichter über Schwächen in Sachen Charakterzeichnung und Storyaufbau hinwegzutäuschen vermochte). Schnell ist klar, daß das befremdliche Treiben innerhalb der wie ausgestorben wirkenden Marssiedlung auf eine geradlinige Search & Destroy-Mission hinausläuft und dabei selbstverständlich das ein oder andere Teammitglied auf der Strecke bleibt. Dementsprechend überraschungsarm und schlicht gestaltet sich dann auch der Ablauf der Ereignisse. Was Carpenter hierbei recht gut hinbekommen hat, ist die Atmosphäre: Karge, verwüstete Behausungen und rötliches Marslicht sorgen zusammen mit den zombieähnlichen Angreifern und einem fetzigen Hardrock-Soundtrack für Laune. Etwas schwächer fallen die Kulissen außerhalb der Gebäude aus: Sieht manchmal doch deutlich nach Studio aus - naja. Kenner früherer JC-Filme werden immerhin die ein oder andere nette Anspielung an frühere Werke entdecken können. Leider eben nicht deren Spannung...

Stattdessen dominiert schließlich schlichte Baller- und Nahkampfaction das wenig einladende Siedlungs-Schlachtfeld. Horrorelemente finden sich nur gelegentlich in Form der recht gelungenen Monstermasken und einigen wenigen "Buh"-Effekten. In Sachen Gore gibts das übliche, was halt passiert, wenn blutlüsternde Angreiferhorden gegen MGs und Schrotflinten anstürmen. Das ein oder andere Körperteil wird darüberhinaus ebenfalls chirogisch genau per Wurfmesser vom Torso getrennt. Soweit ganz nett.
Wenig überzeugend fallen die Explosionen aus. Man merkt nicht nur an ihnen, daß Carpenter im Actiongenre eigentlich weniger zuhause ist. Nun könnte man zwar anmerken, sein "Anschlag bei Nacht" sei ebenfalls "nur" Actionfilm und in seinen Effekten in der Summe kaum spektakulärer - wirklich vergleichstauglich ist dieser aber nicht, handelt es sich dort zwar ebenfalls um anonym bleibende Angreiferhorden und zahlenmäßig weit unterlegene Verteidiger, dafür sind die Attakierenden aber menschlicher Natur. Ein entscheidender Punkt! Die grunzenden Halb-Zombies eines "Ghosts of Mars" vermögen eben nicht ein ähnliches Angstgefühl der Ausgeliefertheit und Hilflosigkeit zu erzeugen, wie noch die resolut nach einem sadistischen Kodex handelnde Streetgang des 76er-Werkes. Natürlich spielen in dieser Hinsicht auch Ernsthaftigkeit nehmende One-Liner und die schwere Bewaffnung der Eingeschlossenen gegenüber den primtiv ausgerüsteten Angreifern eine Rolle. Kurz: Rein äußerlich ist die Situation vergleichbar, die innere Konzeption jedoch ist eine deutlich verschiedene.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Im Gegensatz zu den schwachen Explosionen und den eintönigen Außenkulissen sehen die schummrig-düsteren Gänge der Siedlungsbauten doch gleich eine ganze Ecke besser aus! Schade, daß eben diese nur selten für Spannungsmomente genutzt wurden. Da hätte der gute John zweifelsohne anstelle eines Actionfilms auch einen klassischen Gruselstreifen inszenieren können, das nötige Potential hierfür besitzt eine verwüstete Marsstation mitsamt unheimlicher Alienmacht vor der Tür in jedem Fall. Massen von Angreifern hätten im weiteren durchaus auch durch einen einzelnen (oder garkeinen greifbaren) Killer ersetzt werden können, ganz wie beispielsweise im meisterlichen "Halloween".
Wie dem auch sei, Carpenter entschied sich heute für Action nach grobem Vorbild seines eigenen "Assault - Anschlag bei Nacht". Sieht zwar unterm Strich nicht übermäßig spektakulär aus aber für 90 Minuten anspruchslose Unterhaltung reichts noch locker. Wahrscheinlich fiele die allgemeine Kritik am Film auch gemäßigter aus, stünde nicht der Name Carpenter unter dem Ganzen. Falsche Erwartungen dürften hier so Manchem einigen Filmspass gekillt haben...

Schauspielerseitig gibt sich der Film ähnlich unauffällig wie in Sachen Story und Charakteren. Hier heiligt eben der Zweck die Mittel und eben der lautet: Hirn beiseite legen und einfach mal zurücklehnen. Da ist dann die süße Natasha Henstridge genau das richtige, schlägt sie sich doch recht wacker durch die Gegenerhorden, leider ohne mehr Haut zu zeigen als zwingend nötig. Der ein oder andere Spruch kommt auch von Rapper Ice Cube (den allerletzten hätte man sich jedoch wirklich sparen können), der zusammen mir "Transporter" Jason Statham nicht minder kräftig austeilt. Abgerundet wird der Cast durch Pam Grier, die jedoch ingesamt eher wenig Screentime besitzt. Weitere Teammitglieder und Nebencharaktere haben ähnlich Star Treck schlichte Kanonenfutterfunktion - und dementsprechend unauffällig gestalten sich ihre Darbietungen. Für einen Actionstreifen reichts jedenfalls allemal!

Fazit: Dem recht negativen Tenor der meisten Kritiken kann ich mich nicht uneingeschränkt anschliessen: "Ghosts of Mars" taugt als schlichtes Popkorn-Movie sehr wohl, besitzt eine nette Atmosphäre, einen soliden Bodycount und einen fetten Soundtrack. Man sollte eben keinen klassischen Horrofilm nach bewährter Carpenter-Machart erwarten, dann klappts auch mit den (beinahe) unsichtbaren Marsgeistern! Und zu einem keineswegs unblutigen Hirnaus-Filmchen gehören nunmal auch Dumpfbacken-Stroy, Schablonencharaktere und mehr oder weniger treffsichere One-Liner dazu!

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