23.10.01
Am letzten Wochenende habe ich - langerwartet - den neuen Carpenter Ghosts of Mars gesehen. Nachdem man zuerst wegen der sehr schlechten Einspielergebnisse in USA (nur um 4 Mill. $) befürchten musste, dass er direct-to-video geht, hat sich nun doch ein Verleih gefunden und am 18.10. lief er an. Die Kritiken waren ein weiteres Desaster, sogar in Splatting Image wurde er wüst verrissen.
Wie ist er nun?
Wie so oft übertreibt die Kritik maßlos. Und bei Carpenter scheint sie sich eh nur in Extremen abzuspielen. Bei Lichte betrachtet ist Ghosts of Mars einfach ein mittelmäßiger Film mit Höhen und Tiefen, aber in einem weiteren schwachen Kinojahr insgesamt für mich eher eine der erfreulichen Erscheinungen.
Minuspunkte:
1. Nastasia Hengstridge. Die Hengstridge ist leider eine wesentlich schwächere Darstellerin als ich das dachte. Verdammte Modellschwemme! Ich hatte noch im Netz für ihren Einsatz nach dem Ausfall der Love gestimmt. Aber sie ist ein Schuss in den Ofen. Sie ist nicht in der Lage ihre Rolle auch nur einigermaßen glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. In den Actionszenen wirkt sie völlig fehl am Platze, ja teils lächerlich, sie hat keine Präsenz auf der Leinwand, wirkt permanent einfach wie im falschen Film und ihr erotisches Potential wird von Carpenter, der noch nie mit Frauen umgehen konnte, nicht ansatzweise genutzt. Carpenter ist dazu sicher auch kein Schauspieler-Regisseur, also keiner der in der Lage ist aus mittelmäßigen Schauspielern überdurchschnittliche Leistungen herauszuholen. Sicher, er hat sie besetzt und er war ihr Regisseur, d.h. er trägt die Hauptverantwortung.
2. Die Ausstattung/Optik. Der Film hat irgendwas über 20 Mill. $ gekostete sieht aber aus wie wenn es höchstens 4 Mill. gewesen wären. Er ist also ein A-Film mit einem B-Film-Look. Das ist zumindest zum Teil sicher Absicht von Carpenter gewesen. Ich halte von dererlei Praktiken gar nichts. Auch Carpenters Neigungen zu Trash und Comic teile ich so nicht. Ich würde mir mal wünschen von ihm einen normalen Krimi oder einen traditionellen Horrorfilm zu sehen.
In Ghosts of Mars sieht alles billig und nach Pappe aus. Der Zug, der eine Hauptrolle im Werk spielt, sieht total billig und einfach nach mit Pappkarton behängt aus, was wohl auch der Realität entspricht. Die Lokations auf dem Mars sehen völlig nach New Mexico bei Nacht und in roter Beleuchtung aus, was natürlich auch so war. Die Gebäude sehen total nach Kulisse, die Raumausstattung nach Studio aus. Das hält Carpenter wahrscheinlich für trashy, nimmt dem Film aber viel von seinem durchaus vorhandenen Potential.
Pluspunkte:
1. Das gelungene gradlinige Drehbuch mit Elementen aus Assault und Dawn of the dead aus dem man viel mehr hätte rausholen können. Das hätte ein Klassiker werden können. Auch die Erzählstruktur - die häufig und zu unrecht kritisiert wurde - und wo, legitim und nicht ungeschickt, eine einfache Handlung mittels Rückblenden komplexer und damit interessant gemacht wird. Eine legitime Technik und in vielen Kunstsparten dauernd & mit Erfolg genutzt, die Verkomplizierung einfacher Ausgangsideen (Beethoven).
2. Diverse gelungene Einzelszenen. Teils im Übrigen mit gerüttelter Härte umgesetzt (der Film lief natürlich FSK ab 18). Ice Cube der naturgemäß in einem solchen Umfeld viel besser zurechtkommt wie die Hengstridge hat einige starke Auftritte.
- Licht & Schatten bei den Actionszenen, manches sieht nach dem Desaster von Escape from L.A. aus, manches ist durchaus gelungen. Carpenter ist aber nie ein Cameron gewesen. Actionchoreographie war nie seine Stärke. Das sieht man gerade bei manchen der Massenactionszenen, so was muss man können, oder es bleiben lassen. Carpenter kann es nicht, macht es aber immer wieder. Also: mangelnde Selbstkritikfähigkeit.
- Die Musik ist vom Chef selbst, was alle Lügen spricht, die von mangelndem Engagement von Carpenter reden. Für einen Film an dem er kein Interesse hat, den er nur als Vertragserfüllung & Broterwerb sieht schreibt er nie die Musik, zumal bei dieser - relativen - Großproduktion dafür wohl auch noch Geld da gewesen wäre.
Die Musik selbst ist gelungen, nur wäre eine konventionelle Filmmusik manchmal geschickter gewesen, hätte mehr Wirkung gezeitigt.
Was allgemein eines der Hauptprobleme des Werks ist: Die mangelhafte Wirkung des ganzen Films, der vom Drehbuch her durchaus das Potential gehabt hätte, aber wegen mäßiger Schauspielerei, ebensolcher Ausstattung, Musik, ... leider nirgends seine realen Möglichkeiten erreicht.
At all: Vertane Chance. Sehenswerter Film, für die Fans.