Nach dem kleinen Meisterwerk "IRREVERSIBEL" komme ich heute in den Genuss des Vorgängers "MENSCHENFEIND" - dem erste abendfüllenden Spielfilm des französischen Regie-Wunderkindes Gaspar Noe.
Obwohl ich bereits mehrfach den Trailer zu diesem Streifen begutachten konnte, bewegt sich die Handlung dennoch auf unerwartete Weise in eine vollkommen andere Richtung.
Der Film begleitet im Wesentlichen einige Tage eines desillusionierten namenlosen Mitvierzigers, der aufgrund seiner Erlebnisse einen menschenverachtenden Hass gegen seine Mitmenschen aufgebaut hat, egal ob es sich um Ausländer, Reiche, Schwule oder Frauen handelt.
Diese Konfrontation mit der gesellschaftlichen Unterschicht erfahren wir weitestgehend im Erzählstil der Hauptperson, so dass der Film über weite Strecken den Charakter eines Hörspiels entwickelt. Gerade diese innovative Handlungsführung hebt "MENSCHENFEIND" weit über den Durchschnitt , weil selten in einem anderen Film eine derart depressive Grundstimmung aufgebaut wurde (außer vielleicht in "LEAVING LAS VEGAS") und gleichzeitig die moralischen Ansprachen der Hauptfigur unglaublich intensiv herüberkommen und sowohl verstören als auch auf philosophische Weise den Geist des anspruchsvollen Zuschauers an der Wurzel treffen.
Ein Film, wie ein Schlag ins Gesicht: Selten konnte mich ein Film auf Anhieb gleichzeitig so begeistern und abstoßen wie dieses erneute Meisterwerk. Ich kann nur jedem empfehlen, sich selbst einmal auf diesen Trip in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele einzulassen. Vielleicht erkennen auch Sie sich an der ein oder anderen Stelle wieder und stellen fest, dass manch Gedanke der Hauptfigur so abwegig gar nicht ist - sei er noch so krank!