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Der Hauptprotagonist wurde in der Kindheit nicht gerade vom Glück begünstigt, als Waise hat er einen wenig glorreichen Lebensverlauf, verliert später noch seine Schlachterei und ist finanziell von seiner schwangeren Frau abhängig, die ihn das spüren lässt, während er sie verabscheut. Auch ihre Schwangerschaft ändert das nicht, Eltern sind in seinem Weltbild nutzlos und Kinder undankbar, haben sie sich erst einmal abgenabelt. Wenn er seiner schwangeren Frau ausgedehnt auf den Bauch schlägt, werden einige schlucken, auch wenn das nicht grafisch ausgeschlachtet wurde. Die Freigabe ab 18 kommt allerdings wohl eher durch die im Hintergrund deutlich sichtbaren Pornoszenen in einem Kino zustande. Die Gewalt- und Suizidphantasien halten ihn geradezu am Leben und werden zu einer Art Ventil in der hoffnungslosen Situation. Die vielen, vielen Monologe aus dem Off, die sein gezeigtes, armseliges Leben begleitend wiedergeben, machen den visuelll sehr ruhigen Film fast zu einem Hörspiel, wo das Bild oft untergeordnet scheint. Das ist zwar eine Möglichkeit, sehr viel gedanklichen Text unterzubringen, macht aber den Kinofilm nicht gerade spannender. Ansonsten leistet sich Gaspar Noé filmisch keine großen Schwächen, außer vielleicht bei den mit lautem Knall geschnittenen Szenen, die als Stilmittel nicht wirklich funktionieren, sondern eher auf Dauer stören. Teilweise wirken die Ansichten in der naiven Vorstellung ein bißchen wie sehr schwarze komödiantische Einlagen, doch der Film bringt einen kaum zum Lachen, denn der Schlachter ist der geborene Antiheld. Er zeichnet sich in seiner ihm eigenen Moralvorstellung durch allerlei Züge aus, die politisch unkorrekt sind, so ist er z.B. rassistisch, frauen- und schwulenfeindlich, menschliche Feindbilder sind in seiner Welt schnell ausgemacht, im Zweifel sind die Nazis schuld, die seinen Vater im KZ umbrachten. Das spiegelt vielleicht die Situation in Frankreichs Armenvierteln mit Rassenunruhen wieder, sollte aber sicherlich nicht so missverstanden werden, dass die Gesellschaft so was aus einem macht. Die Gesellschaft teilt sich in Arme und Reiche, letztere haben die Gerechtigkeit für sich gepachtet, sein Umfeld wird als schmutziges, fast menschenleeres Paris gezeigt. Als sich seine Situation Richtung Abgrund hin zuspitzt, gibt es für ihn keine Gerechtigkeit ohne Knarre mehr, seinen einzigen Freund. Damit ist er zwar zutiefst frustiert, aber nicht resigniert. Denn ursprünglich ging es ja um das Verhältnis zu seiner Tochter, mit der den ansonsten abgewrackten Emotionsnihilsten eine inzenstuöse Liebe verbindet und gleichzeitig die manische Angst, sie an einen anderen zu verlieren. Und das war es auch, was ihn an den Abgrund brachte, arme Sau.

Fazit: Sozialkritisch, pessimstisch, letztlich ein übles, aber auch selbstverbocktes Schicksal eines pädophilen Schlachters, der auf seine Tochter steht. Nicht gerade massenkompatibel. 7/10 Punkten

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