Das schmutzige Paris hat für mich nie Romantik verkörpert ? die Einblicke in die Industrieviertel und schmutzigen und ärmeren Setiengassen, die einem hier präsentiert werden, halte ich nach meinen 3 Besuchen für wesentlich realistischer.
Eben dort erzählt ein 50-jähriger Mann der Unterklasse seine Geschichte. Im Großteil des Films steht die Stimme aus dem Off für seine Gedanken, die aus seiner Lebensgeschichte heraus insgesamt sehr düster gefärbt sind. Er meint in seinem Leben viel gekämpft und doch nichts gewonnen zu haben, und bald steht er nun ohne Geld in der Tasche da und weiß nicht weiter. Er verflucht alles und jeden (Originaltitel Seule contre tous, Allein gegen alle), sieht schließlich keine Besserungsmöglichkeit und will nur noch eins: Sich mit Rache an der Welt würdig verabschieden und auch anderen damit die weitere Qual des Lebens abzunehmen. Seine Gedanken und Taten bleiben vor diesem Hintergrund (und teilweise auch ohne ihn) nachvollziehbar und das ist sicherlich auch der Grund warum man diesem Gegenteil eines Sympathieträgers trotzdem eine Besserung der Umstände wünscht, wenn man auch nicht wirklich damit rechnet weil der Mann sich einfach zu sehr zerfrisst.
Nach 70 Minuten erscheint eine Warnung auf dem Bildschirm, ironisch oder nicht, ab hier wird die Gangart härter und ist für sanfte Gemüter nicht mehr geeignet. Die Gedanken werden immer zerrissener, innere Dialoge, Zweifel mischen sich mit Rechtfertigung und Wut und sind sehr gut durchdacht.
Schauspielerisch bringt der Hauptdarsteller den ewig griesgrämigen und zuletzt doch gefühlvollen Mann verdammt gut rüber; den Rest der Darsteller kann man getrost in die 2. oder 3. Schublade stecken ? oft verkörpern sie auch teilweise etwas zuviel Cliché.
Ausnahmsweise mal ein französischer Film, der nicht grottig ist (außer Amélie natürlich), ich vergebe 1 Bonuspunkt für die gute Umsetzung einer guten Idee (gute Ideen haben die Franzosen viele, die Umsetzungen gefallen mir seltenst, siehe Irreversible)). Fällt anderen eigentlich auch auf, wie oft sich die französischen Werke mit Sex, Pädophilie und Vergewaltigung auseinandersetzen? Warum, können die nicht anders? Siehe hierzu auch Pippkins Kritik !
7,5/10 Punkten