Dreamgirls ist der beste Film des Jahres 2006!
Ein Meisterwerk, wie es nur alle 5 bis 6 Jahre produziert wird. Großes Kino mit perfekter Ausstattung, genialen Darstellern, einer wahren Geschichte, packender Story, intensiver Atmosphäre und last, but not least: Musik, die alles trägt und den ganzen Konflikten, Enttäuschungen und Hoffnungen eine Leichtigkeit verleiht, die angesichts der Story nicht selbstverständlich ist.
Es geht um Aufstieg und Ende einer schwarzen Girlgroup in den 60er Jahren in Detroit (angelehnt an die Supremes) und natürlich um das erste schwarze Plattenlabel, dessen Platten auch Weiße kauften (natürlich angelehnt an Motown Records).
Zu Beginn des „Rainbow“ Plattenlabels ist die Welt noch getrennt in Schwarz und Weiß, was häufig heißt: Die Schwarzen erfinden Musik mit heißem Rhythmus und die Weißen spielen davon Coverversionen, die in den Billboard-Charts landen (wo bekanntlich das große Geld verdient wird).
Der etwas zwielichtige Automechaniker Curtis Taylor jr. (Jamie Foxx) ist nicht länger bereit diese „Arbeitsteilung“ zu akzeptieren und versucht mit seiner eigenen Firma und Stars in das Big Business vorzudringen. Dabei gibt es große Erfolge aber auch mehrere menschliche Tragödien, die der Film sehr, sehr eindrucksvoll dokumentiert.
Am meisten begeistert bei Dreamgirls jedoch mit welch sicherem und starkem Stellenwert Regisseur Bill Condon die Musik im Film einsetzt.
In den emotional besonders aufwühlenden Stellen brechen Songs regelrecht aus den Darstellern heraus – gerade so, als wenn Worte nicht ausreichen, um die Gefühle auszukleiden. Doch es bleibt nicht bei einer Einzelleistung, das gesamte Ensemble stimmt in den Song mit ein und gibt dem Geschehen dadurch eine neue Wendung! Wow!!!
Die Show über die Show erhält dadurch eine fast schon übersinnliche Dimension!
Auch inhaltlich überzeugt das temporeiche Musical auf ganzer Linie. Hinzu kommt ein Soundtrack aus lauter Evergreens. Ganz großartig ist auch das politische Umfeld der 60er Jahre getroffen. Und natürlich treten auch die anderen Motown Superstars wie die Jackson 5 und Stevie Wonder kurz auf.
Im Prinzip sollte deshalb jede Dreamgirls DVD mit Goldüberzug verkauft werden – vielleicht begreifen die Zuschauer dann, welche Qualität sie in den Händen halten. Einziger Kritikpunkt ist die FSK 6. Denn der Film ist zwar sauber im Sinne von Gewalt- und Sexdarstellung – aber mit einigen Figuren wird so brutal umgegangen, dass man Kindern unter 12 Jahren diesen Film nicht empfehlen kann. Das ist also kein Kinderfilm. Na und?
Dreamgirls ist der große Geniestreich von Bill Condon, der zuvor auch an Chicago mitgewirkt hat (nicht als Regisseur, sondern als Drehbuchautor). Aber alles, was bei Chicago distanziert, ironisch und insofern belanglos wirkt, ist bei Dreamgirls mit Herzblut gefüllt.
Die Musik und die Darsteller beben vor Energie und auch die Story ist keine Farce, sondern hat eine klare Aussage (mal abgesehen davon, dass es deutliche Schwächen bei den Darstellern von Chicago gab: Richard Gere kann weder tanzen noch singen und auch Renee Zellweger wirkte in vielen Szenen deplatziert).
Jetzt also das große Meisterwerk. Und tatsächlich fügt sich alles besser, als man erwartet hätte. Früher dachte man, Eddie Murphy könne nur zappeln und plappern, hier überzeugt er das erste Mal in einer ernsten Rolle. Im Prinzip ein Aha-Erlebnis wie bei Burt Reynolds Auftritt in „Boogie Nights“.
Natürlich erledigt auch Jamie Foxx seine Rolle mit Bravour, wenngleich er teilweise etwas zu unterkühlt wirkt. Aber man darf dabei nicht vergessen, dass er Berry Gordy spielt (und der lebt noch – fand sich übrigens regelrecht als Monster dargestellt). Doch bei aller Kritik an Gordy bleibt unbestritten, dass er die goldenen Regeln des Pop Business erkannt hat: Keine politischen Äußerungen (auch wenn die Welt brennt), achte auf das Styling der Künstler und vergesse nie die Show. (ach ja und Berry war früher Boxer und nicht Automechaniker … aber das nur so nebenbei).
Bleiben noch zwei andere große Darsteller zu erwähnen, auf der einen Seite Beyonce Knowles, die ehemalige Sängerin der All Saints, die hier unverkennbar Diana Ross spielt. Sie wirkt den ganzen Film über etwas zu blass und sicherlich hängt das auch mit der Entscheidung zusammen, dass sie im Film keine Mitschuld an der Ausgrenzung von Effie trägt - was bei der tatsächlichen Geschichte der Supremes anders gelaufen sein soll ...
Knowles Ausstrahlung ist aber ohnehin nicht vergleichbar mit den großen Diven wie Diana Ross, Whitney Houston oder Aretha Franklin, die auch ohne jedes technische Hilfsmittel einen Saal zum Kochen bringen konnten. Knowles ist eher das stimmgewaltige Fotomodellschönchen, als das hart arbeitende Bühnentier.
Ganz anders dagegen der No-Name des Films, Jennifer Hudson. Sie spielt bei Dreamgirls die Rolle der Effie White (aka Florence Ballard, bei den Supremes). Sie ist die eigentliche stimmgewaltige, leicht übergewichtige und interpretationsstarke Sängerin der Dreamgirls, die vom Management immer weiter in den Hintergrund gedrängt wird (übrigens endete die echte Florence Ballard Geschichte tragischer als im Film … aber das nur so nebenbei).
Zurück zu Jennifer Hudson. Hierzulande hatte man zuvor noch nie etwas von ihr gehört – tatsächlich war das genauso in den USA der Fall. Dann zeigte das Fernsehen das amerikanische Pendant zur „Superstars-Show“ (Idols) und dort landete sie auf dem dritten Platz. Casting und die große Chance.
Jetzt spielt sie im Film alle (und zwar wirklich ausnahmslos alle: sogar Jamie Foxx) gnadenlos an die Wand und singt mit einer Intensität, als wenn es um ihr Leben gehen würde – das ist die größte und zugleich schönste Überraschung bei Dreamgirls! Schön ist daran auch, dass die Amis das anerkannt haben und sie mit einem Oscar als beste Nebendarstellerin belohnt haben.
Ja und im Prinzip ist das dann die einzige Stelle, die für etwas Enttäuschung sorgt (was natürlich mit dem Film nichts zu tun hat). In Amiland findet die Jury bei den Superstar-Shows echte Talente wie Kelly Clarkson und Jennifer Hudson.
In Deutschland gewinnen dagegen drittklassige ausstrahlungsfreie Hobbymusiker wie Andreas Klaws, Elly, Tobias Regner und Mark Medlock den Wettbewerb.
Wer jedenfalls sehen möchte, wie Show wirklich funktioniert, sollte sich lieber 10 Mal die Dreamgirls ansehen, als einmal DSDS.
Denn Dreamgirls ist einer der besten Filme, die je gemacht wurden.