Ein kleines, aber feines Straßendrama: Die spanische Produktion begleitet einige Prosituierte bei ihren täglichen Verrichtungen, zeigt ihre Arbeit und ihr Privatleben, den harten Alltag auf den Straßen und ihre Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen. Im Zentrum der Geschichte steht dabei die Freundschaft zwischen Caye und der illegal eingewanderten Zulema.
In ruhigen, zurückhaltenden Bildern und mit einer nur selten in schnelle Fahrten ausbrechenden Kamera zeigt "Princesas" das Leben am Rande der Gesellschaft, rau und ungeschönt, aber ohne dabei vulgär zu sein oder in Klischees abzudriften. Die überfüllten Stadtviertel geben eine starke Kulisse ab, vor der sich einzelne menschliche Dramen abspielen. Dabei werden eine ganze Reihe sozial bedeutsamer Themen angeschnitten: die Ausgrenzung bestimmter Gruppen, schleichender Rassismus, bedingt durch mangelhafte Bildung und schwierige finanzielle Situationen, und das grobe und herablassende Frauenbild, das immer noch in weiten Teilen der Männerwelt verbreitet ist. So entfaltet der Film auf seine stille Art ein ganzes Kaleidoskop zwischenmenschlicher Reibungen und entwickelt das vielschichtige Bild eines schwierigen Lebens.
Getragen wird die Handlung dabei vom natürlichen Spiel der Darstellerriege. Authentisch und überzeugend geben die Schauspieler bis in die kleinsten Nebenrollen ihre Charaktere, verleihen den dramatischen Verwicklungen Intensität und atmosphärische Dichte. Dabei zeigen sie auch die labilen Frauenfreundschaften zwischen notwendigem Zusammenhalt und unumgänglichem Konkurrenzdenken auf. Dass sich in dieser Umgebung eine echte, tiefe Freundschaft zwischen Caye und Zulema entwickelt, ist der zentrale Hoffnungsschimmer des Films.
Formal bleibt er dabei sehr zurückhaltend. Weder Kameraführung noch Soundtrack wirken aufdringlich oder stehen jemals im Vordergrund. Auf beinahe beiläufige Weise wird hier der Alltag der Prostituierten eingefangen, ihre kleinen Erfolge und großen Rückschläge, und auch die Gefahren, denen sie sich tagtäglich aussetzen und vor denen sie eine heuchlerisch moralische Politik nicht schützt. So wird "Princesas" zu einem lebendigen und fesselnden Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Toleranz.
Nur selten, vorrangig in besonders emotionalen Szenen, verfallen Darsteller und Regie in eine etwas zu platte und klischeehafte Art: Da werden lange ernste Blicke und gequälte Gesichtsausdrücke getauscht, was doch recht bemüht aussieht. Und im letzten Drittel verliert der Film leider etwas von seinem lebensnahen Schwung und zieht sich ein wenig in die Länge.
Nichtsdestotrotz ist er ein schöner, sehr ruhiger, dabei authentischer und einfühlsamer Einblick in eine schwierige und harte Parallelwelt inmitten der Gesellschaft. Er nimmt Anteil am Schicksal der Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in ihrem Beruf gelandet sind, und zeigt so auf seine ruhige, unaufdringliche Art, wie man echte Mitmenschlichkeit praktiziert. Dabei verfällt er kein einziges Mal in plumpen Voyeurismus. Ein leiser, aber eindrücklicher Film über ein wohl immer aktuelles Thema.