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1980 kommt ein kubanischer Flüchtling, gespielt von Al Pacino, in die USA, wo er sich mit seinem starken Selbstbewusstsein als Kleinkrimineller durchschlagen kann. Schließlich wird er Mitglied in einer Gangster-Organisation, in der er schnell aufsteigt und sich in die Frau seines Mentors, gespielt von Michelle Pfeiffer, verliebt. Nachdem ihn dieser töten lassen wollte, lässt er ihn erschießen und wird zum Leiter des Verbrecher-Syndikats und heiratet darüber hinaus die Frau seines verstorbenen Mentors. Doch weder geschäftlich, noch privat ist sein Ruhm von Dauer.

"Scarface" ist einer jener Filme, die ihrer Zeit teilweise voraus waren, in diesem Fall ist es vor allem Brian de Palmas Glorifizierung des Gangstertums und eine gewisse Brutalität, die verglichen mit diversen modernen Splatter-Filmen aber kaum noch schockieren kann. Die Kritiker stempelten den Film damit als überflüssig ab, um ihn dann heute in höchsten Tönen zu loben und ihn in einem Atemzug mit "Der Pate", "Hundstage" und "Goodfellas" zu nennen. Und dies ist sicherlich gerechtfertigt. Der Film erzählt hart, aber realistisch den Aufstieg und Fall eines Großgangsters, der offensichtlich von Al Capone inspiriert ist und beeindruckt dabei vor allem durch eine vielschichtige und ausführliche Charakterkonstruktion der Hauptfigur und eine knallharte Darstellung des Gangster-Milieus. Die einzelnen Wendungen sind nicht vorherzusehen und können zum Großteil Spannung und Dramatik erzeugen und diese zum Ende hin immer weiter steigern. Über die Glorifizierung von diversen Gewalttaten und Verbrechen streiten sich die Geister, aber ich persönlich finde, dass Autor Oliver Stone keine moralischen Grenzen überschreitet. Die Story ist damit gelungen und für spätere Gangster-Epen wie "Goodfellas" richtungweisend und Oliver Stone liefert einmal mehr kontroversen und provokanten Stoff.

Während Oscar-Preisträger Oliver Stone ein gutes Drehbuch abliefert, leistet auch Regisseur Brian de Palma überzeugende Arbeit. Einerseits lässt er den Film mit seiner Fäkalsprache und den brutalen Szenen sehr dreckig wirken, liefert aber vor allem in der zweiten Hälfte stilvolle Kulissen und eine starke Inszenierung mit hohem Schauwert. Besonders die Villa des Gangsters wirkt sehr edel und der Saal, in dem auch die Finale Schießerei stattfindet ist wohl eine der bekanntesten Kulissen aller Zeiten. Die Musik ist ebenfalls gut gelungen und vor allem im Mittelteil, wenn Die Hauptfigur den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht hat, beeindruckt der Film mit mitreißenden Klängen und relativ moderner Pop-Musik. Es gibt ein paar Action-Szenen und den einen oder anderen auflockernden Gag, womit de Palma einen hohen Unterhaltungswert sichert. Darüber hinaus baut er zum Ende hin konstant Spannung und Dramatik auf, die er im furiosen und überraschenden Finale perfekt entlädt. Der einzige Kritikpunkt bleibt hier, dass der Film anfangs ziemlich lang braucht, bis er mal richtig in die Gänge kommt. Nach "Carrie" liefert Brian de Palma also seinen zweiten Kultfilm und stellt erneut sein Talent unter Beweis und mit "The Untouchables" und "Mission: Impossible" sollten zwei weitere Kultfilme folgen.

Einer der besten Gangsterfilme aller Zeiten braucht natürlich auch einen der besten Gangster-Darsteller aller Zeiten und mit Al Pacino wurde der richtige Schauspieler gecastet, der bereits in "Der Pate", "Der Pate, Teil 2" und "Hundstage" bewiesen hatte, dass er einer der besten Darsteller des Genres ist. Und Pacino zeigt sich einmal mehr von seiner stärksten Seite und spielt seinen Charakter hervorragend. Der Oscar-Preisträger bringt die Aggressivität seiner Figur hervorragend auf die Leinwand und sorgt damit vor allem für das gelungene, unvergessliche Finale von "Scarface", das wohl eine der bekanntesten Szenen aller Zeiten sein dürfte. Darüber hinaus beeindruckt er durch seine hohe Leinwandpräsenz und stellt einmal mehr seinen Status als einer der besten Darsteller aller Zeiten unter Beweis und gibt der Figur des Tony Montana ein Gesicht. Michelle Pfeiffer, die nach "Grease 2" in einer ihrer ersten Rolle zu sehen ist, kann ebenfalls überzeugen und passt mit ihrer geheimnisvollen, zerbrechlichen und verführerischen Art perfekt in ihre Rolle, die sie souverän meistert. Mary Elizabeth Mastrantonio, die nach "King of Comedy" in ihrer ersten großen Rolle zu sehen ist, leistet als Schwester von Tony Montana gute Arbeit und passt mir ihrer sympathischen und unschuldigen Art sehr gut in die Rolle. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.

Fazit:
Mit starken Darstellern, einer gelungenen Umsetzung und einer vielschichtigen Story legte "Scarface" den Grundstein zum modernen Gangster-Genre. Auch wenn der Film aufgrund seiner hohen Brutalität sicherlich nichts für zarte Gemühter ist, halte ich die Indizierung für komplett überflüssig und empfehle ihn dennoch weiter. "Scarface" ist alles in allem ein gelungenes Gangster-Epos, das meiner Meinung nach aber nicht ganz mit "Der Pate" oder "Heat" mithalten kann, da der Film zu langsam anläuft.

84%

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