Scarface eilt ein beachtlicher Ruf voraus, der viel mit der Kombination 'Schwer zu bekommen/Indiziert/große Stars' zu tun hat.
Tatsächlich ist Brian de Palmas Verbeugung vor den Gangsterfilmen der 30er Jahre eindeutig modernes Starkino.
Mit Al Pacino präsentiert er sogar einen Superstar, mit Michelle Pfeiffer und M.E.Mastrantonio zwei aufstrebende weibliche Talente.
Doch leider sind dies auch die wahren Gründe, weswegen man sich Scarface überhaupt zu Gemüte führen sollte. Pacino ist geradezu manisch bei der Arbeit und vertieft sich so sehr in den Drogenaufsteiger Montana, daß es einen umwirft. Pfeiffer gibt das drogengeschwängerte Gewissen und Mastrantonio die verlorene Unschuld, die immer noch beschützt werden soll.
Optisch jedoch läßt es schon deutlich nach. Zwar im Stil der Epoche angepaßt, sind wir Zuschauer von zu vielen Miami-Vice-Episoden schon verdorben, um an dem aufgesetzten 80's-Drogenlook noch etwas Aufregendes zu finden. Robert Loggia, sonst sehr überzeugend wirkt eher kostümiert und die gesamte Inszenierung steril und unterkühlt.
Das liegt vermutlich an dem recht stumpfen Drehbuch, daß sich an die Vorgabe aus den 30ern mit Paul Muni hält, die heutzutage jedoch hoffnungslos vorhersehbar ist. Begrenzt vom Intellekt führt der Weg aller Figuren unweigerlich ins Verderben, das ist so offensichtlich wie langweilig. Beim Script beugt sich de Palma zu weit aus dem Klischeefenster, dehnt die Szenen im Stile des Paten bisweilen in ewige Längen und preßt nur wenig Spannung aus dem Film (gelungen z.B. bei der Schießerei im Club).
So entsteht ein sehr langer Film, der jedoch einfach kein Epos werden will, weil er sich eben an einem zwar stabilen, aber doch sehr transparenten Faden hangelt, aus dem kein stabiles Seil werden kann. Keine wirklichen Plot Twists, keine Überraschungen - alles schon gesehen, spätestens bei Sonny und Tubbs.
Das Raunen der Brutalität, die Scarface außerdem ummantelt, kann sich ebenso beruhigen. Da wird zwar ordentlich ge- und erschossen und das vor allem zum Schluß und in der Badewannen/Kettensägensequenz mit beachtlicher Rohheit, aber wirklich weltbewegend ist das alles nicht.
Und damit geht die Legende flöten, letztendlich in einer großen Schießerei. Bleibt zum Schluß ein ordentlicher Film, der seine Klasse einfach nicht finden kann. Zum Mitreden geeignet, aber wer hier noch Aufregendes entdecken kann, muß die Achtziger irgendwie verpaßt haben. (5,5/10)