„Wenn das hier die Venus ist oder irgendein anderer fremder Planet, werden wir wahrscheinlich irgendwelche Superwesen treffen, die grünes Blut haben und uns mit ihren AtomTodestrahlen-Kanonen beharken – und wir stehen dann da, mit diesen altmodischen kleinen Schießeisen.“ (Furcht vor dem interstellaren Schwanzvergleich: US-amerikanische Raumfahrer)
Der Spielfilm mit dem inflationären Titel „Planet des Grauens“ ist ein Billig-Science-Fiction-Trash-Heuler von US-Regisseur Edward Bernds („Die Rückkehr der Fliege“) aus dem Jahre 1956, wie sie seinerzeit als B-Filme in den Kinos oder gern auch in den Autokinos (Drive-Ins) liefen – wenngleich bereits in Farbe gedreht. Anstelle von Science-Fiction-Horror geht es Bernds hier um einen postapokalyptischen Endzeitfilm, der sich jedoch selbst ein Bein stellt und mit dem Subgenre ein Jahr nach Roger Cormans „Die letzten Sieben“ nicht adäquat umzugehen versteht.
Ein paar tollkühne KosmoAstronauten führen eine Marsumkreisung durch. Doch in Marsnähe bricht der Funkkontakt ab und das Raumschiff gerät in einen Zeitstrom, der es extrem beschleunigt und schließlich auf der nach einem alles verwüstenden Atomkrieg postapokalyptischen Erde im Jahre 2508 wieder ausspuckt. Sich zunächst noch auf einem fremden Planeten wähnend, trifft die Besatzung dort auf barbarische Mutanten, derer sie sich erwehren müssen, sowie ein aufgrund der verstrahlten Oberfläche und der dort lauernden Gefahren unterirdisch lebendes Volk Überlebender, die aufgrund ihrer Unfruchtbarkeit vom Aussterben bedroht sind und nach all ihren negativen Erfahrungen einem bedingungslosen Pazifismus nachgehen – noch.
Bernds‘ Raumschiff ist ein niedliches Miniaturkonstrukt, einer von mehreren sehr durchschaubaren Effekten. Die Männer denken nach ihrer unfreiwilligen Landung trotz überaus irdischer Vegetation sofort an einen fremden Planeten, was genauso wenig für ihre Intelligenz spricht wie ihre Reaktion auf den Angriff fellgewandter Höhlenmenschen („Waren das nun Menschen oder Tiere?“). Die Annahme, dem Zuschauer den Kampf mit einer unfassbar unrealistischen Riesengummispinne zumuten zu können, spricht wiederum gegen den Regisseur, doch ist das noch nicht das eigentliche Problem des Films. Auch nicht unbedingt der Machismo und die vielen flapsigen Sprüche der testosterongesteuerten Herren. Deren Hormone in Wallung bringen auch die superknappe Leibchen tragenden Zukunftsfrauen („Der Geschmack der Frauen hat sich kaum geändert!“), was man ihnen grundsätzlich kaum verdenken kann (und ohnehin ein immer gern gesehener Bonus in ansonsten budgetbedingt recht karg ausgestatteten zeitgenössisch-naiven Science-Fiction-Filmchen ist).Wie man sich an sie heranschmeißt, wie man sie über sie denkst und von ihnen redet wiederum offenbart einen selbst in den biederen 1950ern schon erbärmlichen Sexismus, den auch Regisseur und Drehbuchautor Bernds vertreten haben muss, denn er lässt die Mädels trotzdem auf die Hirnis von vorvorgestern fliegen und kommt nicht einmal ansatzweise auf die Idee, dass man hunderte Jahre später etwas anders auf ein derartiges Niveau reagieren könnte.
Doch damit noch längst nicht genug: Auf das äußerst friedliebende Volk , das unter der Erde lebt und sich nicht traut, die Oberfläche zu betreten, sich zudem aus gutem Grunde gegen Waffen jeglicher Art sträubt, reagieren unsere Patriarchen absolut ignorant und ungläubig – statt von ihrer Weisheit zu profitieren zu versuchen, geben sie sich kampfes- und angriffslustig und preisen derartig ihre Waffen an, dass man meinen könnte, die NRA hätte den Film finanziert. Wilde Theorien über das weitestgehende Aussterben der Menschheit werden mir nichts, dir nichts über Nacht aufgestellt und letztlich bedarf es nur eines einfachen Verrats innerhalb des Zukunftsvolks, um dessen Lebensmaxime um 180° zu ändern. Dies kommt seitens des Drehbuchs einer maximalen Respektlosigkeit alternativer Meinungen und Lebensentwürfe gleich, die im Falle eines Lebens in Frieden und ohne Waffen als auf ganz wackligen Beinen stehend betrachtet werden, denen jegliches Fundament abgeht, die man ohne viel Aufwand hinwegwischen könne. Dieser Chauvinismus nimmt gar noch bedenklichere Formen an und wird richtiggehend faschistoid, wenn man die abfällig nur „Missgebildete“ genannten bzw. als „Vieh“ bezeichneten primitiven Oberflächenbewohner mit Schusswaffen massakriert und auf diesen zutiefst rassistischen Akt auch noch stolz ist. Erinnerungen nicht nur an den US-amerikanischen Genozid an den Ureinwohnern werden wach, der jahrzehntelang auch noch in diversen verklärenden Western gefeiert wurde – eine Kerbe, in die auch „Planet des Grauens“ schlägt. Die Amis bringen „Zivilisation“ und alle sind begeistert – eine durch und durch augenwischende Form der Propaganda, auf der fußend noch immer um Akzeptanz für die US-amerikanischen Eroberungskriege geworben wird (und die bei Weitem die in Genrefilmen jener Epoche ebenfalls nicht allzu selten anzutreffende kritiklose Darstellung des Militärs als Heilsbringer übertrumpft). Der Heile-Welt-Epilog könnte dann auch in exakt dieser Form in tatsächlichen Propagandafilmen totalitärer Staaten Verwendung finden und das Leben nach endgültiger „Lösung“ der -Fragen beschreiben. Form und Inhalt dieses peinlich dahingestümperten und anscheinend zu großen Teilen aus H.G. Wells‘ „Die Zeitmaschine“ (Rod Taylor spielte ironischerweise auch in der 1960er-Verfilmung mit) zusammengeklauten Filmchens sind zwar in erster Linie lächerlich, waren damals aber ernstgemeint und lassen mir angesichts des Missbrauchs des eigentlich fürs Freidenkerische prädestinierte Science-Fiction-Genres das Lachen im Halse steckenbleiben. Einziger punktewürdiger Lichtblick ist neben den modisch interessanten Kostümen der Damen die leise Kritik an Atomwaffen, denn immerhin waren sie es, die die Erde verwüsteten und die Menschheit fast ausrotteten. Doch wie Bernds aus seiner eigenen Prämisse keinerlei Lehren zieht, ist beschämend. Der Film hingegen ist als entlarvendes Zeitzeugnis von dokumentarischem Wert.