Review

Gesamtbesprechung

Verbarg sich hinter dem Phänomen Pokémon noch ein Konsolen-Rollenspiel mit einem ebenso einfach wie genialem Konzept, entpuppt sich "Hannah Montana" auf den ersten Blick, und für die meisten Menschen wahrscheinlich auch für immer und ewig, lediglich als dümmliche und wenig professionell umgesetzte Sitcom für Kiddies, deren Erfolg demzufolge massig Protest auslöste, was in der heutigen, wenig toleranten Gesellschaft ja leider Gang und Gebe geworden und definitiv allzu oft nicht oder nur teilweise begründet ist. Traurig eigentlich...

"Hannah Montana" spiegelt, ähnlich wie sein indirekter Nachfolger "JONAS", geradezu grandios die momentane Spass- und Konsumjugend wider. Diese in meinen Augen schlichtweg geniale Serie offenbart sich mir als umwerfende Satire auf die debile Popszene (die sich ganz nebenbei als genauso bunt und einfach strukturiert herausstellt wie das Gefilmte), welches gerade im Zeitalter von Castingshows, Schönheitswahn und dem Verbreitetsein von Covern und Remixen als Resultat mangelnder Kreativität von seiten der Künstler und Produzenten, gerade im Bereich der populären Musik, nicht passender sein könnte. Es kann kein Zufall sein das im Laufe der Serie die Namen von nahezu sämtlichen Popstars der letzten Jahre fallen und teilweise ganz schön veralbert werden, angefangen bei Mandy Moore, über Shakira, Beyoncé und Hillary "Lizzie McGuire" Duff, bis hin zu Madonna und der ersten American Idol Gewinnerin Kelly Clarkson. Das Anzweifeln der Daseinsberechtigung offensichtlich wenig talentierter Sänger/innen, zuletzt wieder beim Grand Prix-Gewinn von Lena Meyer-Landrut zu bestaunen, deren musikalisches Talent streng genommen nur bedingt ausgeprägt zu sein scheint (was allerdings eher eine Anmerkung, als denn eine Kritik an der ungemein liebenswerten Hannoveranerin sein soll) ist vollkommen legitim, im Anbetracht freier Meinungsäußerung sogar wünschenswert. Das Ganze ist natürlich alles eine Sache der Interpretation und vor allem des Geschmacks.

Ironischerweise erblickte dank "Hannah Montana" mit Miley Cyrus ausgerechnet ein weiteres Popsternchen das Licht der Welt, deren Stil usw tatsächlich nicht von Innovation und ähnlichem strotzt. Sie wurde, genau wie ihre Kollegin Ashley Tisdale kurz vorher mit fast identischem Konzept, zu einem der wohlhabendsten Minderjährigen in der Geschichte. Dabei war Cyrus' Durchbruch als gefeierte Pop-Rocksängerin ursprünglich glaube ich gar nicht so geplant. Jedenfalls hatte sich das junge Mädel gar nicht erst auf die Hauptrolle beworben, sondern auf die ihrer besten Freundin Lilly, wurde aufgrund ihres überschwänglichen Wesens aber doch besetzt und das war, wie sich später herausstellte, die einzig richtige Entscheidung. Wie dem auch sei, ich gönne Smiley-Miley, im Gegensatz zu vielen anderen Leuten die ich kenne, ihren großen Erfolg, denn sie sieht nicht nur wahnsinnig gut aus, sondern kann definitiv singen. Das tut sie hier wirklich in jeder Folge und zaubert mir damit immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Wobei ich vollends nachvollziehen kann wenn man "I Got Nerve" und co nichts abgewinnt.

Inzwischen ist "Hannah Montana" natürlich gnadenlos kommerzialisiert. Das soll aber gar kein Vorwurf sein, sondern ist aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung. Das sich bei Erfolg, unerheblich ob angestrebt oder nicht, zwangsläufig so etwas wie Vermarktung einstellt ist ja allgemein bekannt und sogar der Grund für die Entstehung einer ganzen Jugendkultur, nämlich der Indie- und Alternativeszene mit Leuten wie Kurt Cobain an der Spitze. Doch selbst die können sich nicht von jenem komplett freisprechen, was bei Anhängern jedoch regelmäßig in übertriebener Distanzierung ausartet.

Back to topic: Die eigentlich banale Geschichte (Teenpopqueen, wie sie hier immer so liebevoll genannt wird, vertuscht ihre berühmte Identität nur mithilfe einer blonden Perrücke) wirkt im ersten Moment zugegeben nicht nur ziemlich stupide, sondern auch wenig glaubwürdig und wird deshalb verständlicherweise nicht selten Zielscheibe für diverse Komiker, wie bei Friedbergs und Seltzers "Disaster Movie". "Hannah Montana" gibt aber auch gar keinen Realismus oder ähnliches vor und schenkt man ihr die nötige Beachtung wird man ruckzuck feststellen das sich die Serie selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Selbstironie ist hier Programm.

Paralellen zur Realität sind hier quasi allgegenwärtig, was nicht nur Papa Cyrus betont, sondern sich auch ziemlich oft am Plot widerspiegelt.
Ein paar kleinere Beispiele: Die Rolle des Vaters übernahm, ebenso wie im realen Leben, Billy Ray Cyrus, der, wie sollte es anders sein, ebenfalls einen einst erfolgreichen Countrysänger mimt, in einer Folge sogar sein Comeback feiert, und als absoluter Höhepunkt des Ganzen einmal eine Vokuhilaperücke aufsetzt und sich als er selbst ausgibt, nämlich B. R. Cyrus. Einfach Köstlich!
Ebenfalls der Countryszene entsprungen ist Dolly Parton, welche hier, ebenso wie in der Wirklichkeit, die Patentante verkörpert. Cyrus tritt übrigens auch im echten Leben sowohl als Miley, als auch als Hannah in Erscheinung.

Wie bei allen Sitcoms bezieht "Hannah Montana" seinen Reiz nicht ausschließlich aus Gags, deren Originalität hier wie bei allen Serien dieser Art mal dahingestellt sei, was der Surrealist David Lynch mit seinen Karnickeln so fabelhaft thematisierte (eines davon Naomi Watts), sondern größtenteils aus Sympathien für die Darsteller und deren Zusammenspiel. Sitcom ist und bleibt Geschmackssache und das gilt besonders für eine Hannah Montana. Seiner Zielgruppe entsprechend werden im Gegensatz zu ganz klassischen Sitcoms wie "Bill Cosby", den Bundies oder "Roseanne" zahlreiche Themen rund ums Erwachsenwerden, Pubertät und besonders Musik behandelt. Der pädagogische Wert ist dabei natürlich nur äußerst begrenzt, bleibt aber nicht vollkommen außer vor.

Man kann über "Hannah Motana" denken und sagen was man will, aber eines ist sicher: Diese Serie ist keineswegs das Kaliber eines Britney Spears-Film "Not a Girl". Dann schon eher "Spice World - Der Film" (bitte nicht falsch verstehen!). Man halte mich von mir aus für schwul oder sonst was, aber ich liebe diese Serie über alles und stehe dazu!
...frei nach dem Motto: Ich steh' voll auf ihre Musik! Ich find' gut was sie verkörpert! Jugend! Unschuld! Spass! Und sollte das irgendjemand bedrohen, reiß ich ihm die Organe raus und verfütter sie an die Tauben!

Keep going Miley!!

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