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Warum ist ein fast achtzig Jahre alter Film es wert, gesehen zu werden und darüber hinaus sich Gedanken zu machen und diese niederzuschreiben? Ersteinmal ist da die seltene Gelegenheit, solch einen Film auf eine guten 35mm-Kinokopie in einem Kinosaal sehen zu können. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Betreiber gibt es nicht, die solch alte Filme zeigen und die auch ihr Publikum finden. Zudem ist nur noch ein kleiner Teil der Stummfilmproduktion heute überhaupt noch erhalten. Schändlicherweise wurden damals 90% der Filme, nachdem sie im Programm gelaufen waren, einfach weggeschmissen. Zweitens ist „Sunrise“ nicht irgendein albernes Stan Laurel/Oliver Hardy - Gehampel, sondern ein ernster Film, der auch humorvolle Passagen hat und der seinerzeit drei Academy Awards gewonnen hat, also ein richtiger Abräumer gewesen ist.
Es ist Ferienzeit. Die Stadtbevölkerung macht auf dem Land Urlaub und eine diese „Woman of the city“ (Margaret Livingston) hat einem armen, ehrlichen und attraktiven Bauern (George O‘Brien) den Kopf verdreht. Er ist dabei, sich finanziell zu ruinieren, dabei wartet zu Hause sehnsuchtsvoll Frau (kaum eine kann so wirkungsvoll schmachten wie Janet Gaynor) und Kind auf ihn. Schließlich überredet die Stadtfrau ihn, eine Bootsunfall vorzutäuschen und die Ehefrau umzubringen. Der Bauer willigt ein und seine Frau ist zuerst ganz entzückt, daß er mit ihr eine Bootstour unternehmen will. Doch als sie über den See rudern wird ihr langsam klar, was er vorhat...
Margaret Livingstone, Janet Gaynor und George O‘Brien haben ein Jahr zuvor schon den Film „The Blue Eagle“ zusammen gemacht. „Sunrise“ übertrifft diesen Erfolg jedoch bei weitem. Murnau gelingt es, anfangs innerhalb kürzester Zeit seine Protagonisten einzuführen und kalr zu machen, um was es geht. Im Gegenzug wirken allerdings heute einge Einstellungen ziemlich lange - natürlich muß mein Stummfilm viel mehr mit Gestik, Mimik und Körpersprache überhaupt arbeiten - trotzdem ist man stellenweise etwas unterfordert. Dennoch ist „Sunrise“ ein spannender Film, mit einer lustigen Katharsis in der Mitte und einem sehr dramatischen Höhepunkt am Ende.
Deutlich zu sehen der „deutsche“ Einfluß auf den „Sunrise“, lange bevor deutsch-jüdische Emigranten über den großen Teich kamen: Die Stadt, der Sündenpfuhl, wirkt sehr amerikanisch, das Dörfchen mutet wie eines aus dem Schwarzwald an.

Fazit: Auch nach 80 Jahren noch äußerst sehenswert.

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