Sam Firstenbergs erste Fortsetzung von Cannons klassischer Ninjareihe ist nicht nur ein gelungenes Frühwerk des B-Spezialisten, sondern schlägt den Vorgänger auch um Längen.
Schon der Auftakt zeigt, dass es sich hier noch um knüppelharte B-Action der alten Schule handelt: Eine Horde von Ninjas überfällt das Anwesen des gerade abwesenden Cho Osaki (Sho Kosugi), seines Zeichens selbst einstiger Ninja. Als Cho und sein amerikanischer Freund Braden (Arthur Roberts) zurückkehren, sind bis auf den jüngsten Sohn und Chos Mutter alle tot, doch die verbliebenen Ninjas werden von ihnen auch über den Jordan geschickt. Das alles ist relativ hart, wobei die Effekte natürlich am Herstellungsjahr und Budget der Cannon-Produktion gemessen werden sollten, da sie heute leicht durchschaubar sind.
Braden bietet Cho an mit seiner Familie in die USA zu kommen, da ihn ja nichts mehr im Land seiner Väter hält. Cho geht mit und bringt, nachdem man sich in den USA eingelebt hat, seinem Sohn Kane (Kane Kosugi) ebenfalls die Kampfkunst der Ninja bei. Der Zuschauer beäugt derweil Braden schon mal argwöhnisch, da der seltsam kalt bleibt und die Großmutter sich beinahe schon prophetisch gegen einen Umzug in die USA ausspricht. Kurz darauf erhält man auch die Bestätigung, dass Braden eine fiese Möpp ist, denn er nutzt Chos Geschäft, eine Galerie, für Drogenhandel, indem er das Zeug in den Exponaten versteckt.
Bradens Verbindungsmann will ihn jedoch nicht bezahlen, was diesem gar nicht schmeckt. Er ist selbst gelernter Ninja und beginnt einen Privatkrieg gegen die Mafia, in den bald auch Cho und seine Familie verwickelt werden. Doch der wehrhafte Familienvater ist selbst ein geübter Kämpfer...
„Revenge of the Ninja“ zeichnet sich wie die meisten Cannon-Produktionen nicht durch einen sonderlich komplexen Plot aus. Am Ende haben natürlich Braden sowie sämtliche Mafiosi ihr Leben ausgehaucht, ein paar gute Nebenfiguren sind auch auf der Strecke geblieben, aber das hat man von Anfang an geahnt. Immerhin zieht Sam Firstenberg den Plot mit reichlich Tempo vom Leder und baut möglichst viele Kloppereien ein. So wollen Cho und ein Kumpel ein paar Gauner befragen, ob sie etwas über das Verbleiben vom Kane wissen, doch das artet nur in eine Schlägerei aus; die Information bekommen sie nachher auf einfachem Wege zugespielt.
Die Action ist dafür wirklich schick geraten und bietet vor allem Martial Arts in allen Formen. Durch die Verwendung diverser Ninjawaffen (Sicheln, Schwerter, natürlich auch die obligatorischen Rauchkugeln usw.) kommt auch Abwechslung in das Hauen und Stechen, die Kämpfer präsentieren wirklich viel Können und auch die Stunts können sich sehen lassen. Zudem schwebt über dem Ganzen noch der Hauch des Handgemachten und auch der Härtegrad ist politisch erfrischend inkorrekt, weshalb man „Revenge of the Ninja“ nur in der ungekürzten Fassung konsumieren sollte.
Auch sonst ist das Flair von „Revenge of the Ninja“ eine atmosphärisch dichte Fast Food Version japanischer Hochkultur: Einige Sätze über einen Ehrenkodex, entsprechende Locations wie Dojo oder Teehaus und natürlich viel asiatisches Flair, obwohl der Großteil des Films in Amerika spielt. Leicht ins Trashige gehen jedoch die Kampfkünste von Martial Arts Künste von Großmutter (die bei ihren Stunts auch sehr offensichtlich gedoubelt wird) und Sohnemann. Zwar ist es schon beeindruckend, was Kane Kosugi trotz weniger Lenze auf dem Buckel so alles kann, doch gelegentlich ist es übertrieben, wenn er selbst Erwachsenen zeigt, was eine Harke ist.
Schauspielerisch ist „Revenge of the Ninja“ sicher nicht überragend, aber auf gehobenem Cannon-Niveau. Vor allem Arthur Roberts als Fiesling überzeugt, während Sho Kosugui es mit dem unbewegten Stoneface nur so halbwegs schafft. Keith Vitali macht seine Sache ordentlich, Kane Kosugi ist für ein schauspielerndes Kind OK, die Mafiosi-Darsteller agieren alle etwas klischeehaft, aber doch noch zufriedenstellend.
Somit ist „Revenge of the Ninja“ ein unterhaltsamer Cannon-Streifen mit viel Martial Arts und Flair, wenngleich etwas simplem Plot. An die Klasse von „American Fighter“ kommt „Revenge of the Ninja“ jedoch nicht ganz heran, da jener mehr Action hat.