Review

Cho kehrt Japan den Rücken und geht in die USA, nachdem bis auf zwei Personen seine gesamte Familie von einer Horde Ninjas niedergestreckt wurde. In den USA angekommen, betreibt er eine Schule für Kampfkunst und eine kleine, lauschige Galerie, die ein wohlhabender Freund mit ihm aufbaut. Er fühlt sich in seiner neuen Heimat noch etwas ausgegrenzt vom gesellschaftlichen Leben, genießt jedoch die Ruhe zusammen mit seiner übrig gebliebenen Familie und gibt sein Bestes, ein bisschen Normalität in den Alltag zu bringen. Trotz aller Widrigkeiten, gelingt dies auch halbwegs, nicht zuletzt mit Unterstützung seines Gönners. Doch im Zuge einer heiß erwarteten Lieferung von Artefakten für eine geplante Ausstellung kommt es zu allerlei Reibereien, bei denen sich zeigt, dass der Kunstmäzen und Freund sich hinreichend wenig für Kunst, sondern vielmehr für Drogen interessiert. Die Ninjas werden von der Leine gelassen, so dass Cho und seine Freunde sich in Position bringen müssen für eine kampfgeladene Story um Schmuggel, Rache und der Liebe zu farbigen Kutten.


Das Spiel mit der Erwartung

Oft kommt es vor: Man sieht einen Film und der Gedanke durchzuckt den Zuschauer, dass sie lieber das Geld einem selbst überlassen hätten, auf dass man seine eigenen Vorstellungen eines funktionierenden Filmes in ein flimmerndes Produkt umsetzen könne. Doch dann wiederum passiert es gelegentlich, dass der Zuschauer komplett überrascht wird, von dem was er geboten bekommt. Mitunter überraschen Filme, von denen man es gerade nicht erwartet hätte. Denn es gibt sie wirklich. Es gibt wirklich Filme, deren Existenz man sich – wenn man so will – schon immer gewünscht hat, weil sie einfach alles beinhalten, was man sich zum entsprechenden Thema vorstellt. Doch diese Titel zu finden, ist das eigentliche Geheimnis.

„Revenge of the Ninja“ ist einer dieser Filme. Hier stimmt einfach alles. Er ist flott, spannend, actionlastig und bietet alles, was man von dem Genre erwartet. Damit überrascht er gleichzeitig den Zuschauer, der sich nicht in der Erwartung wähnt, mit einem Film dieser Kategorie seine Vorstellungen erfüllt vorzufinden.


Treason and plot

So schemenhaft die Story klingen mag, sie funktioniert für das Konstrukt dieses Filmes prächtig. Die Geschichte wird stramm vorangebracht und man hält sich wenig mit den einzelnen dramaturgischen Schritten auf, sondern treibt die Geschichte von einer Keilerei zur nächsten. Dem Zuschauer wird auch wirklich das gesamte Programm geboten: Emsig kämpfende Familienmitglieder aller Generationen, ob waffenlos, ob mit Messern, Schwertern oder - nicht zu vergessen - anderen lustigen Ninja-Gimmicks, wie Wurfsternen und Blasrohren. Selbstverständlich kommt die Action mit heutigen Maßstäben des CGI-Zeitalters nicht mehr so richtig mit, sie sind aber allesamt wirklich gelungen, gut choreographiert und rund. Auch die Dosis an Kämpfen ist bei weitem stimmiger, als bei anderen Titeln dieser Gattung, so dass nie Langeweile aufkommt. Die Story entwickelt sich entsprechend flott und passt sich nahtlos als Kitt für die Actionszenen in den Ablauf ein.

Sehr überraschend wirkt jedoch die grundsätzliche Boshaftigkeit des Filmes. So fightet im Verlauf der Geschichte die Großmutter in gekonnter aber letztlich chancenloser Weise und auch der Junior darf gegen böse Schergen antreten und ihnen ordentlich in den Hintern treten, was zuerst eine gewisse Belustigung verursacht, wie etwa die unsinnigen Kämpfe bei einem der „3 Ninjas“ Kinderfilme, aber irgendwie doch recht stilvoll rüberkommt.

Freilich bietet der Film auch eine gewisse Lächerlichkeit, insbesondere im Showdown. In diesem tritt der Held gegen den Bösen an, der vermeintlich mit allen Wassern gewaschen ist, allerdings so herrlich dämliche Tricks aus dem Hut zaubert, dass man sich vor Beknacktheit der Schenkelklopfer nicht erwehren kann. Hierbei sei nur der Begriff „Pappmaché-Double“ genannt. Auch wirken die Attacken des Meisters arg ungekonnt, was aber in Bezug auf den Spaß eher noch ein Bonus, denn ein Problem darstellt. Immerhin ist das ganze Drumherum einfach gut, spannend und actionreich erzählt.


Was von der schwarzen Haube übrig blieb

In diesem Film können Ninjas einfach alles. Sie können sich nicht nur in der Wolke einer Rauchbombe in Luft auflösen, sie können sich sogar in Windeseile einen Dummy aus Pappmaché zurechtbasteln und den Gegner damit gewitzt in die Irre führen. Das und viel mehr subsumiert sich zu einer für Cannon typischen Mixtur aus freudiger Action und einigen Spitzen unfreiwilliger Komik, was jedoch den Spaß nicht trüben kann, ja sogar irgendwie bei solchen Filmen dazugehört. Es macht einfach Freude, den zahlreich vom Zaun gebrochenen Kloppereien zu Frönen.

Lege diesen Film ein und meditiere vor dem Fernseher, Zuschauer-san!

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