Hmm... verdammt schwierig, diesen Film zu bewerten. Als eigenständiger Film handelt es sich hier um ein sehr dünnes Buddy-Movie, in seiner Eigenschaft als Sequel muss man ihm allerdings einige Qualitäten zugestehen, die sich vor allem daraus ergeben, dass die Verbindung zum Original gut eingesponnen wurde. Mit anderen Worten: Brett Ratner hat alles richtig gemacht, wenn man bedenkt, dass eine Fortsetzung in Anbetracht des Erfolgs von "Rush Hour" unvermeidbar war.
So beginnt Teil 2 auch genau an der Stelle, an der Teil 1 endete. Lee (Jackie Chan) und Carter (Chris Tucker) befinden sich im Flugzeug auf dem Weg nach Hong Kong, um nach all den Strapazen, in deren Verlauf sie sich kennenlernten, endlich mal Urlaub zu machen. Carter ist ganz heiß auf das Nachtleben, weshalb er auf den heimischen Lee als Fremdenführer vertraut. Der allerdings wird von seinem Vorgesetzten auf einen neuen Fall angesetzt. Es gilt, einen Anschlag auf die US-Botschaft zu untersuchen, in den scheinbar der ehemalige Partner von Lees getötetem Vater verwickelt zu sein scheint. So bekommt Carter seine Parties - die sehen aber etwas anders aus, als er sich vorgestellt hat.
Positiv sticht zunächst heraus, dass die wunderschöne Location sowie sämtliche Kulissen sich vom Original unterscheiden, welches ja noch in den Vereinigten Staaten stattfand. So wird Carters Revier gegen das von Lee eingetauscht. Fortan spielt also Jackie Chan den Leader, während Chris Tucker hinter ihm herdackeln darf. Die obligatorischen und charakteristischen Running Gags (wie sie ganz ähnlich zwischen Chan und Wilson in der "Shanghai"-Reihe vorzufinden sind) erleben somit einige Variationen. Im Sequel darf man eben nicht das Radio eines Chinesen anfassen usw., man kennt das ja.
Viel interessanter ist es jedoch, wie sich dieser Umstand - Lee als Heimischer, Carter als Tourist - auf die Charaktere auswirkt. Natürlich haben wir immer noch das charakterlich unveränderte Buddy-Gespann vor uns. Lee ist der zurückhaltende, pflichtbewusste Polizist, bei dem Pflicht Vorrang vor Spaß hat. Anders bei Carter, der es genau umgekehrt hält. Seine eloquente Art mag in den USA nie aufgefallen sein, weil es das typisch amerikanische Klischeeverhalten eines schwarzen Michael Jackson-Verschnitts ist. In Hong Kong jedoch treffen da kulturelle Welten aufeinander. Nicht nur durch seine Größe und Hautfarbe fällt Carter auf wie ein bunter Hund. Nein, auch hier mimt er den menschlichen Wasserfall und denkt gar nicht daran, sich zurückzunehmen. Hieraus ergeben sich teils witzige, teils auch abgenudelte Arten von Kulturhumor, wie etwa der Versuch, mit Hilfe eines kleinen Wörterbuches chinesisch zu sprechen und dabei die absurdesten Sätze zu produzieren (hier auch ein kleiner Kontinuitätsfehler, denn im Original bemerkt Carter am Ende, dass er durchaus chinesisch sprechen kann, Lee nur nie gefragt habe).
Allerdings ergeben sich dadurch auch wieder unsinnige Situationen, wie auch schon eine in Teil 1 vorkam, als Carter ohne Plan einfach so ein chinesisches Restaurant voller Triaden stürmte. Diesmal gehen sie von Lee aus. Denn der verschweigt Carter zunächst immer die Aufträge (weil Carter ja nur ausspannen will) und setzt damit jedes Mal aufs Spiel, bei der Suche nach den Verdächtigen unauffällig zu bleiben. Denn im Club gibt Carter mal eben eine Michael Jackson-Nummer, auf dem Luxusdampfer gibt er sich als Eigentümer aus, dann kleidet er sich mitten in der Stadt in die skurrilsten Klamotten und noch so ein paar Späße. Und das passt nicht zu dem rational denkenden Lee, seinen Partner so fahrlässig agieren zu lassen. Nur müssen solche Ausbrüche eben sein, zugunsten des Comedyformats der "Rush Hour"-Reihe.
Man hätte die Comedyelemente natürlich auch mehr auf die Wortgefechte zwischen Lee und Carter spezialisieren können. Das wäre (je nach Umsetzung) anspruchsvoller gewesen und außerdem hätte man oben genannten Logikfehler vermeiden können. Überhaupt fehlen die Buddy-Neckereien, die das Original so aus der Masse hoben. Dafür ist es schön zu sehen, wie sich das Verhältnis zwischen Carter und Lee weiterentwickelt. In der Regel sind beide die dicksten Freunde geworden, was man dem Film positiv oder negativ ankreiden kann. Gewisse Unterschiede zwischen beiden werden oft nur durch dritte Parteien deutlich (wie zB. in der Szene mit Don Cheadle, der mit seiner kleinen Rolle beinahe verschenkt ist).
Insgesamt aber kann man mit der Charakterentwicklung noch gut leben. Gerade der Anschlag, bei dem Carter vermeintlich ums Leben kam und Lee um ihn trauernd mit dem Auto durch die Gegend fährt und kopfnickend P.Diddy hört, verfehlt nicht seine Wirkung und verbindet Witz gekonnt mit Emotionen (insgesamt halte ich Chan für keinen besonders guten Schauspieler - obwohl ich, das sei noch gesagt, seine Filme liebe - aber seine Gesichtsveränderung im Wagen zu P. Diddys "Missing You" ist einfach klasse).
Allgemein ist also zu sagen, dass das Buddy-Konstrukt, das bei "Rush Hour" noch so toll funktioniert hatte, in "Rush Hour 2" etwas an Reiz verloren hat.
Die Stunts sind dafür aber wieder gewohnt gut. Sei es die Akrobatik rund um das Häusergerüst, die Rutschpartie an den Laternen oder der Fight im Massagesalon, für das Auge bietet Jackie wie üblich einiges, wobei Tucker zwar nicht mitkommt, aber doch auch keine schlechte Figur macht, wenn er auch insgesamt mehr mit dem Plappern und Anschmachten von Frauen beschäftigt ist als mit Kämpfen. Lediglich Tuckers Endkampf gegen Zhang Ziyi wirkt doch arg unglaubwürdig und auf das Ende hin konstruiert, baute man Ziyi doch über die gesamte Laufzeit zur mysteriösen Figur im Hintergrund auf, die ohne Zweifel jede Menge Kampftalent verbarg, während Tucker wie üblich den Tölpel spielte und im Filmverlauf von Ziyi auch schon ein paar Mal eins auf die Nase bekam. Und da soll Tucker plötzlich ein gleichberechtigter Gegner sein? Nun ja, das war in "Rush Hour" mit dem finalen Schußduell zwischen Tucker und dem chinesischen Terroristen besser gelöst.
Nichtsdestotrotz ist aber gerade Zhang Ziyi ein guter Bösewicht. Überhaupt kann sich das Bösewichtegespann mehr als gut mit dem doch etwas gesichtslosen Ensemble des Originals messen.
So ist "Rush Hour 2" eigentlich kein besonders herausragender Vertreter seiner Gattung, hat aber in Anbetracht der etwas erzwungenen Ausgangslage doch so seine Stärken. Schöne Kulissen, tolle Akrobatik und gelegentlicher Wortwitz machen den Nachfolger des Überraschungserfolgs zu einem durchaus sehenswerten Abenteuer, das allerdings in keiner Sekunde die Klasse des Vorgängers erreicht. Regisseur Brett Ratner ist da aber kein Vorwurf zu machen.
Noch 6/10