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„Rush Hour“ erfand 1998 das Genre nicht neu, war aber ein grundsolides Buddy-Movie und kommerziell sehr ergiebig, weshalb eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten ließ. Regie führte erneut Brett Ratner, der erwartungsgemäß auf Nummer sicher ging – denn wieso ein erfolgreiches Rezept ändern?

Der einzige gravierende Unterschied dieser Fortsetzung, die sich übrigens direkt an Teil 1 anschließt, ist dabei der Schauplatz, denn nicht mehr die Vereinigten Staaten, sondern Hongkong ist der Ort des Geschehens. Heimspiel also für Lee, der den Fall rund um eine internationale Falschgeldbande lieber nach Vorschrift lösen will und die ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden seines Partners Carter eher vermeidet. Gleiches Spiel also wie beim Vorgänger: Tucker nervt mit seinem permanenten Geplapper mehr, als einem lieb ist, Chan dagegen braucht kaum eine Mine zu verziehen und ist einem wegen seiner Kampfsporteinlagen tausendmal sympathischer. Bemerkenswert ist dennoch seine darstellerische Weiterentwicklung, man beachte seinen Gesichtsausdruck, als er im Auto zum Puff Daddy-Lied „I’ll be missing you“ um Carter trauert.

Obwohl Tucker für sich alleine nervt, ist er mit Chan als Team doch unschlagbar. Die Chemie zwischen beiden ist erneut hervorragend, was umso besser zum Tragen kommt, wenn man den Vorgänger kennt. Den sollte man im Vorfeld schon gesehen haben, da ein paar Insider-Jokes zum besten gegeben werden („Beach Boys“!).

Storytechnisch ist das erneut nicht das Gelbe vom Ei, sondern hinlänglich bekannt. Immerhin bringt Ziyi Zhang als „Girl that kicks ass“ ein wenig Schwung in die Sache und hält die beiden Cops ordentlich auf Trab. Oberbösewicht ist allerdings ein anderer, der zunächst einen Abgang ins Wasser macht, weshalb die Autoren kurzum zu Trick 17 greifen: Die Erschießung war gestellt, der Typ lebt in echt noch und lässt Lee die Chance, sein Daddy-Trauma zu überwinden.

Das Finale gerät dann noch schön knallbunt und laut, allerdings zeigt sich da ganz offensichtlich die Einfallslosigkeit des Ganzen, wenn der Schurkentod ganz ähnlich wie im ersten Teil ausfällt und sich dieses Mal beide aus schwindelerregender Höhe retten müssen, nachdem es im ersten Teil Lee alleine war.
Alles in allem ist „Rush Hour 2“, wie schon sein Vorgänger, zufrieden stellend, an manchen Stellen sogar noch eine Ecke witziger. Ratner ging kein Risiko ein, besann sich ganz auf seine Stärken und gewann mit der Taktik „lieber gut kopiert, als schlecht erfunden“. Ein dritter Teil ist in Mache, neue Ideen würden dem gut tun, denn ob dasselbe Rezept noch mal zündet, ist eher fraglich.

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