Da Rush Hour 1998 einen Erfolg verbuchen konnte, war man sich laut guter alter Hollywood-Tradition auch hier nicht zu schade, eine Fortsetzung runterzukurpeln, um die Kuh noch weiter melken zu können. Das Sequel ist dabei nicht wesentlich schlechter, aber auch nicht viel besser als das Original. Sichtlich bemüht, eine neue Buddy-Movie-Reihe auf die Beine zu stellen, inszinierte der inzwischen zu Hollywoods Hochglanzstil-Kopierer mutierte Regisseur Brett Ratner (X-Men - Der letzte Widerstand) eine mäßige Actionkomödie.
Nach den stressigen Ermittlungen in Los Angeles braucht US-Cop Carter (Chris Tucker) dringend Urlaub. Also begleitet er Inspektor Lee (Jackie Chan) nach Hongkong. Doch aus der Erholung wird nichts, denn Lee steckt sofort in einem neuen Fall: In der amerikanischen Botschaft sterben zwei Undercover-Agenten durch einen Bombenanschlag. Offenbar waren die Ermittler Falschgeldschmugglern auf der Spur. Lee ahnt: Dahinter steckt Triaden-Boss Ricky Tan (John Lone). Mit Quasselstrippe Carter im Schlepptau fällt es Lee jedoch nicht leicht, Tan auf die Schliche zu kommen. Dank der Geheimagentin Isabella (Roselyn Sanchez) stoßen die beiden auf eine heiße Spur - die sie promt nach Las Vegas führt...
Jackie Chan (New Police Story) bleibt in fast allen seiner US-Filme stets der gleiche nette Asia-Cop von nebenan. Wenn auch mal mit ein paar Abweichungen. Auch hier mimt er den höflichen Bullen aus dem fernen Osten mit Kung Fu-Fähigkeiten. Dabei wird der zappelige Martial Arts-Clown nur in wenigen Fällen langweilig. Natürlich nervt Chris Tucker (Dead Presidents) mit seiner vorlauten Fresse und benimmt sich egal wo, ob im Triaden-Club, Massagestudio oder im Casino, wie ein Elefant im Porzellanladen. In Gefahrensituationen schreit er zwar immer noch wie ein hysterisches Weib, aber wenigstens nicht mehr so nervtötend wie in Das fünfte Element. Wirklich lustige Augenblicke hat auch er, doch mir wären Eddie Murphy, Chris Rock, Martin Lawrence oder Will Smith deutlich lieber als Ratners Spezi Tucker. Und von Kung Fu versteht dieser genauso viel wie Dieter Bohlen von guter Musik. Dem dynamischen Duo stellt sich hier John Lone (Im Jahr des Drachen) als lokaler Bad Guy gegenüber, der allerdings wenig beeindruckend wirkt. So auch die überbewertete Zhang Ziyi (Hero) als dessen Handlangerin. Mehr als emotionslos gucken oder dämlich grinsen ist neben ein paar mäßigen Martial Arts-Einlagen bei ihr nicht drin. Mit Abstand eine der langweiligsten Killerinnen der Filmgeschichte. Besser machen da schon Roselyn Sanchez (Edison) als Undercover-Agentin und Don Cheadle (L.A. Crash) als farbiger Chinarestaurant-Besitzer ihre Jobs.
Hervorstechen aus dem lokalen Actionsektor tun hier natürlich Jackie Chans Kung Fu-Künste, auch wenn man in Rush Hour 2 gern mehr davon gesehen hätte. Entweder schneidet Ratner die Kampfsequenzen zu hektisch oder Tucker springt vor der Linse rum, weshalb man Chan nur teilweise bei seinem Handwerk zu Gesicht bekommt. Und wenn, dann zeigt er halt das, was man von ihm kennt: Martial Arts-Routine mit Slapstick verbunden. Die Ballermänner werden hingegen nur selten ausgepackt, und ab und zu gibts mal eine nette Explosion zur Abwechslung. Humor kommt dank zahlreicher Situationskomik und (nur bedingt) durch Chris Tuckers Laberattacken auf. Dabei hätte man die Humorschraube ruhig noch etwas höher drehen können, auch ohne Tuckers Sprüche. Die Handlung erfindet naturgemäßg das Rad nicht neu, sondern dient mehr als Vorlage für eine Aneinanderreihung von Action und Humor, wobei natürlich Spannung und Charakterisierungen auf der Strecke bleiben. Viel eingefallen war den Drehbuchautoren dabei anscheinend nicht, da man ähnliche Handlungsstränge schon aus etlichen anderen Filmen kennt. Musikalisch wird überwiegend Ami-HipHop abgespielt. Von den Locations her können sich sowohl Hongkong als auch Las Vegas sehen lassen. Doch auch hier kennt man vieles schon aus anderen cineastischen Werken.
Brett Ratner ist nicht unbedingt ein schlechter Regisseur, doch für einen dritten Teil sollte lieber ein in dem Genre erfahrenerer Mann auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Denn optisch und atmosphärisch gleicht Rush Hour 2 komplett dem Vorgänger, weshalb ein wenig Abwechslung gut tun würde. Ansonsten ist der Streifen eine durchschnittliche Actionkomödie ohne Lethal Weapon- oder Bad Boys-Qualitäten, denen Ratner hier offensichtlich nachzueifern versucht.