Mit "Rush Hour" schaffte nicht nur Hauptdarsteller Jackie Chan entgültig den großen Durchbruch in den USA, sondern auch Brett Ratner. Natürlich musste gleich eine Fortsetzung her und die beiden Produzenten Roger Birnbaum und Arthur Sarkissian vertrauten in das Drehbuch von Jeff Nathanson und investierten knapp 90 Millionen Dollar. Für einen nicht mal 90 minütigen Film eine große Summer, doch die Einspielergebnisse des Erstlings aus dem Jahre 1998 waren gigantisch. Regisseur Brett Ratner enttäuschte die Zuschauer nicht, das Original gefällt mir aber doch ein bisschen besser. Dennoch fällt "Rush Hour 2" wesentlich actionreicher und unterhaltsamer aus, als der dritte Streich des Duos, welcher im Moment gerade in den deutschen Kinos läuft.
James Carter (Chris Tucker) ist gerade zu Besuch in Honkong bei seinem mittlerweile besten Kumpel Lee (Jackie Chan). Anstatt sich jedoch den schönen Seiten Hongkongs hinzugeben, ist Lee nur an seiner Arbeit interessiert. Auch Carter beginnt sich bald für den Fall einzusetzen, als zwei Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft durch eine Explosion den Tod finden. Anscheinend stecken die Triaden um den Gangster Ricky Tan (John Lone) dahinter. Tan war damals Schuld am Tod von Lee´s Vater. Gerade deswegen begibt sich das Duo auf die Jagd nach Tan, welcher eine große Menge Flaschgeld durch ein Casino in Las Vegas unter die Leute bringen möchte. Aber auch Carter und Lee sind vor Ort und treten sogar dem Geheimdienst bei, um Tan einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Man orientiert sich hier ganz am Original, ehrlich gesagt ist "Rush Hour 2" sogar fast eine Kopie des Erstlings, die dennoch perfekt unterhält. Aber an Story hat man so gut wie nichts zu bieten. Es geht mal wieder um die Triaden, welche eine große Menge an Falschgeld unter das Volk bringen will. Nebenbei läuft noch Lee´s Vendetta gegen Ricky Tan, der damals seinen Vater ermordete. Wendungen sind extrem selten, nur der sehr frühe Tod von Tan überrascht ein bisschen, doch wer der eigentliche Drahtzieher dieses Unterfangens ist, kann man sich eigentlich schon denken und wie es ausgeht auch.
Kaum Überraschungen, nicht gerade strotzend vor Spannung, unterhält der Film doch auf anspruchslosen Niveau ungemein gut. Das liegt vor allem an den zahlreichen Actioneinlagen. Die fast schon slapstickartigen Fights sind super choreographiert, inklusive der Zweckentfremdung einiger Möbel, oder sonstigen Gebrauchsgegenständen. Die Gegner bekommen von unserem Duo in Dutzenden in den Hintern getreten. Man prügelt sich in der Sauna, an einem hohen Bambusgerüst, auf einer Luxusjacht, oder im Casino, wo auch das Finale stattfindet. Es wirkt jedoch etwas eintönig, dass es fast nur Fights zu sehen gibt. Die kleinen Schusswechsel nebenbei fallen kaum ins Gewicht. Dafür bietet Ratner fast Non Stop Action.
Da ist es logisch, dass man neben dem Duo keine Zeit für eine bessere Story hat. Aber auch der Humor übertüncht so manche Schwachstelle. Chris Tucker und Jackie Chan harmonieren einfach perfekt miteinander. Gags am laufenden Band, tolle Onliner, welche ganz besonders Tucker von sich gibt, verleihen dem Film diese besondere Note. Zudem ist der viele Humor nicht kindisch geworden, sondern unterhält auch auf dem Erwachsenenniveau. John Lone und die niedliche Ziyi Zhang geben das Gegnerpaar für Carter und Lee ab, Maggie Q ist in einer Minirolle zu sehen.
Während man sich im Original nur in der USA aufhielt, so wechseln hier die Kulissen. Die erste Hälfte des Films spielt sich in China ab, während man die Zweite dann in Amerika verbringt. Ratner liefert massenweise tolle Bilder, inklusive einer sehr üppigen Ausstatttung, trotzdem erscheint mir das Budget von 90 Millionen Dollar doch etwas hoch. Es gibt zwar kleinere Sachschäden und ein paar Explosionen, doch das Budget wird damit nicht ganz gerechtfertigt. Den Score übernimmt man fast 1:1 aus dem Erstling, nur hat Lalo Schifrin seine Melodien etwas modernisiert und vereinzelt ein paar neue Sounds dazu komponiert.
Völlig anspruchslos, aber sehr actionreich und humorvoll, meinerseits als würdige Fortsetzung zu betiteln. 7,5 Punkte gibt es von mir.