„American Pie 2“ ist die würdige Fortsetzung eines Comedykrachers. Der titelgebende Apfelkuchen bleibt allerdings dieses Mal verschont – auch wenn Jims Mutter ihn in der Anfangsszene mit einem weiteren Exemplar ein leckeres Essen kredenzen will. Aber sehen wir selbst...
Jim (Jason Biggs), inzwischen hat er sein erstes College Jahr hinter sich gebracht, steht kurz vor seinem ersten sexuellen Erlebnis seit seiner Entjungferung. Doch leider sorgt Jims Dad (Eugene Levy) für einen üblen Coitus Interruptus als er sich das verriegelte Zimmer auf dem Campus öffnen lässt um seinen Sohn zu überraschen. Die Überraschung ist ihm wirklich gelungen, denn außer ihm platzen nach und nach Jims Mutter und die Eltern von Jims Bettgespielin ins Zimmer. Doch Daddy will Jim mal wieder erzählen, dass er kein Problem damit hat und dass so etwas vollkommen natürlich ist. Auch „American Pie 2“ startet mit einer urkomischen Blamage des liebenswerten Pechvogels Jim. Sein Dad ist wie immer ein echter Brüller, wenn er verständnisvoll sein will, aber alles nur noch schlimmer macht. Tja und was fällt Mutter vor Schreck aus der Hand: Apfelkuchen für Sohnemann Jim.
Oz (Chris Klein), Stifler (Seann William Scott), Oz’ Freundin Heather (Mena Suvari) und Kevin (Thomas Ian Nicholas) besuchen das gleiche College. Oz und Heather leben streng monogam, was Macho Stiffler natürlich nicht verstehen kann. Auch sie kehren nach ihrem ersten Jahr in ihre Heimatstadt zurück. Heather fliegt allerdings sofort weiter ins Ausland für ein paar Sommerkurse. In diesem Exil bleibt sie auch fast den ganzen Film über, denn „American Pie 2“ konzentriert sich auf die beliebten und komischeren Charaktere (wer jetzt eine besonderes detaillierte Aufschlüsselung lesen möchte, der sollte sich Moonshades Review ansehen). Dies ist zwar schade, aber gleichzeitig auch wieder gut, da der Spaßfaktor so noch erhöht wird.
Zu Hause können Oz, Kevin, Jim und Finch (Eddie Kaye Thomas) ihre Wiedervereinigung als Clique feiern. Die Rolle von Finch ist nicht nur vergrößert, sondern auch verändert worden. War er im ersten Teil noch der arme, hyperintellektuelle Freak, so ist er zwar immer noch ein Nerd, aber extrem erfahren. Er hat von den vieren die meisten sexuellen Erlebnisse gehabt und hat sich jetzt der spirituellen Seite zugewandt.
Stifler gibt wieder eine von seinen berühmt-berüchtigten Saufpartys, auf der alte Erinnerungen wieder hochkommen. Doch die Polizei kreuzt auf, beendet die Party und verbietet weitere. Tja, hier könnte man glatt im ersten Teil gelandet sein: Schon allein die Szene, in der die Kamera Stifler durch die Räume folgt ist fast haargenau so und das versetzte Bier aus dem ersten Teil wurde durch eine Champagnerdusche der besonderen Art ersetzt. So sind auch die MIGF-Typen (bzw. MILF im O-Ton) wieder dabei. Doch glücklicherweise schließt „American Pie 2“ konsequent an den ersten Teil an und verändert das Geschehen doch ein wenig: So gibt es Rückbezüge zum Original („Stimmt es, dass Paul Finch deine Mutter geknallt hat?“), die Gags wurden variiert und die Figuren haben sich auch verändert (z.B. das Verhältnis Vicky – Kevin).
So sieht es nach einer Party freien Zeit aus, aber Kevin telefoniert mit seinem großen Bruder (erster Teil lässt grüßen) und der bringt ihn auf eine rettende Idee: Die vier Freunde wollen sich ein Haus am Strand mieten und den Sommer dort verbringen. Zur Finanzierung werden Ferienjobs angenommen – und der reiche Stifler mitgenommen. Als sich dann auch Nadia (Shannon Elizabeth), Jims große Flamme aus dem Original, ankündigt, um den immer noch unerfahrenen Jim zu besuchen, ist dies der Start in eine turbulente Zeit...
War James B. Rogers bei Teil eins noch Co-Regisseur, so darf er bei „American Pie 2“ das Co- vor seiner Bezeichnung entfernen. Und seiner Fortsetzung gelingt es tatsächlich kein Abklatsch zu sein, aber trotzdem dem Geist des Originals treu zu bleiben.
Hatte ich Teil eins im Kino verpasst und nur auf Video gesehen, um kurz darauf die DVD meiner Sammlung einzuverleiben, so musste ich „American Pie 2“ einfach im Kino sehen. Und dies ist der Ort, wo der Film hingehört, denn leider kam auch späteres DVD gucken mit mehreren Freunden nicht an die ausgelassene Stimmung im Kinosaal heran.
Wie schon der erste Teil bietet auch „American Pie 2“ Situationskomik vom feinsten. Auch wenn einige Gags stark an das Original angelehnt sind, ist das Gro der Witze eigenständig. Teilweise sind sogar noch größere Brüller dabei, vor allem bei der in fast jedem Review genannten Lesbenszene lag damals im Kino der gesamte Saal vor Lachen auf dem Boden.
Auch die Sprüche sind mal wieder zum Ablachen, vor allem wenn Stiffler loslegt. Der „Stifmeister“ kann mal wieder mit seiner dummdreisten Art punkten, egal ob er wahllos Leute beleidigt, sich selbst in den Himmel lobt oder diverse Statements „richtig“ stellen muss.
Musikalisch bietet auch „American Pie 2“ exzellenten Punkrock. Vor allem Blink 182, seit dem ersten Teil noch größere Stars, hauen wieder ordentlich in die Klampfe, aber auch andere bekannte Bands wie Whezzer, 3 Doors Down oder Sum 41 veredeln den für Rock-Fans genialen Soundtrack.
Die Story ist nicht von großer Bedeutung und soll, ähnlich wie in „American Pie“, die Gags zusammenhalten. Doch das ’Füllwerk’ ist gut gemacht und so verzeiht man Drehbuchautor Adam Herz und Regisseur James B. Rogers den eher dünnen Plot. Zudem streuen die beiden mal wieder die richtige Portion Romantik ein, um dem Film den letzten Schliff zu verpassen und es dem Zuschauer noch schmackhafter zu machen, sich mit den durchweg sympathischen Charakteren (auch Stifler mag man auf eine hinterhältige Weise) zu identifizieren.
Die Darsteller sind mal wieder gut aufgelegt, auch wenn einige zu Nebendarstellern degradiert wurden. Die Publikumslieblinge Jason Biggs, Eugene Levy (mit seinen wenigen, aber umso kultigeren Auftritten) und Seann William Scott sind wieder großartig und zum Schieflachen, doch auch der Rest der Crew ist nicht zu verachten. Weiterer Pluspunkt: Es wurden fast alle Figuren beibehalten, selbst kleine Leuchten wie die MIGF-Typen oder Sherman. Ach ja: Auch das sagenumwobene Ferienlager bekommt man im zweiten Teil zu Gesicht.
„American Pie 2“ ist eine Fortsetzung, die alles hat, was das Original auszeichnete und jedem, der sich mal wieder ordentlich schlapp lachen will, empfohlen sein. Unbedingt zu mehreren gucken.