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„Amores Perros“ verknüpft anhand eines Autounfalls drei Handlungsstränge miteinander, welche eines gemeinsam haben: Hunde spielen im Leben aller Figuren eine wichtige oder sogar die entscheidende Rolle.

Geschichte Nr. 1 erzählt von den Brüdern Ramiro und Octavio, welche in ärmlichen Verhältnissen leben und in ständigem Streit miteinander stehen. Gefährlich wird es, als Octavio Ramiros Freundin Susana zu begehren beginnt und versucht, durch Hundekämpfe seine Finanzen aufzubessern.
Der erste Abschnitt präsentiert sich eindeutig als experimentierfreudigster. In hektischer MTV-Ästhetik laufen die Hundekämpfe und die Verfolgungsjagd ab, die Figuren sind durch die Bank weg total schrill. Bereits hier zeugen die Bilder davon, dass „Amores Perros“ die dreckige Seite Mexico Citys zeigt. Die Wohnung, in der Octavio und co leben, ist schäbig und schlecht beleuchtet, die Hinterhöfe voll vom Blut toter Hunde.

Ein Stilbruch vollzieht sich mit Story Nr. 2, in welcher ein Familienvater seine Frau wegen einer Affäre mit dem Topmodel Valeria verlässt. Beide trifft das Schicksal hart, als Valeria in den Autounfall verwickelt und schwer am Oberschenkel verletzt wird.
Der Film kippt nun richtig Beziehungsdrama, die Erzählweise wird deutlich verlangsamt. Dennoch ist dieser Abschnitt fast packender als der erste, denn es ist wirklich grausam, welch schlechten Scherz das Schicksal mit beiden Figuren treibt, deren Dasein immer trister wird.

Der letzte Abschnitt stellt uns schließlich einen ehemals angesehenen Geschäftsmann vor, der als Penner ein trauriges Dasein fristet. Einst kämpfte er im Untergrund für seine Ideale, heute ist er nur noch ein Schatten seiner selbst, der Auftragsmorde annimmt, um über die Runden zu kommen.
Dies ist eindeutig der schwärzeste Teil des Films, der somit als einziger den Vergleich mit „Pulp Fiction“ rechtfertigen würde. Die Szene in der Küche, wo „El Chievo“ zwei Brüder festhält, erinnert stellenweise schon ans Tarantino-Meisterwerk. Trotzdem ist das letzte Drittel nicht nur schwarzhumorig inszeniert, sondern geht von der menschlichen Seite her ziemlich an die Nieren. Selten musste ich bei einem Film so schlucken, wie in der Szene, als der Obdachlose aufgrund seiner Tierliebe alle Hunde verliert. Die einzige Freude am Leben, die er noch hatte, ist damit weggeblasen.

Am Ende haben alle Protagonisten eines gemeinsam: Sie stehen am Ende vor einer ungewissen Zukunft, die aller Voraussicht nach sehr trist sein wird und in irgendeiner Weise hängt der Autounfall damit zusammen. Octavio wartet vor dem Bus vergeblich auf Susana, Valeria hat ihr einziges Kapital, ihre makellose Schönheit, verloren und El Chievo wagt mit einem neuen Aussehen den Weg aus dem Hexenkessel Mexico City heraus, mit dem einzig verbliebenen Begleiter, der vorher alle seine Hunde zerfleischt hat. Ob er woanders glücklich wird, ist zu bezweifeln, denn nicht umsonst bietet die letzte Kameraeinstellung eine apokalyptisch anmutende Szenerie.

„Amores Perros“ ist schwer zugänglich und deshalb auch schwer genießbar. Identifikationsfiguren finden sich kaum und am Ende liegt der Film wie ein schwerer Brocken im Magen. Obwohl die Verstrickungen und Querverweise genial in die Geschichten eingebettet sind und die Darsteller großartig agieren, ist „Amores Perros“ damit ein Stück von einem Meisterwerk entfernt.

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