Review

Der deutsche Film bietet meiner Ansicht nach nur wenige gesellschaftskritische Aussagen, die Themen, die hier abgehandelt werden, findet man nur selten in so einer ungeschönten Art: Sei es Arbeitslosigkeit, Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen oder kulturelle Probleme, der Film zeigt einem eine deprimierende Realität.

Felix Laub ist ein vorbildlicher Schüler, kommt aus gutem Hause und hat auch sonst keine Probleme. Bis er auf Can, den Anführer einer türkischen Straßengang, trifft. Can beginnt, Felix regelmäßig "abzuziehen" und ihn zu schikanieren. Felix' Vater Simon hingegen steht kurz davor, seinen Doktor zu machen. Er wiegt sich immer noch in dem Glauben, dass er die perfekte Familie hat. Doch als er immer häufiger mitbekommt, wie Felix von Can terrorisiert wird, beschliesst Simon, seinem Sohn beizustehen - doch er weiß nicht, worauf er sich einlässt. Can beginnt nicht nur damit, Felix zu terrorisieren sondern versucht, die ganze Familie fertig zu machen. Simon muss mit ansehen, wie seine perfekte Familie anfängt zu zerbrechen. Seine Frau Christa geht fremd mit seinem besten Freund und Felix versinkt in Selbstzweifeln. Can diktiert immer mehr das Familienleben, bis die Situation zu eskalieren scheint.

'Züli Aladag' liefert als Regisseur eine hervorragende Arbeit ab. Er zeigt deutlich, wo die Problemzonen unserer Gesellschaft liegen und führt das einem auch mit ungeschönter Härte und Brutalität vor Augen. Wobei man auch sagen muss, dass der Film genau den Nerv der Zeit trifft - einer Zeit, in der die Jugendlichen mit Perpektivlosigkeit und Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.

Die Darsteller spielen so überzeugend das man meinen könnte, man würde sich einen Dokumentarfilm ansehen, wobei man
"Oktay Özdemir" in seiner Rolle des Can besonders hervorzuheben hat. Er hat auch schon in Detlev Buck's Grosstadtfilm "Knallhart" mitgespielt und Erfahrung gesammelt - auch dort hat er schon die Rolle eines gewaltbereiten Jugendlichen verkörpert. Jedoch alle Darsteller tragen zum Gesamtbild bei und machen den Film so sehenswert.

Wer sich "Wut" ansieht, dem wird aufallen, dass es keine direkte Identifikationsfigur gibt - zumindest ging es mir da so. Mir fiel es nicht leicht, mit den Protagonisten mitzufühlen. Nicht weil sie unglaubwürdig waren, viel mehr weil es mir schwer fiel, dass jeder der Darsteller Momente im Film durchlebte, in denen man Mitgefühl entwickelt; so z.B. Can, der mit ansehen muss, wie die Polizei die Wohnung der Eltern durchsucht. das ist ein Moment, wo er mir persönlich leid tat. Man sieht, wie Can's Familie selbst am Abgrund steht und wie er innerlich zerissen ist. Auf der anderen Seite steht Felix, der selbst mit ansehen muss, wie er unter Can leidet und wie seine Familie leidet. Der Film ist auf jeden Fall nichts für Frohnaturen, es gibt auch kein Happy-End. Alles endet in einer Katastrophe.

Fazit: Ein beklemmder Thriller, der herrvorragend besetzt ist und einem die Augen öffnet.

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