Die Turnschuhe sind gerollt. Sind jetzt Cans. Felix is barfuß und muckt er auf, kriegt er gleich 'n paar auf die Fresse. Aber dazu hat der Penner sowieso nich den Mumm, der olle Schwachmat mit seinem schwulen Cello. Zuhaus krieg'n die Alten langsam mit, was läuft: Die Nulpe von einem Sohn lässt sich aufm Schulweg täglich von Türken abziehen. Papa, bald Hochschulprof, geht darauf mal gar nicht klar und kommt Can mit warmen Worten. Damit erreicht die Spießerschwuchtel beim Kanaken natürlich gar nichts. Schwuppe Felix will ja eigentlich gar kein Stress, will lieber weiterhin die Kohle abdrücken und ab und zu mal 'nen Tütchen Gras beim Türken kaufen. Aber irgendwie hat Can 'n Rad ab, eben noch mit Felix aufm Basketballplatz zocken und jetzt haun ihm dessen Lakaien doch wieder auf die Schnauze. Die Worte werden immer warmer und es schaukelt sich hoch, mit immer krasseren Ereignissen, bis Prof der Geduldsfaden reißt und er den Türken zusammenbolzen lässt. Bringt auch nichts, der Wichser hat wohl „Kap der Angst“ gesehen und sucht das Duell.
Auf der einen Seite nun demgemäß findet der Zuseher einen gewaltbereiten türkischstämmigen Deutschen und seinen nicht minder aggressiven Anhang. Daheim ein drakonisch erzogener Sohnemann, auf der Straße ein Rüpel von rabiatem Schlage, ein - Anführungsstriche unten - Badboy - Anführungsstriche oben -, der Schwächeren ihre Schwäche aufzeigt. Allenthalben gilt die Justiz des Stärkeren, des Schikanierenden und des Schikanierten. Kraftausdrücke und Fäuste sind die Kommunikationsmittel der Unintegration. Dem gegenüber stehend der introvertierte deutsche Cello-Spieler Felix aus gut situiertem Bildungsbürgerhause. Täglich der möglichen Drangsalierung ausgesetzt, sucht er die Freundschaft mit Can, wie dieser, es sich mit dem angehenden Hochschulprofessor und Vater des Jungen immer mehr verscherzend, die von Felix sucht. Und beides sind es keine echten Freundschaften, nur Zweckbündnisse. Felix kennt nur einen Weg, der kein gebrochenes Nasenbein zur Folge hat: den Opportunismus. Es ist ein Angst-Opportunismus.
Der Türke weiß das auszunutzen. Er tut, als suche er Felix’ Freundschaft und versucht ihn mit der Verarsche gegen seinen Alten auszuspielen. Er is gar nich so scheiße im Kopf; da is eigentlich was drin. Aber er is auch zu stolz, um sich von so 'nem alten Hochschulsack belabern zu lassen. Dem Penner mit seinem Traumhaus und seiner geilen Fotze will er’s zeigen. Diese Bonzenwichser checken nich, was auf der Straße abgeht. Ihr wollt Deutschland sein? Wir sind auch Deutschland! Und ihr werdet uns nich mehr los. Das hier is 'n verschissener Kampf der Kulturen. Deutsche und Türken und Deutsch-Türken und Türken-Deutsche - bauen alle Scheiße.
Die betuchten Deutschen haben sich von der Straße isoliert und hinter der augenscheinlichen Liberalität lugen nur Biedermeier hervor. Züli Aladağ, Deutsch-Türke, kokettiert mit dem Klischee, um es schließlich zu dekonstruieren. Die Deutschen, das sind erst einmal stilvolle Pazifisten im Herzen, dem Hitler-Komplex sei dies zu verdanken. Doch ihre Reizbarkeit wird uns vorgeführt, wenn die Straße in die gutbürgerliche Käseglocke eindringt. Dann sind die Methoden, Eingedrungene zu entfernen, nicht fein. In der Glaskuppel der Bürgerlichkeit steht Doppelmoral ganz oben in der Wertepyramide, das gilt nicht nur für die Deeskalationspolitik, das gilt desgleichen für die Vorstellungen von ehelicher Treue, die die familiäre Bande auf die Probe stellen. Ein erkaltetes Gefühl. Entfremdung und Unnahbarkeit sind Begriffe wie erfunden für die Beschreibung des inländischen, deutsch-türkischen Verhältnisses. „Wut“ spiegelt nicht diese Beziehung in all ihren Facetten, aber „Wut“ zeigt beispielhaft ein Schnittstellenmilieu, wo deutscher Bildungsbürger auf türkischstämmige Parallelgesellschaft prallt. Er sucht die - nicht zuletzt hollywoodesk endende - Konfrontation beider Welten. In diesem Portrait der verfehlten Integration gleichwohl bedrückt weniger die Bestandsaufnahme des Hasses als vielmehr die Hilflosigkeit, hierauf keine passenden Antworten und Lösungen zu finden. Der Dialog jedenfalls ist gescheitert.