Review

"Wut" - ja, die muss man bei diesem Film schon fast kriegen, aufgrund des schludrigen Umgangs mit dem tollen Thema... Einfach schade, wieviele Möglichkeiten hier leichtfertig verschenkt werden!
Das fängt in erster Linie bei der Handlung an: diese nimmt nämlich schon ziemlich früh eine unglaubwürdige Wendung, als sich Can´s "Kleinkrieg" nur noch ausschließlich auf Felix´s Vater konzentriert. Mit Felix selbst macht der Typ plötzlich einen auf guten Freund - aber wieso??? Das ist extremst realitätsfern, im wahren Leben würde ein Kerl wie Can mit einem Loser wie Felix kein einziges freundschaftliches Wort wechseln! Man hätte sich hier darauf beschränken sollen, dass Felix von Can schickaniert wird, so wie es auf zig Schulhöfen tagtäglich passiert. Diese "Verbrüderung" der beiden ist Blödsinn!
Schön fand ich allerdings, dass Can durchaus nicht nur als hirnloser Schläger gezeigt wurde, sondern dass auch sein Schmerz ansatzweise dargestellt wurde.
Störend waren (wie leider in allen deutschen Filmen) die abgestandenen Klischees: so haben beide Elternteile von Felix natürlich (für die Handlung völlig unnötige) Affären (seine Mutter natürlich auch noch mit dem besten Freund seines Vaters... der findet das raus, weil seine Frau dem Liebhaber auf den Anrufbeatworter spricht, während er danebensteht - was für ein Zufall!), der Vater vergisst dabei natürlich den Slip einer seiner Studentinnen in seiner Jackentasche (wie blöd müsste man(n) denn sein!??); Felix spielt natürlich Cello, um sein Loser-Image noch bestmöglich zu unterstreichen; der beste Freund von Felix´s Vater hat natürlich mal eben eine halbautomatische Pistole zuhause (als Automechaniker, und das auch noch in Deutschland!!); usw...
Am Ende mündet das Ganze dann in ein 08/15-Thriller-Finale mit total unglaubwürdigem Ende, das alles völlig an den Haaren herbeigezogen kommt. Von Realismus ist da keine Spur mehr, das findet sich bei "Wut" lediglich in der ersten Viertelstunde. Was den Film trotz aller Schwächen noch ins Mittelmaß rettet, ist Hauptdarsteller Oktay Özdemir, der als Can eine famose und erschreckend realistische Leistung abliefert! Leider erlaubt das Drehbuch nicht mehr davon...

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