Review

"Heute ist kein Tag um über Politik zu streiten. Ich möchte diese Veranstaltung dazu nutzen um ihnen kurz etwas über die sinnlose Gewalt in Amerika zu erzählen, die immer wieder Schande über unser Land bringt, und über jeden Einzelnen von uns..."

Das starbesetzte Drama "Bobby" dokumentiert den letzten Tag Robert F. Kennedys aus der Sicht der Angestellten des "Ambassador" Hotels und einigen Randfiguren.

Am 4. Juni 1968 finden in Kalifornien die Vorwahlen der Demokraten zur Präsidentschaftskandidatur statt, bei denen sich vor allem Robert Francis Kennedy behaupten kann. Im Hotel "Ambassador" herrscht reges Treiben, denn dort ist für diesen Abend eine Feier im Rahmen einer Rede des angehenden Präsidenten geplant. Hotelmanager Paul Ebbers (William H. Macy) instruiert seine Angestellten in allen Details während der ältliche Türsteher John (Sir Anthony Hopkins) mit seinem Freund Nelson (Harry Belafonte) die Hotellobby bei einem Schachspiel überwacht. Die Friseurin des Hotels und Frau von Paul Miriam (Sharon Stone) ahnt nichts davon, dass ihr Mann eine Affäre mit der Telefonistin Angela (Heather Graham) hat. Die Angestellten der Küche arbeiten Doppelschichten worunter José (Freddy Rodríguez) ganz besonders zu leiden hat, denn dieser muss seine Karten für ein heiß geliebtes Spiel der Dodgers an den Küchenchef Edward Robinson (Laurence Fishburne) abtreten während ihr rassistischer Chef Timmons (Christian Slater) immer wieder abfällige Bemerkungen über das gesamte Küchenteam verlauten lässt. Die Wahlkampfhelfer Jimmy (Brian Geraghty) und Cooper (Shia LaBeouf) schwärmen nach der hübschen Bedienung Susan Taylor (Mary Elizabeth Winstead) und lassen sich lieber bei dem Dealer Fisher (Ashton Kutcher) auf einen LSD Trip ein, statt sich an dem Wahlkampf zu beteiligen. Abseits dessen beugt das Ehepaar Samantha (Helen Hunt) und Jack Stevens (Martin Sheen) einer leichten Ehekrise vor, Diane (Lindsay Lohan) heiratet ihren recht unbekannten Freund William (Elijah Wood) um ihn vor dem Vietnamkrieg zu bewahren und die Alkoholikerin und Sängerin Virgina Fallon (Demi Moore) bereitet sich neben ihrem frustrierten Mann Tim (Emilio Estevez) auf ihren Auftritt am Abend vor. All diese Personen teilen die gleiche Hoffnung auf eine bessere Zukunft die Robert F. Kennedy als Präsident mit sich bringen könnte. Aber diese Hoffnung soll am Abend katastrophal abgewendet werden.

Episodenhaft erzählt Regisseur und Darsteller Emilio Estevez die Einzelschicksale der Beteiligten des Attentats auf Senator Robert F. Kennedys die erst am Ende ein großes und sinniges Bild ergeben.

"Bobby" beginnt sehr schablonenhaft und typisch amerikanisch mit einer Vielzahl von Propaganda- und Aufstandsbildern. Der schablonenhafte Ablauf bleibt auch für den restlichen Film erhalten, was kaum Dynamik zwischen den einzelnen "Episoden" zulässt. Die Schicksale der Charaktere greifen zu den wenigsten Zeitpunkten übereinander, erst im Finale vermag man zu erkennen wie die einzelnen Schicksale zusammen hängen. Dies raubt dem Film fast durchgängig die Flexibilität.
Zudem wird auf das eigentliche Thema, nämlich "Bobby" F. Kennedy, nur sehr wenig, in Form von historischen Originalaufnahmen, eingegangen. Dieses Archivmaterial wird später mit gestellten Aufnahmen clever gemischt, wobei man den Darsteller Kennedys nie vom Gesicht her sieht, was die Authenzität erhöht und eine fiktionale Entfernung verhindert.

Estevez setzt auf Masse statt Klasse, was man besonders im Vergleich des gesamten Films gegenüber dem Finale erkennen mag. Die uninteressanten Subplots versprühen selten den Charme der vielen einzelnen, gut ausgearbeiteten aber klischeehaften Figuren. Einzig und allein zu dem Küchengehilfen José kann sich etwas Sympathie aufbauen, vielleicht durch den Umstand, dass dieser die einzige nicht fiktionale Figur ist. Denn den Rest hat Estevez frech hinzugefügt um seinen Eindruck der Endsechziger Jahre zu verstärken. Im Grunde hätte eine von dem Thema Kennedy losgelöste Handlung beinahe die gleiche Wirkung.
Zudem entwickelt sich der Plot sehr vorhersehbar, biete wenig Dramatik und keinerlei überaschende Wendungen.
Die patriotische Grundstimmung und Musik sowie die überdimensionierte Darstellung Kennedys als Übermensch nerven auf Dauer, denn dieser war er nicht.

Seine Stärke spielt "Bobby" erst zum Schluss aus, wo sich die Ereignisse überschlagen und alle Charaktere zusammengeführt werden. Das Chaos das durch das Attentat entsteht ist hervorragend inszeniert und beispiellos emotional sowie rückwirkend erinnerungswürdig. Estevez unterstreicht die gezeigten Bilder mit einer Original-Rede Kennedys über die Sinnlosigkeit von Gewalt die vor dem Zuschauer eben genauso verläuft. Schade, dass dieses hohe Niveau erst so spät erreicht wird.

Am Ende ergibt sich ein langwierig erzähltes, patriotisches Drama mit vielen "Den Schauspieler / die Schauspielerin kenne ich doch" Effekten, wobei keiner von diesen heraustritt, welches seine packende Atmosphäre erst im Finale ausspielt.

6 / 10

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