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Die Inquisition - wahrlich ein dunkles Kapitel in Spaniens Geschichte. „Amadeus"-Regisseur Milos Forman nahm sich nach seiner Mozart-Biografie mit „Goyas Geister" erneut eines historischen Stoffes an. Doch leider verkommt der Film in der zweiten Hälfte zusehends zu einer unterkühlten Geschichtsstunde.

Spanien 1792: Während der kirchliche unbequeme Maler Francisco Goya (Stellan Skarsgard) weiterhin seine an Ketzerei grenzenden Bilder malt, wird seine Muse Inés (Natalie Portman) von einem eifrigen Verfechter der Inquisition, Pater Lorenzo (Javier Bardem, „Das Meer in mir"), aufgrund des haltlosen Vorwurfs, sie sei Jüdin, ins Gefängnis gesperrt. 15 Jahre später haben sich die Dinge grundlegend gewandelt: Die französische Revolution ist mit ihrem Gedankengut bis Spanien vorgedrungen - einer der Verfechter ihrer Ideale ist der ehemalige Pater Lorenzo, welcher zuvor wegen einer „peinlichen Befragung" flüchten musste. Inés kommt aus dem Kerker frei und begibt sich zusammen mit dem mittlerweile ertaubten Goya auf die Suche nach ihrer Tochter - gezeugt von Pater Lorenzo...

Während es Regisseur Milos Forman in der ersten Hälfte von „Goyas Geister" gelingt, ein opulent bebildertes Kaleidoskop einer ereignisreichen, farbenfrohen und ästhetisch einzigartigen Epoche mit den bewegendem Schicksal von seinen Hauptfiguren (allen voran die eindringlich agierende, gepeinigte Natalie Portman) zu verknüpfen, verkommt „Goyas Geister" nach dem Zeitsprung um 15 Jahre zu einer immer noch künstlerisch beeindruckenden, aber durch übertriebenen Aktionismus emotional unterkühlten Abriss in der spanischen Geschichte, die sich teils in den Wirrungen und Irrungen im Schicksal der Charaktere verheddert, ohne jedoch emotional anzurühren. Allzu kalt lassen dem Zuschauer die Figuren, welche bis dahin zu klaren Protagonisten und Antagonisten stilisiert wurden. Dies liegt vielleicht auch daran, dass sie ihre Gegensätzlichkeit durch das versöhnliche, aber dennoch seltsam offene Ende letztendlich nie wirklich ausleben. Die Qualität der Schauspieler sowie Kostüme und Ausstattung des Films sind jedoch durchweg hoch und er überzeugt durch stilistische Intelligenz.

Fazit: Anspruchsvolles Kino mit leichten emotionalen Schwächen. „Goyas Geister" ist ein seltsames Zwitter: Als Künstlerbiografie zu distanziert, als Historienepos zu personenzentriert. Einzig als Film über Politik, Kirchengeschichte und Kunst kann er voll überzeugen. Dennoch reicht es aufgrund großer Ambitionen und Formans Stilsicherheit zu einem - wenn auch knappen - „sehr gut".

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