„Ich spreche nie mit Männern, die mir eine Waffe vorhalten.“
„Ist das grundsätzlich?“
„Reine Gewohnheit.“
Solche Sprüche definierten in diesem Killerklassiker Alain Delons Coolness und prägten seine Karriere, seine melancholische Art war Inspiration für die Figuren in John Woos heroischen Actionfilmen, und dass Delon mit seinem beigen Mantel deren Dresscode vorgegeben hat, ist sowieso offensichtlich. Insofern ist Melvilles Film über einen Killer, der ausnahmsweise bei der Erfüllung eines Auftrags einen Fehler macht und fortan in einer Schlinge steckt zwischen Polizei und Auftaggebern, die ihn umbringen wollen, tatsächlich von filmhistorischer Bedeutung, die nicht außer Acht gelassen werden sollte.
Ansonsten muss ich allerdings zugeben, dass mich die unterkühlte (quasi zu coole) Inszenierung nicht sonderlich angesprochen hat. Melville schwelgt geradezu in der Wortlosigkeit, lässt Delons Costello minutenlang durch seine Szenen wandeln, ohne dass er auch nur einen Ton von sich gibt. Sei es bei der Flucht vor der oder beim Verhör durch die Polizei, beim Erledigen seiner Aufträge, selbst bei den Besuchen bei seiner Freundin, er macht den Mund nur auf, wenn es die Coolness erfordert. Hinzu kommen Merkwürdigkeiten wie das Bestellen eines Whiskeys in der Bar, deren Geschäftsführer er umgebracht hat und das anschließende Bezahlen ohne den Drink auch nur anzurühren. Costello weiß, dass er nach wie vor Hauptverdächtiger ist und legt es überhaupt nicht darauf an, den Verdacht von sich zu lenken.
Die Handlung bleibt dabei genauso minimalistisch wie sein Spiel und erzählt ohne Umwege die Geschichte eines einsamen Mörders, der sich lieber, anstatt in die Falle zu laufen, eine eigene Falle baut. Nur kommt das Ende nach all diesen langsamen und stillen Szenen, die wirklich nur in den seltensten Fällen Musik zulassen, zu abrupt, und ehe man sich versieht, ist der Film auch schon vorbei. Was hinter einem liegt sind unspektakuläre Verfolgungsjagden, viele melancholische Blicke, noch mehr Vogelgezwitscher und diverse Sprüche, von denen man sich wünscht, dass sie einem in ähnlichen Situationen auch einfallen würden.
„Le Samouraï“ ist wegweisend durch das nachher oft kopierte Verwenden eines eiskalt berechnenden und trotzdem melancholischen und furchtbar einsamen Killers als Protagonist, und auch für die ungeheure Coolness bekommt er meine Wertschätzung. Vom Hocker gerissen hat er mich allerdings nicht, und davon, ihn als Meisterwerk zu bezeichnen, bin ich weit entfernt.