Review

Der vielgerühmte "Samurai/Eiskalte Engel", den Alain Delon hier gibt, ist das Vorbild für so manchen Kino-Killer, der uns von den 80ern an beehrt hat und auch noch heute verehrt wird. Der Film ist ein Meisterwerk des Minimalismus, der fast allein durch seine Bilder beeindruckt, da so etwas wie Dialog streckenweise gar nicht vorkommt.

Eine grundschulsimple Handlung breitet sich vor dem Zuschauer da aus. Der Profikiller, der noch nie einen Fehler gemacht hat und seinen Auftrag diesmal vor einer Zeugin ausführt, die ihn jedoch nicht verrät. Der Polizist, der den Killer dingfest machen will und schließlich überzeugt ist, den Richtigen vor sich zu haben, ohne seiner habhaft zu werden. Die Auftraggeber, die ihren, jetzt gefährlichen, Mann ausschalten wollen. Eine Liebesgeschichte, zart, fast fragil, gehalten durch Blicke, unglücklich und dem Tode geweiht.

Der Film wirkt streckenweise wie ein Stummfilm, wir sehen Delon als Killer agieren, folgen allen seinen Schritten, wohnen seiner Inszenierung des Anschlags bei, kommentarlos, nüchtern, neutral. Delon sagt beinahe nie etwas, nur wenn es wichtig ist und deswegen ist es auch so wenig. Dagegen schon fast zu menschlich der Polizist, der wortgewaltig an der Aufklärung interessiert ist, sympathisch-melancholisch.

Hier gibt es keinen komplizierten Aufbau, keine Plot-Twists, keine Überraschungen. Alles wirkt artifiziell, klinisch, theatralisch inszeniert. Delon wirkt schon in der ersten Szene wie ein trauriger Todgeweihter und sein Blick läßt keinen Zweifel darüber, daß er das Filmende nicht erleben wird. Und tatsächlich läuft der Film wie ein Uhrwerk ab: Delon wird betrogen, er sucht den Auftraggeber und tötet ihn schließlich, ehe ihn das Gesetz einholt, bzw. er sich einholen läßt, weil seine Aussichten hoffnungslos sind.

"Le Samurai" ist in der Essenz traurig-melancholisch, erfordert aber einiges an Geduld, da manche Sequenzen die Sehgewohnheit erheblich strapazieren, wenn wir etwa Delons Vorbereitungen en detail beiwohnen. Wer "Leon-Der Profi" kennt, wird ihn in diesem Film wiederentdecken mitsamt der teilweisen Schäbigkeit, dem Dreck, dem nüchternen Umgang mit dem Tod, der tragischen Liebe zwischen zweien, die nicht zusammenkommen.
Mag sein, daß es für Delon ins seinem Trenchcoat und mit Hut ein Durchbruch und ein Kultfilm war und ich möchte die filmhistorische Bedeutsamkeit nicht schmälern, doch für den gängigen Zuschauer bietet der Film außer seinem Ruf nur eine schmale Geschichte und gute Darsteller, dafür aber ein Höchstmaß an künstlicher Inszenierung innerhalb real existierender Schauplätze (wie dem modernen, aber oft heruntergekommenen Paris).
(6/10)

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