Michael Wadleighs Meisterwerk aus den frühen 80ern ist auch heute noch ein Unikat, eine kleine Arthouse-Filmperle (damals gab es diesen Begriff eigentlich noch nicht!), ein Horror-Film mit Tiefgang, innovativen Special-Effects, glaubwürdigen Darstellern und einer negativen Grundbotschaft, die heute, 30 Jahre später, mehr denn je aktuell erscheint. Die scheinbar wahllosen Morde, die ein erfahrener Polizist (hervorragend gespielt von Albert Finney) aufklären soll, zeigen letztlich, dass die Problematik des Eindringens in fremde Lebensbereiche durch einflussreiche Grundstücksmakler und rücksichtslos und durch eigenes Verschulden gestrandete Existenzen ein gesellschaftliches Problem darstellt, das der Film geschickt mit der Horror-Story verbindet und eine quasi Lösung anbietet, die man anfangs so nicht erwartet: Wölfe erobern sich ihr Territorium zurück, erscheinen letztlich als überirdische und unbezwingbare Wesen, an die zu glauben der alte Polizist zunächst nicht bereit ist. Dass hier eine indianische Kultur bemüht wird, um Spirituelles, Magisches und Archaisches in die Story zu zaubern, mag etwas klischeehaft erscheinen, dennoch stellt natürlich gerade die Geschichte der indianischen Kultur eine Verbindung zur Geschichte des Films her und bietet dem Zuschauer somit Identifikation und die Möglichkeit, sich auch nachhaltig mit der Thematik auseinander zu setzen. Neben der tiefen Botschaft schafft es Wadleigh aber auch mit großem Gespür für dezent eingesetzte Splattereffekte, wie auch Suspense und dem Einsatz Bild verfremdeter Effekte, die die Sicht der Wölfe darstellen sollen, einem ein unwohliges Gruseln zu vermitteln.
Als der Film in den Kinos lief, befand sich die Brutalo-Zombie-Welle gerade auf einem Höhepunkt. Italien war hier Vorreiter. Außerdem schlitzten Maniacs und Jasons alle möglichen jungen Leute auf. So stellt auch in dieser Hinsicht WOLFEN einen interessanten Gegenentwurf zu den oberflächlichen Horrorfilmen jener Zeit dar.