Review
von Leimbacher-Mario
Der Bann mit der Todeskralle
Wölfe und Wolfswesen gibt’s im Horrorgenre massig. Wie in „Wolfen“ allerdings nur dort. Eine Prise unterschwellige Endzeit, ein Schuss indianischer Mythos, ein paar Momente ala „Predator 2“ und „Alien 3“, gesellschaftskritische Gedanken - fertig war ein als „Werwolf-Schocker“ beworbener Hit der frühen 80er, der völlig verdient seine ganz eigene Stellung im haarigen Kanon der Mondanheuler einnimmt... Wir folgen einem grantig-coolen Polizisten, der einen dreifachen, bestialischen Mord an reichen New Yorkern untersuchen soll. Schnell stellt er fest, dass die riesigen Bisswunden kaum von Menschen kommen können und dass vor allem in den ärmeren, verfallenen Gebieten der Stadt immer mehr Menschen (Obdachlose und Kranke) den reißerischen Bestien (?) zum Opfer fallen...
„Wolfen“ ist ein klasse Film, ein Klassiker seiner Zunft mit spitzen Zähnen, keine Frage. Neben „Dawn of the Dead“ gab es in meiner Jugend keinen anderen (Horror)Film, über den meine Eltern häufiger geredet und geschwärmt haben - jetzt weiß ich endlich, warum. Der damals noch richtig siffig und katastrophisch wirkende Big Apple hat seine ganz eigene Aura, die massiven Umbaumassnahmen an ihm werden sogar thematisiert und spielen keine kleine Rolle. Die Auflösung der ganzen, lange Zeit mysteriösen Chose muss man erstmal schlucken und verstehen, doch dann ist sie sehr ambivalent und tiefgreifend, richtig episch fast. Die Optik ist rau und hübsch zugleich, es gibt einige nette Kameratricks und der Soundboden (samt James Horner Score!) ist nährhaft und gespenstig gut. Leider hatte die deutsche 35mm-Version, die ich gestern sehen durfte, arge Tonprobleme, was dem beeindruckenden Klangteppich nicht würdig war. Von seiner Kraft und herbstlichen Anmut konnte das „Wolfen“ aber kaum etwas nehmen. Bevölkert von lässigen Arschlöchern aller Berufe und Schichten, einer unheimlich dichten Atmosphäre, faszinierenden Aufnahmen einer Bronx in Schutt und Asche und mit einer universellen Message ausgestattet, die wohl nie an Wirkung und Aktualität verlieren wird. „Wolfen“ gehört in jede Sammlung und „Werwolf“-Bestenliste. Stilvoll und packend, anmutig und bissig.
Fazit: einer der intelligentesten Filme mit dem „(Wer)Wolf“-Thema überhaupt und ein toller Ritt durch die Stadt, die niemals schläft, vor dem heftigen, gentrifizierten Umbruch. Atmosphärisch, mystisch, damals noch richtig dreckig und leicht apokalyptisch. Der mit dem Wolf tanzt mal anders...