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Neben dem Errol Flynn in der (ehemals) Dauerrotation als Samstagsnachmittags - Matinee oder den für die 'jüngere' Generation als Kassenschlager und Primetime - Garant angelegten Kevin Costner zählt dem Einvernehmen nach noch der Fuchs von Walt Disney als die gängigste Verkörperung des Robin Hood, Bestandteil des gleichnamigen Walt Disney Filmes, wobei sich das Studio zuvor schon mit Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen der Legende, und damals auch noch unter Aufsicht vom Firmengründer Walt Disney höchstpersönlich angenommen hat und nunmehr die Umstände quasi konträr dazu sind und die Verfilmung gleich mit.

Damals, Anfang der Fünfziger galt das Zeichentrickgeschäft des Konzerns als darbend, so dass sich auch erstmals zu der Entwicklung von live-Action Spielfilmen hin orientiert wurde, zumal auch noch britische Produktionsgelder als Unterstützung derlei Vorhaben verzeichnet wurden und dies und der Ertrag beim Publikum natürlich als positiver Faktor zu werten sind. Zwanzig Jahre später (und diverse weitere, allerdings hausexterne Verfilmungen v.a. seitens der Engländer und Italiener weiter) entstand erneut die Idee einer Adaption der Sage, diesmal amerikanisiert, animiert und (noch mehr und dies bis hin zur zuweilen störenden gänzlichen Verniedlichung) den kindlichen Augen und so zugleich der ganzen Familie arrangiert. Der Film auch als einziger reiner Beitrag für die Kinder in den amerikanischen Box Office Top Ten des Jahres, wo ansonsten zumeist reaktionäre Polizisten, in Blaxploitation-Gefilden wildernde Geheimagenten, Safecracker auf der Flucht im leprösen Dschungelcamp oder Exorzisten im verzweifelten Kampf mit Satan höchstpersönlich anwesend sind (von der Geschichte mit der Butter in Paris mal ganz zu schweigen.) Und hier das perfekte Kontrastprogramm dazu, die leichtfüßige Unterhaltung mit einerlei kleineren Macken allerdings dazu ansteht.

Der erste Film (von Ken Annakin) hat schon seine Liebhaber und die sich damit beschäftigten und ihre damalige Freude weitergebenden Fans; die vorliegende Variante von Wolfgang Reitherman, der Abschluss seines 1961 mit 101 Dalmatiner begonnen und über u.a  Das Dschungelbuch (1967) und Aristocats (1970) reichen(den) Sololaufes, ist selbst den Nichtkennern des Filmes von den Bildern her und vor allem eben der Allegorie durch den Fuchs als scheinbar mutiger Freiheitskämpfer im Sherwood Forest präsent. Bei einer aktuellen Neubetrachtung des Filmes muss man allerdings attestieren: Dem ist so eher nicht. [Animationen mit und über Robin Hood gab es übrigens schon in den Dreißigern mindestens derer Fünf; als Fabel selber mitsamt Tieren als Personifikation wurde ein Jahr zuvor in der Hanna-Barbera Produktion The Adventurers of Robin Hoodnik a.k.a. The Cartoon Adventurers of Robin Hound als Bestandteil des The ABC Saturday Superstar Movie ein Hund als Outlaw, ein Schwein als Bruder Tuck, ein Fuchs dafür als Allan-A-Dale und ein Bär als Little John eingesetzt. Die Bilder sind natürlich simpler, die Witze dafür einerseits lautmalerischer und klamaukig, zuweilen aber auch schärfer, und die Geschichte mit u.a. einem falschen Robin Hood, um die Reputation des Echten zu schädigen fast besser. Einen Einbruch in ein Gefängnis und die dort erfolgende Befreiung gibt es auch, und der 'männliche' Trupp aus dem Sherwood Forest hat eine wesentlich engere Bindung, obwohl oder weil sie teilweise auch Trottel vor dem Herrn sind. Während Marian eher der Störfaktor, da eine dem Luxus verfallene und sich bei der Bezeichnung 'Merrie Men' ausgeschlossen fühlende Emanze ist und auch dem Stehlen energisch widerspricht.)

Are we good guys or bad guys?“ wird der Fuchs noch in den ersten Minuten von seinem bis dahin einzigen Kompagnon, dem Bären, und das kurz nach dem knappen Entkommen vor den Schergen des Sheriffs gefragt; eine nicht kleine, aber kurze moralische Unsicherheit, die der Anführer der tollkühnen Gesellen zwar beiseite wischt und mit einem „We just sort of borrow a bit from those who can afford it.“ beantwortet, aber so deutlich allein dadurch noch nicht beantwortet ist. („Borrow? Boy, are we in debt.“) In dem folgenden Überfall auf die Reisetruppe des Königs, der im Grunde zwar auch heimtückisch und hinterlistig, aber mit Tricks und Kniffen und nicht mit Gewalt gehalten ist, stellt sich diese Frage erneut; wird doch chargiert und intrigiert, um an die Beute zu kommen und sich auch als etwas ausgegeben, was man nicht ist (weibliche Wahrsagerinnen) und mit den offensichtlichen Schwächen des Regenten gespielt (mangelndes Selbstvertrauen, Drang nach Anerkennung, und auch ein ausgeprägter Mutterkomplex), was nun nicht die nette Weise und die feine englische Art nicht ist. Überhaupt, und fraglich, ob dieses Schema und die Ursächlichkeit an der eigentlich ursprünglich von Animator Ken Anderson angedachten Bearbeitung vom wenig schmeichelhaften altfranzösischen „Le Roman de Renart“ (hierzulande sowas wie „Reineke Fuchs“, in der der Titelheld auf Kosten anderer Tiere seine Vorteile sucht) liegt: Die ersten zwei Drittel und auch vermehrt im erst spielerischen, dann plötzlich hitziger werdenden Showdown ist die Figur fast nur inkognito auf den Straßen um und im Schloss und in den Wäldern aktiv, schleicht sich quasi durch die Gegend, und wird auch erst nach der Enttarnung beim Bogenschützenduell mehr aktiv.

Zusammengehalten wird die etwas dünne Geschichte selber wie ähnlich bei der Realverfilmung durch (die präsenteren Nebenfiguren wie der bezaubernden Marian, die treue, allerdings auf der falschen Seite der Begebenheit stehende Schlange Hiss und deren Einfallsreichtum und Loyalität, und den Ankläger Tuck, der für seine offene Auflehnung selbst als Kirchendiener dem Tode ins Auge sieht und) den Gesang von Allan-A-Dale, der auf seiner Klampfe die Tonart vorgibt und die Handlung vorantreibt, wenn auch vielleicht nicht zur Gänze erzählt. Ton und Bild sind meistens auch das, was wirken, der Film punktet vor allem in den musikalischen Weisen, was schon beim beschwingt-treibenden Titelsong vermehrt auffällt und von dem insgesamt akustisch und visuellen Gesamteindruck man auch lange Zeit zehrt und einige Nachteile im Skript und Nachlässigkeiten in der Produktion, darunter so einige Übernahmen bekannter Animationen aus den eigenen Arbeiten vom Dschungelbuch bis hin zurück zu Schneewittchen auch aufhebt. Oft, nicht immer detailreich in den Grafiken, mit liebevollen Weichzeichnungen und märchenhaften Ungeraden und Schnörkeln, was selbst das heruntergekommene und teilweise leerstehende, da vor lauter Ausbeutung verlassene Nottingham auf den ersten Blick als einladend aussehen lässt und bei weiteren Örtlichkeiten wie dem Garten des Schlosses, Marians Zimmer oder den Nachtaufnahmen vom Sherwood Forest inkl. plätschernden Bach und der Kirche vom hier noch klerikal tätigen Bruder Tuck und seiner buchstäblich verarmten Kirchenmaus noch zusätzlich zu bewundern und sich dort heimisch fühlen lässt.

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