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"Das klingt für mich äußerst experimentell."

K?saku Tokita entwickelt in einem psychotherapeutischen Labor Geräte namens DC Mini, die es den Anwendern erlauben in die Träume der Patienten einzudringen und sie als Film aufzuzeichnen. Psychotherapeutin Chiba Atsuko wendet diese bereits unerlaubt an und agiert in den Träumen als lebhaftere Frau unter dem Namen Paprika, während sie in der Realität erheblich konservativer wirkt.
Als eines der DC Mini gestohlen wird, suchen Tokita, Atsuko und der Ermittler Toshimi Konakawa nach dem Dieb, der mit dem Gerät das Unterbewusstsein seiner Opfer manipuliert. Immer mehr Menschen fallen ihm zum Opfer. Traum und Realität beginnen sich zunehmend zu vermischen. Atsuko begibt sich deshalb in den Schlaf, um als Paprika die Verfolgung nach dem Dieb in den Träumen fortzusetzen.

Der japanische Regisseur Satoshi Kon ("Perfect Blue", "Paranoia Agent") ist bekannt für Filme, die verstrickt erzählt sind und Abgründe der menschlichen Seele thematisieren. In seinem fünften animierten Film "Paprika" sind diese Elemente auch wieder enthalten. Daher ist Aufmerksamkeit ein wesentlicher Faktor um den Anime-Thriller überhaupt verstehen zu können. Die anspruchsvolle Handlung rund um die entführte Traummaschine und die Figur Paprika spielt nämlich eine ganz wichtige Rolle.

Bereits zu Beginn zeigt "Paprika", wie schnell man sich in dem komplexen Handlungsgeflecht verlieren kann. Der Film startet mit einem sehr rasanten Albtraum. Schon von der ersten Minute an erfolgt der Wechsel zwischen Traumsequenzen und Realität flüssig und oftmals unbemerkt. In wessen Traum man sich gerade befindet und warum, ist manchmal schwer nachvollziehbar. Ebenso worin der Zusammenhang der einzelnen Szenen besteht.

Der Zeichentrickfilm ist erzählerisch häufig holprig, denn er lässt sich keine Pause um die gerade erfolgende Situation zu erklären oder seinen Figuren Farbe zu geben. Langeweile tritt dadurch zwar nicht auf, eine erzählerische Tiefe allerdings auch nicht. Bei den sperrigen Figuren findet sich einfach keine Sympathiefigur und somit bleibt dem Zuschauer nur die Option, mit der utopischen Geschichte warm zu werden. Dies ist nicht gerade einfach, denn die überwiegend surrealen Elemente sind ebenfalls schwer verdaulich.

"Paprika" bedient sich aus vielen Ideen, die schon aus anderen Filmen bekannt sind. "The Cell" sowie "eXistenZ" lassen grüßen, denn auch dort geht es um Träume bzw. Traumwelten. Die Ästhetik orientiert sich an Satoshi Kon's Vorgängerfilme. Und auch die "Matrix"-Reihe ist an Kon sicherlich nicht vorbeigegangen.

Etwas mehr Eigenständigkeit findet sich in der Animation. Dort blüht "Paprika" regelrecht auf. Die Bilder sind unglaublich farbenfroh und mit zahlreichen Details ausgestattet. Überwiegend sind diese Bilder gezeichnet, nur bei manchen dynamischeren Szenen hilft die digitale Technik nach. Die Figuren sind zwar eher realitätsnah proportioniert, das fantastische Setting lässt aber jede Menge bizarre Bilder zu, die eine ganz schön gruselige Atmosphäre aufkommen lassen.

Trotz der Bildgewalt setzt "Paprika" nicht an Satoshi Kon's vorherige Werke an. Erzählerisch ist der Anime zu schnell und zu oberflächlich. Und das bei einer inkonsistenten Handlung, dessen bizarre Elemente es nochmal schwieriger mit den Bezügen zu machen. Es fehlt das Feingefühl bei der Figurenzeichnung. Auch die Themen scheinen weniger abgrundtief als gewohnt. Daher kommt es schon nach den einführenden Minuten zu Längen, die bis zum Ende des Films nicht kompensiert werden. Schade für die eigentlich intelligente Geschichte. Sehr knappe ...

4 / 10

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