Mit der Karriere von Sylvester Stallone (Cliffhanger) wollte es in den letzten zehn nicht mehr so recht klappen. Bis auf wenige Juwelen wie "Cop Land", "Assassins" und "Get Carter" findet man da nur noch peinliche Vehikels der Marke "Driven" oder "Daylight" vor. Hin und wieder mal ein Cameoauftritt wie in "Taxi 3", damit man noch die monatliche Miete abzahlen kann und sein täglich Brot zwischen die Beißer bekommt, ist dann noch drin. Ob die geplanten Serienfortsetzungen von "Rocky" und "Rambo" da Abhilfe schaffen und dem Stallone seine verdiente Rente bescheren werden, bleibt abzuwarten. In den letzten zehn Jahren gab es aber nicht nur komplette Nieten und Glanzstücke, sondern auch Werke, die dazwischen liegen. Und dazu gehört "D-Tox", der immerhin noch Mittelmaß ist.
FBI-Agent Jake Malloy (Sylvester Stallone) hat bereits mehrere seiner Kollegen verloren, die Opfer eines brutalen Serienkillers wurden. Als auch seine Freundin Mary (Dina Meyer) von diesem Mörder getötet wird, plagen den Agenten Schuldgefühle, die er in Alkohol ertränkt und schließlich mit Selbstmordversuchen beenden will. Malloy wird darauf für eine Entziehungskur in ein Therapiezentrum für Polizeibeamte gesteckt. Doch die therapeutische Zufluchtstätte wird bald zum höllischen Gefängnis, als ein Schneesturm die Klinik von der Außenwelt abschneidet. Ein Patient nach dem anderen wird unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden und es wird klar, dass Marys Mörder in der Anstalt sein Unwesen treibt...
Stallone kann sich in diesem Serialkiller-Thriller recht wacker schlagen, auch wenns noch lange nicht preisverdächtig ist. Eine Goldene Himbeere wäre aber ebenso unnötig. Nun ist Stallone ja eher der Mann für den Actionbezirk und weniger für Thriller zuständig, weshalb man mit Darstellern wie Kiefer Sutherland, Kurt Russell oder Gary Sinise besser beraten gewesen wäre. Eine der wenigen guten Darbietungen bekommt man zudem von Charles S. Dutton (Alien³) geboten, der den Part des Vorgesetzten gut über die Bühne ziehen kann. Da Dina Meyer (Saw) recht früh das Zeitige segnet, muss natürlich für Ersatz in Form von Polly Walker (Visions of Death) gesorgt werden. Mir persönlich hat Meyer in ihren wenigen Szenen wesentlich besser gefallen und Walker kann als weibliches Anhängsel Stallones nicht überzeugen. Völlig unter Wert verkauft sich dann noch Kris Kristofferson (Blade), der trotz seines Parts des Psycho-Docs in der Therapiesitzung recht wenig von sich gibt und den internen Zankereien in der Runde einfach ihren Lauf lässt. Besagte Runde besteht aus mehreren Klischee-Bullen, von denen Robert Patrick (The Marine) am auffälligsten hervorsticht und eine ziemlich peinliche Performance abgibt. Vielleicht die peinlichste Darbietung seiner ganzen Karriere. Der Cop-Killer wird schließlich von Christopher Fulford (Merry Christmas) verkörpert, der jedoch eine Enttäuschung ist. Warum hat man Robert Patrick nicht den Killer spielen und mit seiner eiskalten T-1000-Mimik agieren lassen? Wäre jedenfalls wesentlich besser als Fulford gewesen. In Nebenrollen bekommt man noch Tom Berenger (Sniper) als ein Taugenichts von Hausmeister, Jeffrey Wright (Syriana) und Sean Patrick Flanery (Best Men) als psychische Cop-Wracks zu sehen.
Vom Ausgangspunkt und der Handlung her ist "D-Tox" durchaus interessant und hätte eine Menge Potential, die Regisseur Jim Gillespie (Venom) kaum genutzt hat. Statt einen gut durchdachten Psychothriller mit glaubhaften Charakterstudien und klaustrophopischer Atmosphäre abzudrehen, hat der Mann hier einen simplen "10 kleine Negerlein"-Plot mit überwiegend uninteressanten Charakteren und Logikfehlern vom Stapel gelassen. Mag der Film zwar an John Carpenters "The Thing" sowie "Shining" und "Mindhunters" erinnern, so hat er noch lange nicht dessen Klasse. Viel zu hektisch und unübersichtlich wurde das lokale Szenario geschnitten, da die Gejagten überwiegend unorientiert wie von der Tarantel gestochen durch zig dunkle Gänge flitzen. Läuft einer dem Killer dann mal in die Falle, so wird meistens im Off oder recht unspektakulär gemeuchelt. Die Bohrer-Szenen zu Beginn sind da noch die besten Sequenzen, die "D-Tox" diesbezüglich zu bieten hat. Da man sich hier in einem Thriller befindet, gibt es trotz Stallone recht wenig Action und erst im Finale wird richtig aufgedreht. Hier mutiert Stallone urplötzlich vom Psycho-Wrack zum Rambo-Bullen, der den Killer sogar "Cliffhanger"-like hochstemmen und dann in ein Nadelkissen aus Fleisch verwandeln darf. Dies ist somit noch die brutalste Szene im Film und kann den faden Showdown etwas aufwerten. Was die Locations angeht wirkt ein stillgelegter Bunker am Arsch der Welt als Heilanstalt für psychisch kaputte Cops etwas unrealistisch und die Inneneinrichtung entspricht auch nicht unbedingt den Standards einer solchen Anstalt. Eher wirkt der Gebäudekomplex wie ein Knast, wo man den Abschaum der Zivilisation wegsperren will. Wie einst John McClane kriecht der Killer dann unbemerkt in den Lüftungsschächten herum und die Opfer rennen in bester "Alien³"-Manier durch dunkle Gänge. Die Auflösung der Indentität der Killers geschieht dann auch recht banal und unspektakulär. Banal sind auch die Motive des Killers. Was "D-Tox" aber dennoch aufwerten kann, ist die winterliche Atmospäre, die streckenweise auch schön bedrohlich wirkt. Dies sowie der Beginn und der Showdown machen den Streifen immer noch zu unbedenklich konsumierbarer Durchschnittsware. Schließlich bleibt noch die Spannung und die Musikuntermalung zu erwähnen. Während der Score weitestgehend in Ordnung geht, herrscht kaum Spannung, da die Protagonisten überwiegend nur sich gegenseitig beschuldigen und für Polizisten recht übertrieben reagieren. Echte Spannung kommt nur dann auf, wenn es um die wahre Identität des Mörders geht. Nach erstmaligem Anschauen geht natürlich auch dieser Spannungsfaktor flöten.
Im Endeffekt ist "D-Tox" nur ein weiterer 08/15-Thriller im Fahrwasser von "Sieben", und kann trotz prominentem Cast nur bedingt überzeugen. Ein solider Stallone, winterliche Atmosphäre und Anfang sowie Ende des Streifens machen "D-Tox" dennoch einigermaßen genießbar.