Review

Wie ist dieses Fiasko eigentlich zustande gekommen?
Beim Verfassen des Drehbuchs?
Während des Drehs?
Im Schneideraum?
Fragen, die uns wohl kaum jemand noch beantworten kann, denn das Ding wurde im Frühjahr 1999 gedreht und da inzwischen fast drei Jahre ins Land gegangen sind, kann sich bestimmt kaum jemand daran erinnern. Oder will es auch gar nicht. Aber irgendwann strandet auch das letzte Wrack in einer Videothek und da läuft so manche Totgeburt recht profitabel.

Beobachten wir diese Ruine also mal ganz nüchtern Stück für Stück...
Zunächst mal das Etikett: Cop-Thriller mit Horror-Elementen und Serienkiller. Opfer sind immer Cops. Hmtja, aus so was macht ein gewisser D.A. aus Italien bombige Giallos, wo man dann den halben Film rund um Metzeleien über dem Motiv brüten darf. Aber nicht mit Jim Gillespie. Der präsentiert zu einem vom Vorgänger "Sieben" inspirierten (und viel zu langen) Vorspann schon die Stimme des Täters und seine komplette Motivation. Schön, müssen wir uns später nicht darum kümmern.

Starten wir mit einem koventionellen Serienkillerthriller. Stallone jagt, Stallone will heiraten, Stallone hat keine Spur. Doch der böse Onkel meuchelt neben den vielen Bullen-Kollegen ohne jeglichen Grund abseits seines sonstigen Verhaltens ausgerechnet Stallones Verlobte, die irgendeinen anderen Job hat. Oder arbeitslos ist. Warum er es ausgerechnet auf Sly abgesehen hat, wird auch später nicht aufgelöst. Ist auch nicht so wichtig.

Der Täter meuchelt, so scheints, sich selbst und Stallone versinkt im Suff. Daß der Mann unserem Ahhnold nach "End of Days" auch alles vormachen muß, bzw. nachmachen...
Ergo verfrachtet Charles Dutton (der einzige, der hier das Prädikat Schauspieler verdient) ihn mit zittrigen Händen ins eingefrorenste Wyoming, wo gerade der Schneesturm heult, weil da die frisch gestartete Entgiftungseinrichtung steht.

Jeder Psychiater würde sich sofort UNTER seine eigene Couch legen, wenn er in diesem ehemaligen Atombunker auch nur einen Goldhamster therapieren müßte. Ein riesiger Metallkomplex, in dem ein paar Zellen eingerichtet wurden und wo in einer Halle zehn Stühle für die Patienten steht. Beleuchtet ist das alles so gut, wie man sich eine Nachtwanderung in einer Tropfsteinhöhle vorstellt.

Gut, daß alle nur Drogenprobleme haben, psychisch Kranke hätten sich hier vermutlich sofort umgebracht. Kein Wunder, wenn ich dann auch noch den "Doc" sehe. Den spielt (und das dürfte das Fehlcasting des Jahrzehnts sein) ausgerechnet Kris Kristoffersen und der versucht noch nicht mal, sich wie ein Arzt zu benehmen, sondern geht die Rolle wie die des Whistler aus "Blade" an. Robuster Typ, nur mit dem Beruf hat er es nicht so.

Das zeigt sich dann bei einer zum Schreien komischen Gruppensitzung, wo er mehr oder minder gar nichts sagt, sondern die übrigen Knallchargen aufeinander losgehen läßt.
Und was das für ein Verein ist, zehn der übelsten Abziehbilder aus der Cop-Kiste und wir ahnen schon, einer ist der Killer! Ist es der schwarze "Reverend"? Der alte Mann? Der Typ mit den autistischen Zügen? Oder doch Robert Patrick, der seinen paranoiden Swat-Mann als eine Art psychopathisches Rumpelstilzchen mit J.R.-Sticheleien inszeniert und den Preis für die peinlichsten Dialogzeilen schon fast sicher hat.

Wer übrigens bei der sekundenschnellen Vorstellung dieser und der übrigen Charaktere nicht wahnsinnig gut aufpaßt und dolles Gedächtnis beweist, wird später extreme Probleme bekommen, die ganzen Typen erst mal auseinanderzuhalten, wenn sie wahlweise durch Bunker oder Schnee wanken und ALLE in ihren Pelzkragenparkas aussehen wie der Killer aus "Düstere Legenden". Dazu kommen dann noch ein ebenfalls angeknackster Pfleger und, oh Gott, Tom Berenger als Hausmeister, der aber nichts anderes zu tun hat, als immer nur anzusagen, was gerade oder demnächst kaputtgeht, ohne jedoch was dagegen zu tun.

Mit Personenschicksalen wird sich dann aber auch nicht mehr aufgehalten, denn alsbald gibt es den dicken Schneesturm und ein Mörder geht um und die Paranoia wächst sich zu patenter Panik aus, wenn jeder jeden verdächtigt.
Oder besser gesagt, der Film verwandelt sich von einer lächerlichen Vorstellung in einen großen Haufen Scheiße.
Oder noch detaillierter, in eine Mischung aus Durchschnittsslasher, "Shining" und Carpenters "The Thing".

Jetzt muß die Leistung des Schnittmeisters beglückwünscht werden (obwohl ich mir fast sicher bin, daß der Schrott vor der deutschen Veröffentlichung noch mal geschnitten wurde), denn ein derart hektischer und konfuser Hickhack ist mir selten untergekommen. Wer da gerade wen umbringt, vor wem flieht oder noch besser von wem gerade gesprochen wird, ist bisweilen völlig unverständlich oder nur mit Rückspulen nachzuvollziehen. Wenigstens haben alle Waffen und das Tempo ist recht flott, wenn auch alles so gestückelt wirkt, als hätte man es extrem eilig gehabt. Besonders hart ist das übrigens dann auch nicht, wer auf reichlich Blut steht, das verliert sich in den fast stockdunklen Sets, durch die dann auch ausgiebigst durchgelaufen werden darf.

Und mittendrin irgendwann entdeckt Stallone auf dem ödesten und langweiligst inszenierten "Höhepunkt" seit Jahren die wahre Identität des Killers. Nicht daß er ihn stellt und der Täter aus dem Dunkel tritt, nein, er findet ein Streichholzbriefchen, sagt einen Namen und das wars dann. Der Rest ist Standardgemetzel mit Dutton in der genauen Kopie der Rolle des schwarzen Kochs aus "Shining" (kommt mit Schneemobil, lenkt ab, bekommt Kugel...), bis Stallone den bösen Mann (der neben der eben schon bekannten Motivation wahrhaft nicht sonderlich eindrucksvoll ist) endlich "festnagelt".
Übrigens müßig zu erwähnen, daß sein Händezittern in der Sekunde verschwindet, als er ahnt, daß hier bööööse Sachen vorgehen. Solche Alkis braucht das Land.

Vielleicht hätte man an dem Schinken nicht so viel rumschnippeln sollen, aber letztendlich hätte er auch im Regal bleiben können, denn Jim Gillespie und das Buch beweisen derart wenig Einfallsreichtum, daß verwunderlich ist, daß dieses Projekt überhaupt angegangen wurde.
Hartgesottene Schundkenner jubeln vermutlich noch ob der "harten Qualitäten" dieses Hackepeters, alle anderen sollten ihr Geld lieber sparen für Filme, bei denen sie nicht von einer Horde von Unfähigen für dumm verkauft werden. (3/10)

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